IHK-Medieninformation

Herausforderungen für Niederbayerns Industrie zwischen Ukraine und China

Sitzung des IHK-Fachausschusses Industrie im Schatten des kriegerischen Konflikts (09.03.2022)
Fachkräftemangel, internationale Bürokratie, Digitalisierung – die Unternehmer im Fachausschuss Industrie der IHK Niederbayern hatten sich für ihre vergangene Sitzung wichtige Themen für die Branche auf die Tagesordnung gesetzt. Letztlich überschattete aber die Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts den Austausch. Neben der Sorge um die Menschen in der betroffenen Region und dem Appell für eine friedliche Beilegung des Konflikts standen die wirtschaftlichen Folgen im Mittelpunkt. „Lieferkettenproblematik, Rohstoffversorgung, Energiepreise – überall hier werden wir durch diesen Konflikt Verschärfungen erleben“, lautete die Analyse von Klaus Jaschke als Vertreter der IHK-Geschäftsführung dazu. Die Lehre daraus fasste der Vorsitzende des Ausschusses, Professor Andreas Buske von der Zwiesel Kristallglas AG zusammen: „Wir haben den Fehler gemacht, uns insbesondere bei Energie und Rohstoffen zu stark von einzelnen, großen Partnern abhängig zu machen. Davor hatten wir immer gewarnt, und das wird jetzt sehr deutlich.“
Eine nochmals gesteigerte Aktualität gewann der Vortrag des Gastreferenten der Sitzung, dem Geschäftsführer der Auslandshandelskammer (AHK) im chinesischen Beijing, Jens Hildebrandt. Er verdeutlichte, welche zwiespältige Rolle China in dem Konflikt spielt: „China unterstützt einerseits die Integrität der Ukraine, äußert aber gleichzeitig Verständnis für die Haltung Russlands. Das alles wird das Verhältnis Chinas zu den USA, der EU und Deutschland nicht verbessern.“ Dabei werden auch den niederbayerischen Firmen in China immer mehr Steine in den Weg gelegt. Hildebrandt berichtete von einer „Politisierung der Wirtschaftsbeziehungen“, die Unternehmen würden sich wie ein „Spielball der Politik“ fühlen. China bevorzuge eigene Firmen und verzerre mit protektionistischen Maßnahmen den Wettbewerb. Von Unternehmerseite aus wurde das im Ausschuss noch deutlicher formuliert: „Der sich anbahnende Handelskrieg zwischen USA und China wirft seine Schatten auf uns voraus.“ Trotzdem versicherte der China-Experte der AHK: „Es gibt kaum deutsche Unternehmen, die den chinesischen Markt verlassen, denn dessen Bedeutung ist so immens, dass sich das keiner leisten kann.“
Neben diesen Herausforderungen für die exportorientiere Industrie drehte sich die Diskussion im Ausschuss insbesondere um die teils extremen Preissteigerungen für Materialien, Rohstoffe und vor allem Energie – Themen also, die sich wiederum vom internationalen Geschehen keineswegs abkoppeln lassen. Die Energiekostenentwicklung übersteige alles, was man sich habe vorstellen können, war im Ausschuss zu hören. Die weitere Entwicklung sei kaum einzuschätzen, kurzfristige Lösungen nicht in Sicht. Damit rückt die Frage nach der Zukunft des Industriestandorts wieder mehr in den Fokus – auch das wurde im Ausschuss deutlich. „Die Verunsicherung ist groß. Wir müssen auf Sicht fahren. Umso wichtiger ist der gegenseitige Austausch und die gegenseitige Unterstützung“, war daher ein Fazit von Jaschke, dem sich der Ausschussvorsitzende Buske gerne anschloss.