DIHK-Umweltbarometer 2025: Unternehmen zwischen Umweltzielen und Wettbewerbsdruck

Die deutsche Wirtschaft steht hinter Umwelt- und Klimazielen, doch deren Umsetzung wird zunehmend zur Belastung. Das DIHK-Umweltbarometer 2025 zeigt, wo Unternehmen Chancen sehen, wo Bürokratie hemmt und welche Rahmenbedingungen jetzt entscheidend sind. Am DIHK-Umweltbarometer im Sommer 2025 haben sich 1.674 Unternehmen aus ganz Deutschland beteiligt, 69 Prozent davon KMU.
Das erste "DIHK-Umweltbarometer" stellt dar, welche Umweltregulierungen in den verschiedenen Branchen besonders relevant sind und wie sie sich auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Es legt insbesondere einen Fokus auf Ökodesign und den Digitalen Produktpass, auf das "Recht auf Reparatur", auf die neuen Verpackungsregelungen und das Chemikalienrecht sowie auf den Dokumentationsaufwand und die Herausforderungen bei der Umsetzung von Umweltregulierungen.
Unternehmen sind sich Ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst und zeigen sich aufgeschlossen, den Umweltschutz weiter voranzutreiben. Branchenübergreifend spielt dabei die Imagepflege eine bedeutende Rolle (39 Prozent). Die Erfüllung von Kundenanforderungen und Risikominimierung durch rechtssichere Prozesse und Produkte sind für das verarbeitende Gewerbe besonders wichtige Aspekte.

Ruf nach weniger Bürokratie und verlässlichen Rahmenbedingungen

Viele Unternehmen sehen in Umweltregulierungen zwar einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, zur Imagepflege und zur Erfüllung von Kundenanforderungen – die praktische Umsetzung ist jedoch oft herausfordernd: Insbesondere mit hohem laufendem Aufwand an Sach- und Personalkosten. Um effektiver handeln zu können, wünschen sich nahezu neun von zehn Betrieben weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und einheitliche Regelungen auf nationaler und europäischer Ebene.

Der digitale Produktpass ist vielen Unternehmen noch kein Begriff.

Obwohl der digitale Produktpass als zukünftiges zentrales Instrument für Kreislaufwirtschaft und Transparenz gilt und die Entwicklung sich auf der Zielgeraden befindet, ist er in der Unternehmenspraxis bisher kaum angekommen – knapp zwei von drei Unternehmen kennen ihn nicht. Unternehmen, denen der digitale Produktpass aber bereits bekannt ist, bewerten in überwiegend als Chance für ihr zukünftiges Wirtschaften.

Wissenslücken und hoher Aufwand durch neue EU-Verpackungsverordnung.

Nur etwa ein Viertel der Unternehmen sind aktuell mit den Anforderungen der neuen EU-Verpackungsverordnung bereits vertraut. Nach Einschätzung der Betriebe, die bereits mit der PPWR vertraut sich, werden die vielfältigen Pflichten – von der Registrierung bis zur Wiederverwendung – auch zukünftig einen erheblichen administrativen Aufwand verursachen. Dennoch wird mit Erleichterung durch den Wegfall der nationalen Regelungen und der Einführung von harmonisierten europäischen Regeln gerechnet.

Chemikalienregulierungen sorgen für hohe Belastung und Anpassungsdruck.

Jedes zweite Unternehmen empfindet die wachsenden Anforderungen durch Chemikalienregulierungen als komplex und zeitaufwendig – insbesondere bei Informationspflichten, Sicherheitsdatenblättern und dem Arbeitsschutz. Zusätzlich entsteht Unsicherheit durch mögliche Stoffverbote, etwa bei PFAS, da passende Ersatzstoffe nicht immer verfügbar sind.

Biodiversität gewinnt an Relevanz, bleibt aber im Unternehmensalltag oft nachrangig.

Das Thema Biodiversität wird in der Wirtschaft zunehmend wahrgenommen. Während einige Betriebe erste Maßnahmen ergreifen oder darüber berichten, betrachtet rund die Hälfte Biodiversität weiterhin als nicht relevant für ihr Geschäft. Externe Anforderungen – etwa durch Kunden, Finanzinstitute oder Versicherungen – dürften das Thema jedoch mittelfristig stärker auf die Unternehmensagenda rücken lassen.

Umweltinitiativen im Betrieb stark, überregionale Vernetzung noch ausbaufähig.

Zahlreiche Unternehmen setzen bereits auf etablierte Umweltmanagementsysteme wie ISO 14001 oder EMAS. Bei der Beteiligung an Umwelt-, Klima- oder Nachhaltigkeitspakten auf Landesebene bleibt das Engagement hingegen verhalten. Das zeigt: Nachhaltigkeit wird oft nur intern gesteuert.
(Quelle DIHK)