Von Claudia Lösler
Die Antwort war alles andere als trivial. Denn gerade in Mehrfamilienhäusern scheitern zentrale Lösungen oft daran, dass sich Eigentümer oder Mieter nicht gemeinsam einigen können.
Wärmewende ohne Abstimmungsmarathon
Statt einer großen zentralen Anlage vor dem Gebäude setzen die Gründer auf eine kompakte Kombination aus Innen- und Außeneinheit, die die bestehende Gastherme in der Wohnung ersetzt. Entscheidend ist dabei ein Prinzip, das im deutschen Wohnungsbestand bislang kaum umgesetzt wurde: Jede Wohnung kann einzeln umgerüstet werden, ohne dass alle anderen Parteien mitziehen müssen.
Damit lösen Barbunopulos und Janzen ein strukturelles Problem der Energiewende im Gebäudesektor. Denn rund vier Millionen Bestandswohnungen in Deutschland werden mit Gas‑Etagenheizungen betrieben, für etwa die Hälfte davon könnte die Lösung von HeatPump23 passen.
Die technische Umsetzung ist bewusst pragmatisch gehalten. Die alte Gastherme wird durch eine neue Inneneinheit ersetzt, während außen eine Wärmepumpe installiert wird, die Umgebungsluft nutzt, um Wärme zu erzeugen. Die Umrüstung dauert nur etwa zwei Tage und funktioniert ohne größere Eingriffe in die Gebäudestruktur. Gleichzeitig können Haushalte ihre Heizkosten senken und jährlich rund eine Tonne CO2 einsparen.
Dass das System funktioniert, liegt auch an einer bewussten Entscheidung der Gründer.
Als Start-up hat man das Problem, dass man noch nichts vorweisen kann, da hilft es, Qualität im Produkt zu haben
Georg Barbunopulos
Deshalb setzt das Unternehmen ausschließlich auf etablierte Komponenten namhafter Hersteller, die für Zuverlässigkeit stehen.
Der Startschuss
Die eigentliche Gründungsgeschichte beginnt im Februar 2023. Damals entwickeln die beiden ihre Idee zunächst nebenbei, während sie noch als Unternehmensberater beziehungsweise Projektingenieur arbeiten. Ein Jahr später ziehen sie die Konsequenz, kündigen ihre Jobs und setzen alles auf ihr eigenes Produkt.
Unterstützung finden sie früh im regionalen Netzwerk. Die IHK Heilbronn-Franken berät sie bei der Gründung, die Campus Founders Heilbronn begleiten den Aufbau, und Förderprogramme wie der Stuttgarter Klima‑Innovationsfonds helfen bei der Finanzierung. Im Februar 2024 gründen sie schließlich ihre GmbH.
Sieger beim Elevator-Pitch Landesfinale
Der Durchbruch kommt mit der öffentlichen Aufmerksamkeit. HeatPump23 gewinnt im vergangenen Jahr den Landespreis beim Start-up BW Elevator Pitch und setzt sich damit gegen zahlreiche andere Gründungsteams durch. Für das junge Unternehmen ist das ein wichtiger Schritt, um Vertrauen aufzubauen – bei Investoren, Partnern und Kunden.
Solche Veranstaltungen sind super, weil sie eine Plattform sind, um für Start-ups überhaupt sichtbar zu werden und um Reichweite zu generieren
Georg Barbunopulos
Heute arbeitet das Team im Zukunftspark in Heilbronn, wo sich Büro, Werkstatt und Prüfstand befinden. Dort werden Prototypen getestet, die Qualität kontrolliert und sowohl Hardware als auch Software weiterentwickelt. Neben sechs festen Mitarbeitenden unterstützt ein Netzwerk aus rund 15 Freelancern das schnell wachsende Unternehmen. Die Produktion selbst erfolgt über einen Partner in Kaiserslautern, was eine gewisse Skalierung ermöglicht.
Im Januar 2026 ist HeatPump23 in Serie gegangen und kann erste Geräte ausliefern. Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, auf den Barbunopulos besonders stolz ist: aus einer Idee ein marktfähiges Produkt gemacht zu haben.
Zwischen Risiko und Überzeugung
Für Barbunopulos ist die Gründung kein Sprung ins Ungewisse, sondern ein zweiter Anlauf. Direkt nach dem Studium hatte er bereits versucht, ein Unternehmen aufzubauen – damals ohne nachhaltigen Erfolg. Rückblickend sagt er: „Wir hatten nicht die richtigen Kompetenzen, das Produkt und das Team haben nicht zusammengepasst.“
Die Erfahrung hat ihn geprägt, aber nicht abgeschreckt. Im Gegenteil: Angst vor einem erneuten Scheitern hat er heute nicht. Dafür sorgt nicht zuletzt seine berufliche Laufbahn, die ihm Sicherheit gibt. Vor allem aber ist es die Überzeugung vom eigenen Produkt. Die Nachfrage ist hoch, und der Bedarf am Markt riesig.
Seine wichtigsten Learnings aus der Gründung beschreibt er klar: „Man braucht Leidensfähigkeit, Durchhaltevermögen und den Mut, Entscheidungen zu treffen.“
Diese Haltung passt auch zum Standort. Barbunopulos ist vor vier Jahren von Stuttgart nach Heilbronn gezogen und sieht darin heute einen entscheidenden Vorteil.
Heilbronn war genau die richtige Entscheidung, hier gibt es so viele Start-ups und man ist sehr schnell sehr gut vernetzt.
Georg Barbunopulos
Als nächste Schritte planen die beiden Gründer zunächst den deutschlandweiten Rollout, weitere Standorte Richtung NRW und Hessen, aber auch Hamburg und Berlin sollen erschlossen werden. Langfristig ist der europäische Markt das Ziel.
Aber alles Schritt für Schritt
Georg Barbunopulos