Von Claudia Lösler
Drei Monate später stand er vor mehreren hundert Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne beim Zukunftswiesen Summit in Ilshofen und präsentierte sein Projekt „Intelligent Link“. Dafür wurde der Auszubildende von ebm-papst mit dem dritten Platz und 5.000 Euro Preisgeld ausgezeichnet.
Hinter „Intelligent Link“ steckt der Gedanke, ein digitales Ökosystem für die Instandhaltung von Maschinen zu schaffen. Verschiedene Anlagen und technische Systeme sollen über ein gemeinsames virtuelles Dashboard verbunden werden. Daten laufen an einer Stelle zusammen, Maschinen können überwacht werden und Probleme sollen möglichst erkannt werden, bevor sie überhaupt entstehen. Inzwischen konzentriert sich Keitel vor allem auf den Bereich Predictive Maintenance (vorausschauende Instandhaltung) und Datenanalyse.
Heute braucht man oft unterschiedliche Programme für unterschiedliche Maschinen. Vieles ist veraltet oder nicht intuitiv. Ich wollte eine Lösung schaffen, die alles an einem Ort zusammenführt.
David Keitel
Der Impuls dafür kam auch aus dem familiären Umfeld. Einer seiner älteren Bruder betreibt ein Robotik-Unternehmen. Gemeinsam diskutierten die beiden immer wieder darüber, welche Herausforderungen Unternehmen in der Praxis beschäftigen. „Wir haben uns gefragt: Was gibt es für Probleme in der Industrie und was könnte man dagegen tun?“ Schnell sei klar geworden, dass die Überwachung und Programmierung von Anlagen häufig unnötig komplex und zeitaufwendig sei.
Der Weg von der ersten Idee, dem ersten Prototypen bis zum präsentationsreifen Produkt sei allerdings alles andere als geradlinig. „Ich habe schon zweimal alles über den Haufen geworfen und neu programmiert“, sagt der junge Entwickler. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen und das Feedback aus der Praxis helfen ihm dabei, die Software weiterzuentwickeln. Dabei profitiert er auch von seiner Ausbildung bei ebm-papst. Dort arbeitet er in der Entwicklung und sammelt Erfahrungen, die ihm bei seinem eigenen Projekt zugutekommen. Noch läuft die Softwareentwicklung nebenbei. Nach Feierabend setzt er sich an den Rechner und arbeitet weiter an seinem Projekt. Bis er den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern, sagt er. Keitels Ausbildung endet nächsten Jahr im Februar, danach möchte er zunächst bei ebm-papst bleiben und weiter Erfahrung sammeln.
Doch der Unternehmergeist begleitet ihn schon lange. Obwohl seine Eltern nicht selbstständig sind, reizte ihn immer die Vorstellung, eigene Ideen umzusetzen.
Ich war schon immer jemand, der etwas selbst machen wollte.
David Keitel
Der Erfolg beim IHK-Jugendpreis hat ihm dafür zusätzlichen Rückenwind gegeben. Das Preisgeld von 5.000 Euro investierte er teilweise in einen leistungsfähigeren Laptop und in Software. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung seien für ihn aber die Kontakte gewesen. „Der dritte Platz war schon heftig. Ich habe mich extrem gefreut“, sagt er.
Danach wurde ich von vielen Leuten angesprochen. Ich hatte Gespräche mit Firmenchefs. Das war ein riesiger Mehrwert und für mich ein echter Meilenstein.
David Keitel
Auch deshalb blickt er positiv auf seinen ersten Auftritt vor einer großen Jury zurück. Beim Finale des IHK-Preises „Jugend macht Zukunft“ hatten zehn Teams ihre Projekte vor Publikum und einer hochkarätig besetzten Jury präsentiert. Aus insgesamt 50 Bewerbungen schaffte es Keitel mit seinem Projekt in die Endrunde und überzeugte die Juroren mit seiner Idee einer herstellerübergreifenden Softwarelösung für die Industrie.
Jungen Menschen, die selbst eine Geschäftsidee verfolgen, gibt er eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Einfach machen. Nicht einschüchtern lassen. Probieren. Mehr als auf die Schnauze fallen kann man nicht.“ Gerade in jungen Jahren sei die beste Zeit, Ideen auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.
Meine Eltern haben immer gesagt: Probiert es einfach. Macht es.
David Keitel