IHK-Medieninformation

Warum Niederbayerns Industrie stark ist – und wie sie es bleiben kann

IHK-Medieninformation: IHK legt mit Industriestandortkarte groß angelegte Branchenauswertung vor (18.08.2022)
Fehlende Rohstoffe und Materialien, rasante Preissteigerungen, die drängende Energiefrage oder massiver Personalmangel – die niederbayerische Industrie sieht sich enormen Herausforderungen gegenüber. Was es für den gesamten Wirtschaftsraum Niederbayern bedeutet, sollte dieser Wirtschaftszweig an Stärke einbüßen, das verdeutlicht der Blick auf die Neuauflage der Industriestandortkarte, die die IHK Niederbayern jetzt vorgelegt hat. Professor Andreas Buske, Vorstand der Zwiesel Kristallglas AG und Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Industrie, ordnet deren Ergebnisse ein: „Ein ausgewogener Branchenmix sowie die Verbindung von Großunternehmen mit vielen mittelständischen Betrieben prägen den Industriestandort Niederbayern und haben ihn stark gemacht. Mehr als in anderen Regionen ist die Industrie in Niederbayern sowohl Stabilitätsanker als auch Antreiber der wirtschaftlichen Entwicklung. Diese Schlüsselposition, die sich die niederbayerischen Betriebe über Jahre hinweg erarbeitet haben, steht durch existenzielle Risiken in Frage. Wenn wir mit Anlauf in eine Energiekrise laufen, ist das nur eines, aber für die Industrie vielleicht das gewichtigste dieser aktuellen Risiken.“

6.000 Beschäftigte mehr in der Industrie als vor sechs Jahren

Zahlen und Details aus der Industriestandortkarte nennt Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern: „Der Vergleich zur Vorerhebung der Industriestandortkarte zeigt: Die niederbayerische Industrie ist weiter mit hoher Dynamik gewachsen. 120.787 Beschäftigte waren im Erhebungszeitraum Ende 2021 in der Industrie tätig, rund 6.000 mehr als sechs Jahre zuvor. Die Industrie stellt damit fast ein Drittel aller Arbeitsplätze im IHK-Bezirk. Der immer weiter um sich greifende Fachkräftemangel oder zuletzt die erheblichen wirtschaftlichen Einschnitte in der Corona-Pandemie konnten diesem stetigen Personalaufbau in der Industrie nicht die Kraft nehmen.“ Allerdings zeigen sich regionale Unterschiede: Im Vergleich zur vorherigen Auflage der Industriestandortkarte aus dem Jahr 2015 verzeichnen die Landkreise Freyung-Grafenau und Regen die höchsten Beschäftigungszuwächse, aber auch die Landkreise Straubing-Bogen und Landshut weisen zweistellige Wachstumsraten auf. In den Städten Passau, Landshut und Straubing sowie im Landkreis Passau sind die Industriearbeitsplätze hingegen rückläufig.
Das Plus bei den Beschäftigten geht in gewisser Weise mit einem Mehr an Betrieben einher: 836 Industriebetriebe haben der IHK-Erhebung zufolge ihren Sitz in Niederbayern, immerhin 28 mehr als 2015. „Geprägt ist die Unternehmenslandschaft dabei von kleinen und mittelständischen Betrieben, sie kommen auf einen Anteil von 89 Prozent. Diese flexiblen und oft hochspezialisierten kleineren Unternehmen ergänzen sich sehr gut mit den leistungsfähigen Großbetrieben“, erläutert Schreiner. 14 große Betriebe mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind in der Industriestandortkarte aufgeführt.

Fast jeder zweite Arbeitsplatz der niederbayerischen Industrie entfällt auf den Bereich Mobilität

Bei der Branchenverteilung der Industriebetriebe spielen in Niederbayern neben der Chemie- und Kunststoffverarbeitung weiterhin vor allem der Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Metallbranche die wichtigste Rolle. Rund 70 Prozent der Industriebeschäftigten sind in diesen Bereichen tätig. „Anhand der sogenannten Wertschöpfungsbereiche zeigt die IHK-Erhebung ganz klar, wo deren Produkte zum Einsatz kommen: Fast jeder zweite Arbeitsplatz der niederbayerischen Industrieunternehmen entfällt auf den Bereich Mobilität, also den Fahrzeugbau und seine vielen Zulieferbetriebe.“ Die Entwicklung der Wertschöpfungsbereiche illustriere aber auch den Strukturwandel in der heimischen Industrie, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer, denn die Dominanz des Wertschöpfungsbereichs Mobilität habe gegenüber der Vorerhebung leicht abgenommen, während hingegen der Bereich Automation mit Maschinenbau, Sensorik, Elektronik sowie Regelungs- und Messtechnik zugelegt habe.
„Gerade die Veränderungen in der Industriestandortkarte zeigen, dass Niederbayerns Industrie innovativ und zukunftsgerichtet auftritt“, bewertet der IHK-Ausschussvorsitzende Buske die Auswertung. „Diese Kraft und diese Anpassungsfähigkeit können die Betriebe aber nur ausspielen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Von Bürokratiebelastung und Infrastrukturausbau über Steuer- oder Klimapolitik bis hin eben zu Fragen von Energieversorgung und Fachkräftesicherung gibt es zu viele offene Baustellen. Hier sind schnelle und effektive Lösungen gefordert, denn letztlich geht es darum, Niederbayern auch in Zukunft als Produktionsstandort zu erhalten – mitsamt den Arbeitsplätzen, der Wertschöpfung und dem Wohlstand, für die die Industrie bisher der Garant ist“, verdeutlicht Buske.
Die neue Industriestandortkarte steht mit weiterführenden Informationen und Detailauswertungen hier zur Verfügung