Claudia Lösler
Die Idee ist aus der Praxis heraus entstanden. Während ihres Studiums der Medizintechnik arbeitete Yagiz mehrere Jahre in einem internationalen Konzern. „Eine Karriere im Konzern stand für mich an“, sagt sie. Gleichzeitig kam sie über Events und Austauschformate mit der Start-up-Szene in Kontakt. Der Impuls zur Gründung reifte schrittweise: „Plötzlich kam dieses Köcheln, dass ich auch etwas Eigenes machen möchte.“
Den entscheidenden Anstoß gab schließlich ihre Hochschule mit dem Hinweis auf das Förderprogramm „Exist Women“, das Gründerinnen beim Einstieg in die Selbstständigkeit unterstützt. 2025 kündigte Yagiz ihren Job und startete in die Ideenphase. Ihr Fokus lag von Anfang an im Bereich bildgebende Medizintechnik, kombiniert mit künstlicher Intelligenz.
Um reale Anforderungen zu verstehen, ging sie gezielt in die Klinik. Hospitationen im OP-Saal und in der Ultraschalldiagnostik sowie Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten prägten die Entwicklung. Dabei zeigte sich schnell, wie aufwendig viele Abläufe sind und wie sehr sich der Fachkräftemangel auf die ärztliche Arbeit auswirkt.
Ich habe eine Situation miterlebt, da war der Oberarzt allein im Raum, das Telefon hat ständig geklingelt und es kam immer wieder jemand rein, der etwas von ihm wollte, so kann man eigentlich nicht arbeiten
Iclal Yagiz
Genau hier setzt die Lösung von imageMed an. Die Software soll vorhandene Daten intelligent bündeln und im jeweiligen Patientenkontext bereitstellen. Ultraschalluntersuchungen erhalten so gewissermaßen ein „Gedächtnis“. Dabei versteht sich die Anwendung bewusst als Unterstützung und nicht als Ersatz medizinischer Expertise:
Ich möchte keine Ärzte ersetzen, sondern ihnen Zeit geben für das direkte Gespräch mit den Patientinnen und Patienten und für ihre eigentliche Arbeit
Iclal Yagiz
Von Beginn an bezog Yagiz die Praxis eng in die Entwicklung ein. Sie führte zahlreiche Experteninterviews und arbeitete mit medizinischem Fachpersonal zusammen. „Ich habe nichts blind entwickelt, sondern immer erst gefragt, was wirklich gebraucht wird“, sagt sie. Parallel dazu baute sie ihr Start-up Schritt für Schritt auf. Businesspläne und Pitches, wie beispielsweise beim nationalen Finale vom Red Bull Basement in Heilbronn, halfen ihr, ihr Konzept weiter zu schärfen. Auch ihre Masterarbeit nutzte sie, um die technische Umsetzbarkeit intensiv zu prüfen und sich tief in die Materie einzuarbeiten.
Viel Aufmerksamkeit für ihre Idee erhielt Yagiz beim Regionalentscheid des „Start-up BW Elevator Pitch“ in Heilbronn. Dort belegte sie mit ihrer Idee den zweiten Platz und überzeugte die Jury mit ihrer KI-basierten Lösung für die Ultraschalldiagnostik. Für die Gründerin ist das vor allem eine wichtige Bestätigung und eine Chance, sich weiterzuentwickeln. „Andere Gründerinnen und Gründer kennenzulernen, direktes Feedback zu bekommen und ein Netzwerk aufzubauen ist das Wichtigste“, betont sie mit Blick auf den Austausch bei solchen Veranstaltungen.
Aktuell arbeitet Yagiz intensiv am weiteren Aufbau von imageMed. Das Team wächst, erste Mitglieder konnten bereits gewonnen werden. Parallel treibt sie die Weiterentwicklung der Software voran und bereitet die nächsten Finanzierungsschritte vor. Dabei geht sie bewusst selektiv vor: „Man sollte nicht gleich den ersten Scheck annehmen, sondern genau schauen, was zum eigenen Produkt passt.“
Den Gründungsprozess beschreibt sie als anspruchsvoll, aber lohnend.
Es ist eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen, aber die Tendenz geht nach oben
Iclal Yagiz
Viel Arbeit gehöre dazu, oft auch sieben Tage die Woche. Der Unterschied zu früher sei jedoch entscheidend: „Früher habe ich auch viel gearbeitet, aber nicht für meine eigene Vision.“