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Gründung & Nachfolge | 25.06.2026

Finanzbildung statt Konsumfalle

Der Umgang mit Geld ist für viele Jugendliche und junge Erwachsene eine der größten Herausforderungen auf dem Weg ins Berufsleben.
Claudia Lösler
Das erste eigene Gehalt bringt Freiheit aber auch Verantwortung. Gleichzeitig fehlt oft das nötige Rüstzeug: Studien zeigen, dass junge Menschen ihre finanziellen Kenntnisse selbst nur als mittelmäßig einschätzen und sich bei komplexeren Themen wie Investitionen oder Altersvorsorge unsicher fühlen. Hinzu kommt ein Konsumumfeld, das schnelle Ausgaben begünstigt. Angebote wie „Buy now, pay later“ werden besonders von der Generation Z genutzt und verleiten nicht selten zu impulsiven Entscheidungen.
Genau diese Erfahrung haben auch Alexandru Tapelea und Selina Fuchs gemacht.
Nach der Schule wollten wir eine Ausbildung machen, wir wollten Geld verdienen und haben es dann direkt ausgegeben
Für das junge Gründerpaar war schnell klar, dass es so nicht weitergehen darf. „Wir wollten etwas ändern“, sagt Tapelea und trifft damit einen Nerv, der viele Gleichaltrige betrifft. Denn das Problem sind häufig nicht mangelnde Kenntnisse, sondern die fehlende Umsetzung. Finanzwissen ist heute überall verfügbar, über Social Media, YouTube oder unzählige Ratgeber. Doch diese Informationsflut führt selten zu konkretem Handeln. Auch Selina Fuchs beschreibt diesen Widerspruch offen:
Ich habe viel TikTok geschaut – nicht die beste Quelle
Das Ergebnis ist Orientierungslosigkeit statt Sicherheit.

Interaktion, statt trockener Theorie

Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee für BeAFox. Alexandru Tapelea, der eine Ausbildung zum Softwareentwickler absolviert hat, begann sich intensiv in das Thema einzuarbeiten, schaute Tutorials, las Bücher und entwickelte erste Prototypen einer App. BeAFox versteht sich heute als ganzheitliches Finanzbildungs-Ökosystem für junge Menschen. Ziel ist es, eine strukturelle Lücke zu schließen, denn finanzielle Kompetenzen werden weder in der Schule noch in der Ausbildung systematisch vermittelt, obwohl junge Menschen immer früher eigenständig Entscheidungen treffen müssen. Statt trockener Theorie setzt die App auf kurze, interaktive Lerneinheiten, Gamification und konkrete Handlungsempfehlungen für den Alltag. Nutzerinnen und Nutzer sollen nicht nur verstehen, was ein ETF ist, sondern auch wissen, welcher nächste Schritt in ihrer persönlichen Situation sinnvoll ist.
Um dieses Ziel zu erreichen, gingen die Gründer früh in die Praxis. Sie besuchten Ausbildungseinrichtungen, sprachen direkt mit der Zielgruppe und sammelten Feedback. Perspektivisch soll ein KI-gestützter Avatar – ein digitaler Fuchs als persönlicher Finanzbegleiter – Nutzerinnen und Nutzer dialogbasiert durch ihre Entscheidungen führen.
Der Ansatz kommt an. Innerhalb weniger Monate wurde die App mehr als 10.000-mal heruntergeladen, rund 2.000 Nutzer sind aktiv. Parallel setzen Schulen und Institutionen die Anwendung bereits im Unterricht ein, etwa über Kooperationen mit Bildungsträgern. Damit entwickelt sich BeAFox zunehmend von einer reinen Lern-App hin zu einer Plattform, die Finanzbildung systematisch in Alltag und Ausbildung integriert.
Dass dieses Konzept Potenzial hat, zeigt auch der Erfolg beim IHK-Preis „Jugend macht Zukunft“. Beim Pitch-Wettbewerb der IHK Heilbronn-Franken belegten Selina Fuchs und Alexandru Tapelea den zweiten Platz und erhielten ein Preisgeld von 8.000 Euro. Für die beiden 21-Jährigen, die sich seit der Schulzeit kennen und ihr Unternehmen bislang vollständig eigenständig aufgebaut haben, ist das mehr als nur eine Auszeichnung.
So viel Preisgeld haben wir noch nie gewonnen
Da klassische Förderprogramme für sie bisher kaum zugänglich waren, hat diese Unterstützung eine besondere Bedeutung.
Das Geld soll nun für den Markenschutz auf europäischer Ebene und in die Weiterentwicklung des Unternehmens zur GmbH eingesetzt werden. Gleichzeitig bauen die Gründer ihr Team weiter aus und arbeiten daran, ihre Vision, mehr Vertrauen in Finanzthemen zu schaffen, zu verwirklichen. Der Anspruch ist, Finanzthemen aus der Tabuzone zu holen und sie verständlich, greifbar und alltagstauglich zu machen. Wenn Nutzerinnen und Nutzer am Ende nicht nur Begriffe kennen, sondern Entscheidungen treffen, Schulden vermeiden oder sogar bewusst auf riskante Konsumangebote verzichten, ist für die Gründer das wichtigste Ziel erreicht. Das bislang eindrucksvollste Feedback bringt es auf den Punkt: „Ich habe meine Klarna-App gelöscht.“
Claudia Lösler
Referentin Wirtschaftskommunikation

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