Von Claudia Lösler
Ein Pilotprojekt läuft dazu aktuell in den Kaufland- und VollCorner-Filialen in München. „Uns interessiert vor allem wie eine Flasche zurückkommt, welche Größen in die Pfandautomaten passen, wie die Produkte gereinigt werden können und welche Prozesse dafür nötig sind, damit zum Beispiel eine Shampooflasche ein zweites oder drittes Mal benutzt werden kann“, erklärt die 35-jährige Gründerin.
Ende Oktober 2025 ist das Forschungsprojekt gestartet, dauert ein Jahr und wird vom Frauenhofer Institut wissenschaftlich begleitet. Steffanie Rainer zeigt sich mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden. „Dieser Test ist ein wichtiger Meilenstein, der uns hilft, unser System weiterzuentwickeln und zu optimieren. So hilft es auch den Marken dabei ihre Verpackung besser zu verstehen.“ Für ihre Vision konnte die Gründerin bereits große Kunden gewinnen. Neben Kneipp beteiligen sich auch Lavera, Sante Naturkosmetik und Logona an dem Pilotprojekt.
Unsere Aufgabe ist es, die Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Verpackungen nachhaltiger zu gestalten ohne, dass sie dabei ihren Wiedererkennungswert verlieren.
Steffanie Rainer
Regelmäßig finden Treffen statt, um sich über Erfahrungswerte und die nächsten Schritte auszutauschen. Die Konkurrenz in der Kosmetikbranche an einen Tisch zu holen und gemeinsam an einer Vision zu arbeiten, zählt zu den größten Herausforderungen, sagt Steffanie Rainer. „Wir denken gesamtheitlich und müssen versuchen alle von unserer Vision zu überzeugen aber hätte ich gewusst, was ich hier mache, würde ich es nicht machen“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Das Rad, das wir Drehen, ist riesig und betrifft den ganzen europäischen Markt. Natürlich brennt die Zweifachmama für ihre Vision. Ein großer Hebel für das große Interesse an ihrem Unternehmen reo ist die EU-Verpackungsverordnung „PPWR“ die Ende 2024 verabschiedet wurde. Bis 2030 sollen demnach alle Verpackungen europaweit wiederverwendbar sein. „Wir arbeiten hier an einem Modell, dass europaweit genutzt werden könnte.“ Angelehnt an den grünen Punkt sollen die Kosmetikprodukte einen lila Kreis erhalten, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern zeigt, dass das Produkt wiederverwendet werden kann.
Bis 2027 möchte Steffanie Rainer mit reo so weit sein, dass in allen Kaufland-Filialen deutschlandweit Kosmetikprodukte zurückgegeben werden können. „Das ist unser nächstes großes Ziel.“ Bis dahin müssen die beteiligten Unternehmen ihre Produkte und die Filialen ihre Infrastruktur angepasst haben. Im nächsten Schritt geht es dann um die Digitalisierung der Produkte. Durch einen Datamatrix Code auf den Produkten sollen die Shampooflaschen und Co nachverfolgt werden, um sie weiterhin zu optimieren und um Abläufe und Kundennutzung noch besser zu verstehen. Und wenn alles gut läuft, kommt dann der europaweite Rollout.
Ich denke immer Schritt für Schritt und habe gelernt, auch mit kleinen Erfolgserlebnissen zufrieden zu sein. So ein Systemwandel braucht Zeit und vor allem Geduld.
Steffanie Rainer
Unternehmerin durch und durch
Steffanie Rainer ist Unternehmerin durch und durch. Aufgewachsen in einem typisch schwäbischen Maschinenbaubetrieb ihrer Mutter lernt sie von Kindesbeinen an, was es heißt, selbstständig zu sein. Sie studierte Hotelmanagement und setzte sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Verpackungsmüll in Hotels auseinander. Sie entwickelte eine Schampooflasche aus Edelstahl und stellte beim Elevator Pitch von der IHK Heilbronn-Franken und den Campus Founders 2019 einen Abfüllbehälter von Shampoo in Edelstahlbehälter vor. Sie bekam Fördermittel von Start-up BW und den Campus Founders und gründete zwei Jahre später das Unternehmen WITHOUTme.
„Ich habe die Maschinen mitentwickelt, mich neben den Nachfüllautomaten im Supermarkt gestellt und wirklich Jeden angesprochen, um die Menschen von meiner Idee zu überzeugen.“ Viele Erfahrungen hat sie gesammelt. Unter anderem, dass sie keine Ahnung davon hatte, wie der Handel wirklich funktioniert und wie schlecht es ist, wenn man dem Handel Platz wegnimmt wie durch ihren Abfüllautomaten. Sie ging zur Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ und kam zu der Erkenntnis, dass sie kein Produkt verkaufen wollte, sondern eine Systemveränderung als Ziel hatte. „Ich habe wirklich jeden Fehler gemacht, den man machen kann. Und ich wollte mein Baby lange Zeit nicht aufgeben.“ 2025 wurde dann aus der Unternehmergesellschaft (UG) eine GmbH, Steffanie Rainer konnte durch die Förderung der Campus Founders Mitarbeiter einstellen und hat mittlerweile ein Team von fünf Personen um sich.
Durch die Campus Founders habe ich gelernt im Start-up zu denken.
Steffanie Rainer
„Durch die Campus Founders habe ich gelernt im Start-up zu denken. Ich komme aus einem mittelständischen Unternehmen und das jetzt ist eine ganz neue Art von Business Model.“
Ihr Tipp vor allem für alle Neugründerinnen ist: „Baut euch ein Netzwerk auf, geht raus, sucht euch Verbündete und treten zum Beispiel in Verbände wie den VDU (Verband der Unternehmerinnen) ein.“