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Gründung & Nachfolge | 19.06.2026

Mehr Freiheit für Blinde

Was als Schulprojekt begann, ist inzwischen zu einem ambitionierten Start-up geworden: Hinter blind Sonar stehen drei Gründer aus Sachsenheim, die sich seit der Schulzeit kennen und schon früh gemeinsam an technischen Lösungen gearbeitet haben.
Ihren Ursprung hat die Idee in der 11. Klasse, in einer Werkstattphase, in der sie eigene Projekte umsetzen konnten. Schnell entstand die Vision, blinden Menschen mehr Orientierung und Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen – denn während Technologien wie autonomes Fahren immer weiter voranschreiten, sind viele Betroffene noch immer auf Blindenstock oder Blindenhund angewiesen.
Aus dieser Beobachtung heraus entwickelten die Schüler ein intelligentes Stirnband, das mithilfe von Sensorik die Umgebung erfasst und in haptische Signale übersetzt. Nutzerinnen und Nutzer können so Entfernungen, Hindernisse und sogar Raumdimensionen wahrnehmen, eine Art 360-Grad-Orientierung im Alltag.
Früh erhielt das Team dafür viel Aufmerksamkeit und auch erste finanzielle Unterstützung. Für ihre Innovation bekamen die Gründer unter anderem beim IHK-Preis „Jugend macht Zukunft“ einen Sonderpreis überreicht. „Wir haben uns sehr über die Auszeichnung und das Preisgeld gefreut. Die 4.000 Euro geben uns Flexibilität, um die Tests und Studien zu finanzieren und, um es marktreif zu machen“, so Mitgründer Julian Schenker. Die Mittel fließen direkt in die Weiterentwicklung ihres Produkts.

Intensive Testphase – internationale Nachfrage

Auch darüber hinaus überzeugte die Idee: blind Sonar gewann den Bundeswettbewerb „Jugend gründet“ 2024 und wurde mit einem Sonderpreis von Porsche ausgezeichnet, ein wichtiger Schub für die nächsten Schritte. Gleichzeitig arbeiteten die Gründer intensiv weiter, sammelten Feedback in Blindenschulen und verbesserten ihr Produkt kontinuierlich. Aus einem anfänglich noch eher klobigen Prototyp entwickelte sich ein leichtes, flexibles Stoffstirnband, das im Alltag kaum auffällt.
Der Schritt ins Unternehmertum hat sich nach und nach ergeben. Der Schritt ins Unternehmertum hat sich nach und nach ergeben. Erst über Programme wie StartupTeens wurde aus dem ursprünglichen Schulprojekt langsam ein Startup – mit dem konkreten Plan, das Produkt auf den Markt zu bringen.
Wir wollten nie von Anfang an Gründer werden, das hat sich so entwickelt
Über Wettbewerbe und Förderprogramme kamen sie mit Investoren, Expertinnen und Experten sowie Betroffenen in Kontakt und tauchten immer tiefer in die Start-up-Welt ein. Heute ist ihr Alltag geprägt von großer Vielfalt: Neben der technischen Entwicklung gehören Fundraising, Patentfragen, Messeauftritte und Personalthemen fest dazu.
Nach dem Abitur gründeten die drei 2025 ihre GmbH und bauten ihr Unternehmen parallel zum Studium weiter auf. Seit Sommer 2025 arbeiten sie von einem Büro in München aus, wo sie von einem starken Start-up-Ökosystem im Tech- und Hardware-Bereich profitieren. Finanziert wurde das Projekt zunächst vor allem über Preisgelder, später kamen auch erste Investoren hinzu.
Aktuell liegt ein Schwerpunkt auf der Zertifizierung als Medizinprodukt. Die Gründer bereiten sich auf die Class-1-Zertifizierung vor, die für 2026 angestrebt wird. Parallel läuft die Testphase weiter: Über 100 Personen haben das System bereits ausprobiert, die Rückmeldungen sind vielfältig und umfassen unterschiedliche Altersgruppen und Krankheitsbilder. Die Nachfrage reicht inzwischen über Deutschland hinaus – es gibt bereits eine Warteliste mit Interessenten aus neun Ländern, darunter Großbritannien, Litauen und die USA.
Für das Team steht dabei vor allem der gesellschaftliche Nutzen im Mittelpunkt. Ihr Ziel ist es, blinden Menschen mehr Unabhängigkeit zu ermöglichen und ihnen eine neue Art der Orientierung zu bieten.
Claudia Lösler
Referentin Wirtschaftskommunikation

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