Globale Entwicklungen schlagen sich auf regionale Wirtschaft durch

Konjunkturumfrage der IHK Wiesbaden zum Frühsommer 2022: Der regionale Geschäftsklimaindex fällt deutlich von 120 auf 108 Punkte. Energie- und Rohstoffpreise bilden größtes konjunkturelles Risiko für die Unternehmen. Einziger Lichtblick ist die Beschäftigungslage.

12. Mai 2022 – Die konjunkturelle Lage der regionalen Wirtschaft hat sich spürbar eingetrübt. Das geht aus der repräsentativen Unternehmensbefragung zur wirtschaftlichen Lage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Wiesbaden für die Landeshauptstadt, den Rheingau-Taunus-Kreis und Hochheim hervor. Zwar beurteilen die Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage im Saldo noch als stabil, die Geschäftserwartungen haben sich aber erheblich eingetrübt. Der saldierte Wert liegt nun im negativen Bereich (- 7 Punkte).
„Die globalen Rahmenbedingungen, an erster Stelle natürlich der Ukraine-Krieg mit seinen gravierenden Auswirkungen auf Lieferketten, Energie- und Rohstoffpreise und damit auch auf die Inflation, belasten die wirtschaftliche Entwicklung“, erläutert IHK-Präsident Dr. Christian Gastl die Ergebnisse der Konjunkturbefragung.
Dies zeigt sich auch mit Blick auf das Exportgeschäft: Nachdem sich die Stimmung der exportierenden Unternehmen zuletzt fünf Mal in Folge verbessert hat, ist der Erwartungswert nun stark eingebrochen (- 15 Punkte). Im Saldo erwarten die Unternehmen stagnierende Exporte. Auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hat nachgelassen (- 4 Punkte).
Als Lichtblick zeigt sich demgegenüber die Beschäftigungslage. Aller Unsicherheit zum Trotz möchten die Unternehmen mehrheitlich Personal aufbauen. Trotz eines leichten Rückgangs (- 3 Punkte) liegt der saldierte Wert bei 8 Punkten klar im positiven Bereich.
Mit Blick auf die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung landen die Energie- und Rohstoffpreise zusammen mit den allgemeinen Rahmenbedingungen nun auf dem unrühmlichen Spitzenplatz. Jeweils 59 Prozent der Unternehmen sehen hierin ein großes Risiko. Im Fall der Energie- und Rohstoffpreise handelt es sich um den sechsten Anstieg in Folge und den höchsten jemals gemessenen Wert.
„Die Entwicklung bei den Energie- und Rohstoffpreisen bereitet uns große Sorgen“, sagt Fabian Lauer, stv. Geschäftsführer und Leiter Wirtschaftspolitik der IHK Wiesbaden. „Die Energiepreise sind der größte Inflationstreiber und wirken sich so mittelbar und unmittelbar auf die Gesamtwirtschaft aus. Die bereits beschlossene Abschaffung der EEG-Umlage zum 1. Juli ist ein richtiger Schritt, dem jedoch weitere folgen müssen.“
Für eine Sonderauswertung wurden die Unternehmen befragt, ob sie die vielfach zu verzeichnenden Kosten- und Preissteigerungen an ihre Kundschaft weitergeben. Das Ergebnis zeigt, dass über die Hälfte der Unternehmen (68 Prozent) Kosten- und Preissteigerungen an die Kundschaft weitergeben bzw. weitergeben werden. Dieser Wert könnte noch ansteigen, da manche Unternehmen noch unentschlossen sind. Lediglich 10 Prozent der Unternehmen konnten keine nennenswerten Kosten- und Preissteigerungen im Einkauf feststellen.
Den kompletten IHK-Konjunkturbericht, inklusive Grafik zum Geschäftsklima, gibt es kostenfrei unter ihk-wiesbaden.de/konjunkturbericht.
IHK-Ansprechpartner für fachliche Fragen:
Fabian Lauer
Stv. Geschäftsführer und Leiter Wirtschaftspolitik
Tel.: 0611 1500-126
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