Von Claudia Lösler
Ein Satz, den Frank Döberl über viele Jahre nicht loslässt. Der heute 37-jährige Maschinenbauer aus Heilbronn ist zu dem Zeitpunkt noch fest angestellt, macht zunächst Auftragsarbeit in der Motorenentwicklung und wird später Konstruktionsleiter eines Flugmotorenprojekts. Als das Unternehmen 2020 insolvent geht, ist für Frank Döberl der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich selbstständig zu machen.
Der Ingenieur hat die Idee ein mobiles Gerät zu entwickeln, das seine Oma wieder zum Spazieren gehen motivieren kann. Er fängt er an einen Rollator zu entwickeln, der sich per Knopfdruck in einen elektrischen Rollstuhl verwandeln lässt. „Meine Oma sollte die Möglichkeit haben, mit dem Rollator so weit zu laufen wie sie kann. Sobald sie müde wird, kann sie sich dann auf den Rollator setzen und sich fahren lassen.“ Drei Jahre tüftelt Frank Döberl an dem Produkt, dann steht er mit dem Prototypen vor der Jury beim Elevator Pitch Region. Bei der Veranstaltung, die von der IHK Heilbronn-Franken und der Campus Founders organisiert wird, hat er drei Minuten Zeit, um die Anwesenden von seinem Geschäftsmodell und seinem elektrischen Rollator zu überzeugen - und belegt den dritten Platz.
Ein weiteres Jahr vergeht, in dem Frank Döberl den Prototypen immer wieder von potenziellen Nutzerinnen und Nutzern testen und bewerten lässt. Er passt die Steuerung an, optimiert die Fußstützen und bringt eine zusätzliche Tasche für den Geldbeutel an. Im Oktober 2024 ist es dann soweit: Frank Döberl geht mit seinem „Romiro“ (Rollator mit Rollstuhl) auf den Markt und verkauft die ersten Geräte.
Am Anfang haben wir jeden Romiro selbst in der Garage produziert.
Viel Zeit zur Freude bleibt nicht. Wer selbstständig ist, arbeitet schließlich selbst und ständig. „Das Produkt musste weiterentwickelt werden, es standen viele Kundentelefonate und Beratungstermine an und natürlich musste auch ein Produktionsplan erstellt werden.“ Um das nicht alles alleine bewerkstelligen zu müssen, holt er sich Mehrfach-Gründer Eugen Resch ins Team. Den hatte er bei den Vorbereitungen zum Elevator Pitch kennengelernt. Resch verfügt schon über ein großes Netzwerk und kann hier schnell Kontakte herstellen. „Am Anfang haben wir jeden Romiro selbst in der Garage produziert. Aktuell führen wir Produktionstests mit einem Partner durch, damit wir größeren Mengen produzieren und dadurch auch den Preis senken können“, erläutert Döberl. Rund 3.000 Euro kostet der elektrische Rollator derzeit noch, die Summe schreckt noch viele begeisterte Kundinnen und Kunden ab. Damit der Preis weiter gesenkt werden kann, wurden mittlerweile auch Produktionsteile aus dem Ausland eingekauft. „Es ist immer noch Made in Germany aber ausschließlich mit Produkten aus Deutschlands wären wir nicht kostendeckend.“
Nach einem Jahr auf dem Markt ist die Motivation bei Frank Döberl weiterhin groß.
Nach einem Jahr auf dem Markt ist die Motivation bei Frank Döberl weiterhin groß. Er arbeitet viel, möchte den Romiro weiterentwickeln, hat noch viele Ideen und Optimierungswünsche aber er sagt auch: „Es ist ein ständiges auf und ab der Gefühle.“ Ob er sich wieder selbständig machen würde? „Ja, aber ich würde vieles anders machen. Wie wichtig verlässliche und gute Partner und ein großes Netzwerk sind, das habe ich am Anfang unterschätzt.“ Und er würde sich freuen, wenn die Beantragung von Fördermitteln nicht so kompliziert und langwierig wäre. Vom Land Baden-Württemberg hatte er für die Entwicklung eines Prototypen eine Förderung über den Innovationsgutschein Start-up BW erhalten, eine Anschlussförderung gestaltet sich für ihn allerdings als schwierig. „Projekte dürfen zum Zeitpunkt der Antragsstellung noch nicht angefangen haben, aber wenn ich warte, bis ich eine Förderzusage erhalte, verliere ich wertvolle Zeit.“
Frank Döberl hofft sehr, dass aus seiner Ursprungsidee ein Erfolg wird. Einen Traum hat er sich immerhin schon verwirklicht: er hat den Romiro für seine Oma tatsächlich entwickelt und produziert.