wnews.de
Nr. 7126182
3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 24.07.2026

Fehler erkennen, bevor sie entstehen

Manchmal bleiben nur wenige Wochen, um aus einer Idee etwas Greifbares zu machen. Als die Bewerbungsfrist für den IHK-Preis „Jugend macht Zukunft“ näher rückte, hatte David Keitel zwar eine Vision, aber noch keinen fertigen Prototypen.
Von Claudia Lösler
Drei Monate später stand er vor mehreren hundert Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne beim Zukunftswiesen Summit in Ilshofen und präsentierte sein Projekt „Intelligent Link“. Dafür wurde der Auszubildende von ebm-papst mit dem dritten Platz und 5.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet.
Hinter „Intelligent Link“ steckt der Gedanke, ein digitales Ökosystem für die Instandhaltung von Maschinen zu schaffen. Verschiedene Anlagen und technische Systeme sollen über ein gemeinsames virtuelles Dashboard verbunden werden. Daten laufen an einer Stelle zusammen, Maschinen können überwacht werden und Probleme sollen möglichst erkannt werden, bevor sie überhaupt entstehen. Inzwischen konzentriert sich Keitel vor allem auf den Bereich Predictive Maintenance (vorausschauende Instandhaltung) und Datenanalyse.
Heute braucht man oft unterschiedliche Programme für unterschiedliche Maschinen. Vieles ist veraltet oder nicht intuitiv. Ich wollte eine Lösung schaffen, die alles an einem Ort zusammenführt.
Der Impuls dafür kam auch aus dem familiären Umfeld. Einer seiner älteren Bruder betreibt ein Robotik-Unternehmen. Gemeinsam diskutierten die beiden immer wieder darüber, welche Herausforderungen Unternehmen in der Praxis beschäftigen. „Wir haben uns gefragt: Was gibt es für Probleme in der Industrie und was könnte man dagegen tun?“ Schnell sei klar geworden, dass die Überwachung und Programmierung von Anlagen häufig unnötig komplex und zeitaufwendig sei.
Der Weg von der ersten Idee, dem ersten Prototypen bis zum präsentationsreifen Produkt sei allerdings alles andere als geradlinig. „Ich habe schon zweimal alles über den Haufen geworfen und neu programmiert“, sagt der junge Entwickler. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen und das Feedback aus der Praxis helfen ihm dabei, die Software weiterzuentwickeln. Dabei profitiert er auch von seiner Ausbildung bei ebm-papst. Dort arbeitet er in der Entwicklung und sammelt Erfahrungen, die ihm bei seinem eigenen Projekt zugutekommen. Noch läuft die Softwareentwicklung nebenbei. Nach Feierabend setzt er sich an den Rechner und arbeitet weiter an seinem Projekt. Bis er den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern, sagt er. Keitels Ausbildung endet nächsten Jahr im Februar, danach möchte er zunächst bei ebm-papst bleiben und weiter Erfahrung sammeln.
Doch der Unternehmergeist begleitet ihn schon lange. Obwohl seine Eltern nicht selbstständig sind, reizte ihn immer die Vorstellung, eigene Ideen umzusetzen.
Ich war schon immer jemand, der etwas selbst machen wollte.
Der Erfolg beim IHK-Jugendpreis hat ihm dafür zusätzlichen Rückenwind gegeben. Das Preisgeld von 5.000 Euro investierte er teilweise in einen leistungsfähigeren Laptop und in Software. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung seien für ihn aber die Kontakte gewesen. „Der dritte Platz war schon heftig. Ich habe mich extrem gefreut“, sagt er.
Danach wurde ich von vielen Leuten angesprochen. Ich hatte Gespräche mit Firmenchefs. Das war ein riesiger Mehrwert und für mich ein echter Meilenstein.
Auch deshalb blickt er positiv auf seinen ersten Auftritt vor einer großen Jury zurück. Beim Finale des IHK-Preises „Jugend macht Zukunft“ hatten zehn Teams ihre Projekte vor Publikum und einer hochkarätig besetzten Jury präsentiert. Aus insgesamt 50 Bewerbungen schaffte es Keitel mit seinem Projekt in die Endrunde und überzeugte die Juroren mit seiner Idee einer herstellerübergreifenden Softwarelösung für die Industrie.
Jungen Menschen, die selbst eine Geschäftsidee verfolgen, gibt er eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Einfach machen. Nicht einschüchtern lassen. Probieren. Mehr als auf die Schnauze fallen kann man nicht.“ Gerade in jungen Jahren sei die beste Zeit, Ideen auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.
Meine Eltern haben immer gesagt: Probiert es einfach. Macht es.

