„Mein Bruder hat Epilepsie in Verbindung mit einer kognitiven Einschränkung. Früher hat er mich ständig gefragt, wie lange etwas dauert oder wann der nächste Termin ansteht“, erzählt der 25‑jährige Gründer. Während seines Studiums entstand daraus ein Forschungsprojekt. Er entwickelte ein barrierefreies Hilfsmittel, das die Zeit nicht nur anzeigt, sondern verständlich macht.
„Zeitkompass“ verbindet eine App mit einer speziell angepassten Smartwatch. Sie zeigt den individuellen Tagesablauf in klaren Symbolbildern, gibt Termine bei Bedarf auch über Sprachausgabe wieder und reduziert Komplexität auf das Wesentliche. Zusammen mit Menschen aus Einrichtungen des Betreuten Wohnens wurde das Designkonzept entwickelt und im Alltag getestet. Wir haben die Teilnehmenden eine Woche mit und eine Woche ohne Smartwatch begleitet.
Die Ergebnisse waren deutlich: Die Selbstständigkeit stieg, das Betreuungspersonal wurde entlastet.
Hauke Wendt
Für den Mitgründer von INCLUSYS war schnell klar, dass in dem Forschungsprojekt erhebliches Potenzial steckt. Das Start-up erhielt finanzielle Unterstützung von den Campus Founders aus Heilbronn und sogar eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, um das Produkt Zeitkompass als anerkanntes Hilfsmittel listen zu lassen. Dadurch kann zukünftig eine Kostenübernahme durch die Pflegekassen ermöglicht werden.
Umzug nach Heilbronn und erfolgreicher Marktstart
Im November 2025 sind die beiden Gründer aus Würzburg nach Heilbronn gezogen, haben ein Büro auf dem Bildungscampus bezogen und bauen ihr Team aktuell auf fünf Personen aus. Seit Dezember letzten Jahres sind sie mit ihrem Produkt offiziell auf dem Markt. „Das war schon ein großer Moment, als wir die ersten Smartwatches verkauft haben“, sagt der 25-jährige Gründer mit einem Lächeln im Gesicht.
Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie hatten bereits auf den Marktstart gewartet. Für die Hardware konnten die jungen Unternehmer Samsung als Partner gewinnen. Die Smartwatch selbst ist bewusst reduziert gestaltet:
Man kann nichts Verstellen, es gibt keine überladene Technik, nur Symbole können individuell ausgewählt werden.
Hauke Wendt
2026 möchten die Gründer weitere Forschungsprojekte anstoßen, unter anderem für Menschen mit Demenz. Außerdem soll die App weiterentwickelt werden. Die Sensordaten der Watch könnten künftig helfen, emotionale Krisen im Bereich Autismus anhand eines erhöhten Pulses frühzeitig zu erkennen und automatisch beruhigende Bilder zur Stressregulierung einzublenden.
Sein Rat an alle, die gründen wollen:
Sucht euch früh Start-up-Acceleratorprogramme. Pitch-Wettbewerbe, Bühnen, ehrliches Feedback und ein starkes Netzwerk – das bringt euch unglaublich schnell voran.
Hauke Wendt