Von Claudia Lösler
Seine Geschichte beginnt jedoch nicht mit einem klassischen Freizeitpark, sondern mit einer einfachen Gartenwirtschaft. „Unsere Oma Karoline Fischer hat uns erzählt, dass 1924 bereits eine Gartenlaube vorhanden war“, berichten die Geschäftsführer und Brüder Helmut und Roland Fischer. Ihr Großvater, Eugen Fischer, hatte damals den landwirtschaftlichen Betrieb und die Gaststätte im Weiler Treffentrill bei Cleebronn von seinem Vater übernommen. Schon früh entwickelte sich der Ort zu einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer vom Michaelsberg und aus der Umgebung.
1929: Bau der 1. Altweibermühle.
1929 entstand mit der ersten Altweibermühle jene Attraktion, die bis heute als Ursprung und Wahrzeichen von Tripsdrill gilt. Die Idee beruhte auf einer regionalen Sage, nach der alte Frauen beim Durchrutschen einer Mühle wieder jung gemahlen würden. Die erste Ausführung war vollständig aus Holz gebaut. Dass das Rutschen nicht immer reibungslos verlief, ist Teil der überlieferten Familiengeschichte. „Es passierte, dass sich der ein oder andere Besucher einen Spreißel beim Rutschen einfing. Unsere Oma hat die Spreißel dann in ihrem Wohnzimmer entfernt und als Entschädigung gab es ein paar frisch gebratene Spiegeleier – so war also früher die Haftpflichtversicherung geregelt“, berichten sie scherzend. Diese Erinnerung steht sinnbildlich für die Gastfreundschaft, die seit jeher im Mittelpunkt des Freizeitparks steht. „Uns war und ist es immer wichtig, unseren Besuchern Freude zu bereiten und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dies wurde uns mit in die Wiege gelegt. Nebenbei sollen unsere Gäste aber auch die Kultur des ‚Ländle‘ mit unseren Bräuchen, Geschichten und Sagen entdecken. Heute braucht es natürlich viel mehr als früher, um die Besucher zu begeistern.“
Ein Blitzschlag, der alles zerstörte
Der größte Tiefschlag in der Geschichte von Tripsdrill war die vollständige Zerstörung der Altweibermühle 1946 durch einen Blitzschlag. Gründer Eugen Fischer kehrte aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück, Deutschland lag in Trümmern. Und dennoch entschied sich sein Sohn Kurt Fischer gemeinsam mit seiner Frau für einen Neuanfang. In einer Zeit, in der es vielerorts an Hoffnung mangelte, sollte Tripsdrill wieder ein Ort der Begegnung werden.
Die Menschen brauchten einen Lichtblick, ein Ziel für eine Pause oder eine Abwechslung in diesen dunklen Zeiten. Und das hat unser Vater mit der Altweibermühle, seiner Ausflugsgaststätte und der Tanzfläche erschaffen.
Roland und Helmut Fischer
1950: 2. Altweibermühle – Gesamtansicht mit Tanzboden.
Mit dem Wiederaufbau der Mühle, die 1950 erneut eröffnet wurde, war der Grundstein für die weitere Entwicklung des Parks gelegt.
Über die folgenden Jahrzehnte wuchs Tripsdrill behutsam auf seine heutige Größe von 77 Hektar mit über 100 Attraktionen und mit ihm auch der angrenzende Tierpark, in dem heute auf über 47 Hektar über 60, meist einheimische Tierarten, ihr Zuhause haben. Trotz dieses Wachstums blieb der Betrieb stets in Familienhand. „Familientradition ist ein Kernthema unserer Philosophie. Bereits seit der Gründung 1929 durch unseren Großvater Eugen Fischer ist der Betrieb in Familienhand. Und auch wenn der Erlebnispark stetig wächst, bleiben wir unserer Linie immer treu und bodenständig.“
Seit 1996 sind Helmut und Roland Fischer in dritter Generation Geschäftsführer. Dass sie den Familienbetrieb weiterführen wollten, stand für die Brüder außer Frage. Schon von Kindesbeinen an halfen sie mit - Roland Fischer arbeitete hinter der Theke, Helmut Fischer an den Attraktionen oder an der Kasse. Ein anderer beruflicher Weg stand nie ernsthaft zur Debatte. Gleichzeitig sammelte jeder von ihnen zusätzliche Erfahrungen außerhalb des Parks, etwa durch ein Tourismusstudium oder eine Ausbildung in der Gastronomie.
Als prägendes Vorbild nennen die Brüder ihren Vater.
Vorbilder – darunter stellt man sich heute irgendwelche Prominenten vor. Für uns, die wir in und mit dem Park aufgewachsen sind, ist unser Vater Kurt Fischer ein solcher Mensch.
Roland und Helmut Fischer
Die preisgekrönten Achterbahnen „Volldampf“ und „Hals-über-Kopf“.
Sein unternehmerischer Mut zeigte sich nicht nur im Wiederaufbau nach dem Krieg, sondern auch in der konsequenten Entwicklung eigener Attraktionen. „Dabei kamen keine Anlagen von der Stange zum Einsatz, sondern oftmals Neuentwicklungen zu seinen Ideen. Damit gilt er als Pionier der Freizeitparkbranche und wurde deshalb auch vom Herstellerverband geehrt und ausgezeichnet.“
Echt, authentisch, regional
Diese Herangehensweise prägt den Park bis heute. „Wir entwickeln alle Attraktionen selbst, denn uns ist jedes Detail wichtig.“ Inspiration kommt aus der Region, aus der eigenen Heimat, von Besuchern oder von Reisen. Ein wesentliches Merkmal bleibt die Authentizität der Gestaltung.
Wir arbeiten ohne Kulissen – bei uns ist alles Baumaterial echt. Bis die neue Attraktion gebaut und umgesetzt wird, können Jahre vergehen.
Roland und Helmut Fischer
Besonders prägend für die jüngere Entwicklung ist der Ausbau des Natur-Resorts mit über 300 Betten in Baumhäusern und Schäferwagen. „Das Genehmigungsverfahren hat sich fast sechs Jahre hingezogen und uns sowie das gesamte Planungsteam sehr viel Energie und Geduld gekostet.“ Ein weiteres großes Herzensprojekt der Brüder ist das aktuelle Großbauprojekt mit einer Erlebnisgastronomie sowie einem neuen Rezeptionsgebäude inklusive Schwimmbad und Wellnessbereich. „Bei diesem Großbauprojekt handelt es sich um die größte Einzelinvestition unserer fast 100-jährigen Geschichte. Uns ist es wichtig, trotz schwieriger Zeiten, Lichtblicke zu geben und mit dieser Investition ein mutiges Zeichen zu setzen.“
Der Blick in die Zukunft ist eng mit dem Generationenwechsel verbunden. Die vierte Generation ist bereits fest im Familienbetrieb integriert, sodass sich der Kreis aus Tradition, Weiterentwicklung und familiärer Kontinuität auch in Zukunft schließen soll.
Karle Kolbenfresser & Sohn – Erfindungen aller Art vor dem Tagungsgebäude mitten im Park mit Tüftlerstätte (Tagungsraum), Gastronomie und Shop.