Landtagswahl 2026: Neue Landesregierung muss auf „Kurs Wirtschaftswende“ gehen
Regulatorik und Verwaltung
Der BWIHK fordert daher einen strukturellen Befreiungsschlag, welcher beinhaltet:
- ein Belastungsmoratorium für neue Bürokratiepflichten,
- das Prinzip „One in, two out“ bei neuen Regelungen,
- verbindliche Sunset-Klauseln (verpflichtende Befristung) für Rechtsakte,
- mehr Vertrauen in unternehmerische Eigenverantwortung durch ein Selbsterklärungsprinzip sowie
- verbindliche Genehmigungsfristen nach dem Vorbild der Vollständigkeitsfiktion
Industrie und Innovation
Der BWIHK fordert dazu eine strategische Neuausrichtung der Förderpolitik, orientiert an den fünf Handlungsempfehlungen des Normenkontrollrats BW:
- Förderwesen vereinfachen (NKR-Empfehlungen): zentrale Koordinierung über eine Stelle, Standardisierung von Programmen, mehr Transparenz im „Förderdschungel“, Förderwesen konsolidieren (weniger, aber sinnvolle, möglichst breit angelegte Programme), vollständige Digitalisierung der Verfahren.
- Bewährte, gut laufende Programme dafür verstetigen: Innovationsgutscheine, Invest BW und Digitalisierungsprämie Plus technologieoffen fortführen – dieser „Förderdreiklang“ deckt die unterschiedlichen Bedarfe der Unternehmen gut ab.
- Digitalisierungsprämie ausbauen: Sie wird von Betrieben gut nachgefragt. Den Wegfall der Zuschussförderung überdenken/rückgängig machen, die reine Kreditförderung ist für viele Betriebe zu bürokratisch und wenig praxisnah.
- Flexiblere Zugänge: Förderanträge jederzeit möglich machen, „Beginn auf eigenes Risiko“, verbindliche Entscheidungsfrist von drei Monaten.
- Zukunftstechnologien fokussieren, Strukturen für Digitalisierung, KI & Datenökonomie weiterentwickeln: Mit KI-Allianz, Cyber Valley & weiteren Exzellenzzentren verfügt BW über international sichtbare Strukturen, deren Ausbau durch mehr Zusammenarbeit beschleunigt werden kann. Ziel: ein landesweites KI-Valley.
Bildung und Fachkräfte
Der BWIHK sieht das Land in folgenden Handlungsfeldern gefordert:
- Studiengebühren abschaffen: Allgemeine Gebühren für internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern streichen – sie schwächen den Wettbewerb um MINT-Talente. Gleichzeitig gezielte Begleitung ausländischer Studierender und Absolventen durch praxisnahe Sprachkurse und Mentoringprogramme.
- Ausbildungsreife sichern: Einführung eines verbindlichen Kompetenzrahmens mit klaren Standards für fachliche, soziale, digitale und methodische Fähigkeiten.
- Berufsorientierung stärken: Verpflichtende, praxisnahe Berufsorientierung – etwa durch ein zusätzliches Praktikum im G9 – sowie gleichwertige Darstellung beruflicher und akademischer Bildungswege an allen Schularten, besonders Gymnasien.
- Zuwanderung erleichtern: Arbeitsmarktorientierte Zuwanderung beschleunigen; Ausländerbehörden und Landesagentur für Fachkräftezuwanderung personell, digital und organisatorisch besser ausstatten.
- Integration fördern: Unterstützung ausländischer Auszubildender als Teil der Gesamtstrategie verankern; erfolgreiche Projekte wie z. B. Welcome Center BW langfristig verstetigen und flächendeckend unterstützen.
Infrastruktur und Energie
Aktionsfelder, welche die Landesregierung nach Ansicht des BWIHK entschieden voranbringen muss:
- Verkehrsinfrastruktur modernisieren: Planung, Erhalt und Ausbau von Straßen und Brücken massiv beschleunigen. Der prognostizierte, deutliche Zuwachs im Straßengüterverkehr und auf der Schiene verlangt konsequentes Handeln.
- Sondervermögen gezielt einsetzen: Mittel durch das Land zusätzlich investiv nutzen, keine Fehlanreize und Mitnahmeeffekte zulassen, dazu „Masterplan Infrastruktur BW“ aufsetzen, zu dem alle Ministerien priorisiert zuliefern mit Fokus auf notwendige Zukunftsprojekte.
- Keine Maut auf Landes- oder Kommunalstraßen: Zusätzliche Belastungen für Betriebe – gerade in aktueller Lage – werden von der Wirtschaft entschieden abgelehnt.
- Richtige Flächenplanung: Dynamische Landesplanung statt starrer Flächenziele. Ausnahmen vom Anbindegebot im Landesentwicklungsplan zulassen, wie Gewerbeflächenausweisungen an Autobahnanschlüssen oder bei interkommunalen Gewerbegebieten. Wohnungsbau beschleunigen – jährlich viele tausend neue Wohnungen erforderlich auch zur Gewinnung und Sicherung von Fachkräften.
- Energieversorgung stabilisieren: Energiewende braucht viel mehr Umsetzung statt Ankündigung – mit Ausbau aller Netzebenen, neuen Kraftwerkskapazitäten, Technologieoffenheit.
- Transparenz schaffen: Transparente Soll-Ist-Vergleiche, um Fortschritte messbar zu machen und Vertrauen zu schaffen. Ein richtiger Schritt hierfür sind die Dashboards zu Photovoltaik und Windenergie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Der aktuelle Windkraftausbau bleibt unter dem Strich unzureichend.
- Wettbewerbsfähige Energiepreise: Einsatz im Bund, Stromsteuer wirklich für alle Unternehmen abzuschaffen und einheitliche Stromgebotszone beizubehalten.
- Kraftwerksstrategie umsetzen bzw. entschieden begleiten: Zügiger Neubau netzdienlicher Anlagen, um Energiesicherheit in Süddeutschland langfristig zu gewährleisten
„Die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen ist eine der Zentralen Forderungen, die die Menschen an die Politik haben. Die politischen Parteien, die künftig Verantwortung im Land übernehmen wollen, müssen die Wirtschaftspolitik ganz oben auf ihre Agenda setzen. An ihrem Plan für Baden-Württemberg werden sie im Wahlkampf gemessen."Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken
Hier finden Sie alle Zahlen, Daten und Fakten zur Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken.