Energiewende am Scheideweg

Schon heute stammen laut Bundesregierung fast 60 Prozent unseres Stroms aus Wind, Sonne und Co. Dennoch steht die Energiewende an einem Scheideweg. Unternehmen klagen seit langem über hohe Strompreise im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein, denken einige energieintensive Firmen über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach, zehntausende Arbeitsplätze drohen verloren zu gehen.
Von Claudia Lösler
Auch im aktuellen Energiewende-Barometer der IHK-Organisation spiegelt sich dieses Bild wider. Zu hohe Energiepreise drücken auf die Investitionsfähigkeit der Unternehmen. Fast drei von zehn Unternehmen geben an, Investitionen in wichtige Kernprozesse zurückzustellen. Ein gutes Fünftel kann sich zudem nach eigenen Angaben mit weniger Mitteln im Klimaschutz engagieren, etwa jedes fünfte Unternehmen in Baden-Württemberg erwägt mittlerweile die Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland oder die Produktion im Inland einzuschränken. Und mehr als 70 Prozent der befragten Südwestbetriebe bemängeln zu viel Bürokratie bei Energie- und Klimaschutzmaßnahmen.
Dem Punkt mit der Bürokratie kann Markus Mettler nur zustimmen. Er ist Leiter Technischer Betrieb und Immobilienmanagement bei ebm-papst in Mulfingen. Der weltweit führende Hersteller von Ventilatoren und Motoren investiert aktuell rund 6,5 Millionen Euro für eine neue Energiezentrale mit reversiblen Hochtemperaturwärmepumpen in Mulfingen, um weiter von fossilen Brennstoffen wegzukommen. „Wir haben schon vier Blockheizkraftwerke, die sehr effektiv sind, jedoch mit fossilem Erdgas betrieben werden. In diesem Jahr haben wir zusätzlich eine Photovoltaikanlage in Betrieb genommen, die bis zu zwei Megawatt erzeugen kann.“ Doch allein die Genehmigungsverfahren für diese Maßnahmen zogen sich, berichtet er. Unzählige Unterlagen und Zertifizierungen zum Beispiel bei der Photovoltaik waren erforderlich, die Anforderungen, egal ob im Baubereich, Brandschutz oder Netzanschlüssen, seien heute enorm. Auch fehlende Flexibilität seitens der Behörden bemängelt Mettler: „Die eigentlich verpflichtende PV-Anlage auf unserem Neubau in Mulfingen wäre auf unserem vier Kilometer entfernten Werk in Hollenbach viel sinnvoller als in der Tallage mit Verschattung in Mulfingen. Laut Verordnung liegen die Standorte aber nicht in räumlicher Nähe. Daher dürfen wir das Werk in Hollenbach nicht als Ersatzfläche nutzen, obwohl der Netzbetreiber der Hochspannungsleitung, die über das Werksgelände in Mulfingen führt, eine PV-Anlage auf unseren Dächern verbietet.
Die Genehmigungsbehörden nutzen die Spielräume nicht mehr so aus, wie es früher mal war.
Und dennoch lässt sich das mittelständische Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken von der Bürokratie nicht abschrecken. Ganz im Gegenteil. Gerade erst wurden weitere PV-Anlagen an den Standorten Landshut und Herbolzheim installiert und das Unternehmen findet noch weitere Wege, die Energiewende weiter zu bestreiten. Zum Beispiel durch einen langfristigen Vertrag mit einem Stromerzeuger, in dem die Bedingungen für die Lieferung von Strom festgelegt wurden: „Unser PPA-Vertrag bietet uns neben den ökologischen Aspekten auch ökonomische Vorteile: Durch die langfristige Vereinbarung bekommen wir für die PPA-Liefermenge einen stabilen Strompreis und wir sind unabhängiger von den volatilen Energiemärkten“, so Markus Mettler.
Mit seinen 13.500 Mitarbeitenden weltweit steht ebm-papst im internationalen Wettbewerb. Auch hier sind Energiekosten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, „aber wir sind kein energieintensives Unternehmen“, betont Mettler. Ab Januar 2026 will die Bundesregierung nun die energieintensive Industrie mit einem staatlich subventionierten Strompreis entlasten. Obwohl ebm-papst nicht als energieintensives Unternehmen zählt und somit keine Vergünstigungen erhält, wird weiter in eine zukunftsfähige Energieversorgung investiert.
Dass das Unternehmen überzeugt davon ist, dass es eine Energiewende braucht, zeigt auch ihr Engagement beim Verband der Klimaschutzunternehmen mit Sitz in Berlin. 2009 wurde dieser von der Deutschen Industrie und Handelskammer und dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium gegründet. ebm-papst war eines von vier Gründungsmitgliedern, das seitdem als Aushängeschild für die Deutsche Wirtschaft dient. Markus Mettler ist seit 2019 im Vorstand und seit Anfang an im Beirat der Klimaschutzunternehmen e.V..
Hier weitere Informationen zum Energiewendebarometer 2025.
Claudia Lösler
Referentin Wirtschaftskommunikation