Von Claudia Lösler
Als sie im jugendlichen Alter die ersten Weinfeste besuchten, fingen sie an, sich für Wein zu interessieren. „Der Wein schmeckte mir sofort und ich wollte mehr darüber wissen“, erzählt der heute 27-jährige Simon Blank. Während seines Studiums trat er einer Weinvereinígung bei, probierte regionale Weine und sprach mit Winzern über ihre Herausforderungen. Die Gespräche hatten eines gemeinsam: „Alle haben die gleichen Probleme. Die Absatzzahlen und auch das Interesse am Wein gehen zurück“, erzählt Simon Blank.
Manche Weingüter versuchten digital zu werden, boten Telefonberatung oder Videomeetings an. Doch das überzeugte die beiden Brüder nicht. „Da muss mehr gehen“, dachten sie. Und so entstand die Idee, das Online-Potenzial für den Weinverkauf neu zu denken. Die beiden studierten Wirtschaftsinformatiker erstellten eine kleine Studie, an der 50 Betriebe teilnahmen. Über 90 Prozent zeigten großes Interesse an ihrer Idee: dem KI-Sommelier Vinolin. Durch eine kurze Abfrage von Lieblingsgeschmack, Weinsorte oder auch dem Gericht, das dazu serviert werden soll, liefert der KI-Sommelier eine individuelle Weinempfehlung und führt direkt zum Online-Shop des Weinguts.
Die Brüder pitchten ihre Idee bei Wettbewerben, unter anderem auch beim Elevator Pitch der IHK Heilbronn-Franken und der Campus Founders. Dort belegten sie den dritten Platz. Anfang 2025 machten sie sich selbstständig. Inzwischen haben schon 20 kleinere und größere Weingüter den KI-Berater im Einsatz, wie die Becksteiner Winzer aus Lauda-Königshofen und die große Genossenschaftskellerei Heilbronn.
Den Weingütern ist bewusst, dass sie Menschen nicht mehr so gut erreichen.
Simon Blank
"Bei 350 Weinen im Sortiment waren viele Kundinnen und Kunden schnell überfordert und frustriert und man musste sich eigentlich gut auskennen, um einen guten Wein zu bestellen. Das hat sich mit unserem KI-Sommelier geändert.“
Ab 2026 auch im stationären Handel
Ein Jahr nach der Gründung von Vinolin öffnet sich das Start-up vom reinen online-Anbieter nun für den stationären Handel. „Wir starten mit dem E-Center Dürr in Tauberbischofsheim und schauen dann, wo die Reise hingeht“, erzählt Simon Blank. In Tauberbischofsheim können bald all diejenigen, die im Supermarkt Wein einkaufen möchten, die kostenlose KI nutzen und sich schnell und unkompliziert raussuchen lassen, welcher von den mehr als 1000 verschiedenen Produkten der für sie Beste ist. „Wir wollen natürlich auch noch mehr Kunden für unser Produkt gewinnen und mit einer neuen KI-Anwendung individuelle Newsletter erstellen.“
Bei ihren Vorhaben werden die Brüder finanziell unterstützt. Das Start-up erhält eine Pre-Seed-Frühphasenfinanzierung in Höhe von 200.000 Euro von der Landeskreditbank Baden-Württemberg sowie der Campus Founders Ventures GmbH.
"Das Pre-Seed-Programm ist ein Musterbeispiel dafür, wie Innovation in unserem Land gefördert wird“.
Simon Blank
„Wir hätten nie gedacht, dass aus unserer Idee mal ein Start-up entsteht. Wir haben so viel Unterstützung erhalten und so gute Erfahrungen gemacht. Natürlich ist die Bürokratie eine große Hürde, aber ich kann Gründungsinteressierten raten: habt Mut und probiert es aus.“
In diesem Jahr steht noch ein nächster großer Schritt an. Das mittlerweile fünfköpfige Team zieht von Bad Mergentheim in das im November neu eröffnete Gravity-Gebäude auf dem Bildungscampus in Heilbronn.