Claudia Lösler
Referentin Wirtschaftskommunikation

Artikel aus der Rubrik "Gründung & Nachfolge"

Gründung & Nachfolge | 24.07.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Wie ein Auszubildender von ebm-papst die Maschinenwartung neu denken will.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 25.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Wie BeAFox junge Menschen an die Finanzbranche heranführt.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 23.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Wie MerKalku die Angebotskalkulation neu erfindet.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 22.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Gründerin entwickelt Assistenzsystem für den Klinikalltag.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 19.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Die drei Gründer von blind Sonar haben ein intelligentes Stirnband entwickelt.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 18.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Nils Krumm steht im Landesfinale vom „Start-up BW Elevator Pitch“.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 16.06.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Zwei junge Gründer wollen das Leben der Landwirte spürbar erleichtern.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 27.05.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Start-up aus Heilbronn startet mit Etagen-Wärmepumpe durch.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 04.03.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Lisa Unger aus Kirchardt hat sich im Familienbetrieb neu erfunden.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 27.02.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Claudia Lösler

Die ASE GmbH aus Neckarsulm gehört jetzt zur Kilum Automation & Service GmbH und erweitert ihr Angebot.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 17.02.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Marlen Kühner

Hauke Wendt sorgt mit seiner Idee für mehr Selbstständigkeit für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 11.02.2026
© IHK Heilbronn-Franken/Marlen Kühner

Jonas Dunkel entwickelt Golf-App DeepGolf

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 03.02.2026
© IHK Heilbronn-Franken / Claudia Lösler

Stefan und Sabrina Sommer aus Bad Friedrichshall haben ein Unternehmen übernommen und daraus ein Familienunternehmen gemacht.

5 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 20.01.2026
© IHK Heilbronn-Franken/ Eva Klaiber

Steffanie Rainer aus Untergruppenbach entwickelt ein zukünftiges Mehrwegsystem für die Kosmetikbranche.

4 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 14.01.2026
© IHK Heilbronn-Franken/ Marlen Kühner

Carlo Mailänder und Kevin Costa haben gemeinsam ein Unternehmen gegründet, geplant war das nicht.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 08.01.2026
© IHK Heilbronn-Franken/ Marlen Kühner

David und Simon Blank haben den KI-Sommelier Vinolin entwickelt.

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 03.12.2025
© Pee and Bop

Anna Wirsching aus Külsheim hat sich vor drei Jahren mit peeandbob, einem Kinderklo für unterwegs, selbstständig gemacht

3 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 20.11.2025
© IHK Heilbronn-Franken

Frank Döberl ist 37 Jahre alt, hat einen Rollator mit Rollstuhl entwickelt und sein eigenes Unternehmen gegründet.

4 min Lesezeit
Drei Fragen an | 14.11.2025
HOMEPAGE_Landscape_Nahr-Ettl

Gründen lohnt sich auch weiterhin

2 min Lesezeit
Gründung & Nachfolge | 27.03.2025
© IHK Heilbronn-Franken/Andreeas Lukesch

Frederic Heigel ist Geschäftsführer von Userwill, einem Service, der Menschen hilft, ihren digitalen Nachlass zu organisieren. Außerdem ist Frederic Heigel begeistert vom Standort Heilbronn.

4 min Lesezeit