Unternehmensförderung

Homeoffice – ist das schon New Work oder kann das weg?

Was bleibt von der Corona-​Zeit? Wie sieht das neue Normal aus? Was können wir besser machen, welche Chancen gibt es und wie trägt die Unternehmenskultur dazu bei? IHK-​Mitarbeiterin Nadja Arp hat dazu mit Gabriel Rath, New-​Work-​Spezialist und Blogger aus Rostock, gesprochen.

Worum geht es bei New Work?

Der Begriff New Work wird seit einigen Jahren in den Medien gehyped, weil dahinter der Trend Arbeit 4.0 steckt. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist immer wieder davon die Rede, doch im Grunde geht er auf den jüngst verstorbenen Philosophen Frithjof Bergmann zurück, der den Begriff schon in den 70er- und 80er-​Jaren geprägt hat. Für ihn war insbesondere wichtig, den Menschen mehr in den Vordergrund zu rücken. „Was ist es, was wir wirklich, wirklich wollen?“ lautet seine zentrale Frage. Wie wollen und können wir besser zusammenarbeiten, mehr Flexibilität und Humanisierung in der Arbeitswelt erreichen? Indem wir agil bleiben, Dinge ausprobieren, bereit sind zu lernen und reflektieren – das ist New Work.

Hat sich die Idee von Arbeit durch Corona verändert?

Corona wird gerne als Veränderungsbeschleuniger betrachtet, nicht nur, wenn es um Digitalisierung geht. Das Kontrollprinzip, wie wir es kannten, funktionierte im Homeoffice nicht mehr. Wir mussten lernen, einander mehr zu vertrauen. Doch dieses Vertrauensprinzip muss erst noch besser gelernt oder geprüft werden. Wir können aus beiden Welten viel Gutes mitnehmen und kombinieren. Wir können das Büro neu denken – als Ort, an dem wir uns treffen, austauschen und kreativ sind – oder von zu Hause arbeiten, wenn wir Ruhe und Konzentration brauchen.
Krise ist eine tolle Gelegenheit, Dinge neu zu denken.

Gabriel Rath

Was sind Deine Tipps für Unternehmen, um jetzt mit New Work anzufangen?

Der erste Schritt wäre, die Mitarbeitenden zu fragen, wie sie gerne arbeiten möchten. Und sie auf der anderen Seite auch zu fragen, was sie bremst in ihrem Handeln für die Kunden. Denn am Ende muss es für die Kunden wertvoll sein. Das sollte im Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitenden in möglichst diversen Runden aus den verschiedensten Bereichen ausgewertet werden. Die Entscheider und Führungskräfte müssen jetzt über den Tellerrand schauen, sich inspirieren lassen, viel netzwerken. Sie müssen sich mit Führung beschäftigen. Und nicht zuletzt mit dem Menschenbild. Denn das haben wir jetzt in der Krise gelernt: Wir sind Menschen mit Stärken und Schwächen.

Stichwort Resilienz: Wie machen wir uns widerstandsfähiger für weitere Pandemien?

Wichtig ist, dass man sich mit dem Thema Krise beschäftigt und die Krise als produktiven Zustand betrachtet. In der Krise zerbricht etwas, aber man baut auch wieder etwas neu zusammen. Wir können lernen, uns darauf einzustellen. Es hilft nicht, nur abzuwarten, sondern auch neue Dinge einfach auszuprobieren, neue Ideen zu entwickeln. Krise ist eine tolle Gelegenheit, Dinge neu zu denken. Dazu gehört immer auch eine gute Unternehmenskultur. Es ist wichtig, eine psychologische Sicherheit herzustellen, damit Mitarbeitende keine Angst haben, Dinge zu äußern, zu kritisieren oder vertrauensvoll zu sagen. Immer sachlich bleiben und Feedbackregeln aufstellen wäre ein Tipp von mir.