Jahrespressegespräch 2023

IHK: Wirtschaft blickt besorgt in die Zukunft

Energie- und Rohstoffpreise sind das größte Geschäftsrisiko
Die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK) hat bei ihrem diesjährigen Jahrespressegespräch im Rummel in Emden eine verhalten optimistische Prognose für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft ausgesprochen. „Die Auswirkungen des Krieges, Inflation und Energiekosten machen den Unternehmen weiterhin zu schaffen“, sagte IHK-Präsident Dr. Bernhard Brons bei der Vorstellung des Konjunkturbarometers für das vierte Quartal des Jahres 2022. Rund 250 Unternehmen wurden dabei nach ihren Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage in der Region befragt.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage und die Zukunftsaussichten der Unternehmen in einem Wert zum Ausdruck bringt, liegt jetzt bei 74 (Vorquartal: 57) von 200 möglichen Punkten. Bei der Vergleichsumfrage vor einem Jahr habe der Wert bei 104 Punkten notiert. Zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen variiere dieser Wert auch jetzt. Bei den unternehmensnahen Dienstleistern belaufe er sich jetzt auf 113, im Gastgewerbe auf 76, in der Industrie auf 73, im Verkehrs- und der Logistikbranche auf 90 und im Handel auf 63 Punkte.
24 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) der befragten Betriebe quer durch alle Branchen bewerten die derzeitige Geschäftslage als „gut“, 57 Prozent als „befriedigend“, 19 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) als schlecht. Somit hat sich die Lageeinschätzung gegenüber dem Herbst des letzten Jahres leicht verbessert.
Nicht so optimistisch sind die Betriebe beim Blick in die Zukunft: 39 Prozent erwarten eine in etwa gleichbleibende Entwicklung, 54 Prozent rechnen jedoch mit einer eher ungünstigeren Entwicklung ihrer Geschäftslage. Sieben Prozent blicken positiv in die Zukunft. Im Vergleich zum Vorquartal hellt sich auch hier die Stimmung leicht auf. Als größtes Risiko für die Geschäftsentwicklung sehen die Unternehmen derzeit die Energie- und Rohstoffpreise. Dies gaben 79 Prozent aller befragten Unternehmen an. Danach folgen Fachkräftemangel (67 Prozent), Arbeitskosten, Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (jeweils 55 Prozent).
40 Prozent (Vorquartal: 21 Prozent) der befragten Betriebe erwarten zunehmende, 26 Prozent (Vorquartal: 32 Prozent) abnehmende Investitionen. 34 Prozent (Vorquartal: 47 Prozent) rechnen mit einem in etwa gleichbleibenden Investitionsniveau. Was die zukünftige Zahl der Beschäftigten angeht, so ist auch hier eine geringe Aufhellung erkennbar: 67 Prozent der Befragten (Vorquartal: 71 Prozent) rechnen mit einer in etwa gleichbleibenden Zahl. Immer noch 17 Prozent (Vorquartal: 18 Prozent) erwarten eine fallende Nachfrage nach Beschäftigten. 16 Prozent (Vorquartal: 11 Prozent) geht von einem Zuwachs aus.
Die exportierenden Unternehmen rechnen zu 50 Prozent (Vorquartal 50 Prozent) mit einem in etwa gleichbleibenden, zu 27 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) mit einem rückläufigen Exportgeschäft. 23 Prozent (Vorquartal: 18 Prozent) gehen von einem Anstieg aus.
IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard stellt in diesem Zusammenhang den IHK-Wirtschaftskompass vor, mit dem die IHK in 2023 und darüber hinaus die drängenden Herausforderungen der Region angehen möchte: „Es reicht nicht, die Probleme nur zu kennen, vor denen unsere Mitgliedsbetriebe in diesen turbulenten Zeiten stehen. Wir müssen auch Lösungen anbieten und gemeinsam mit unseren Betrieben daran arbeiten. Mit unserem Wirtschaftskompass möchten wir hierzu einen Kurs zu einem starken Standort hin aufzeigen.“