Von Claudia Lösler
Mehr als 9.000 Patente wurden im Jahr 2025 angemeldet und damit 25 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Die Lebensdauer der Batterie bleibt ein zentrales Problem. In modernen Lithium-Ionen-Zellen bestimmt der schwächste Bereich im Inneren der Zelle maßgeblich ihre Leistung, Lebensdauer und Sicherheit. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit von Nils Krumm an: Er beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Batterien nicht nur leistungsfähiger, sondern vor allem langlebiger und resilienter machen lassen.
Mit seiner Idee konnte Krumm früh überzeugen. Beim regionalen Vorentscheid des Wettbewerbs „Start-up BW Elevator Pitch“ in Heilbronn setzte er sich gegen neun weitere Finalistinnen und Finalisten durch und gewann mit seiner Batterietechnologie den ersten Platz. Für ihn war dieser Auftritt ein wichtiger Meilenstein und einer seiner ersten Pitches vor größerem Publikum. Entsprechend groß war die Freude über die Auszeichnung, die ihm nicht nur Preisgeld und Zugang zu Förderprogrammen einbrachte, sondern vor allem Sichtbarkeit und neue Kontakte in der Start-up- und Industrieszene. „Ich habe viele Presseanfragen bekommen und auf LinkedIn viele neue Kontaktanfragen erhalten und nach meinem Pitch hat mich direkt ein Interessent angesprochen “, berichtet der Gründer.
Im Kern beschäftigt sich Krumm mit einem strukturellen Problem von Batterien. Ein einzelner Defekt oder ein frühzeitig alternder Bereich innerhalb einer Zelle kann die Leistung, Lebensdauer und Sicherheit der gesamten Zelle beeinträchtigen. Während sich solche Störungen in anderen Systemen meist isolieren lassen, wirken sie sich in Batterien auf die Gesamtleistung aus. Diese Ineffizienz führt dazu, dass Batterien früher ersetzt werden müssen als technisch eigentlich nötig.
Krumm näherte sich dieser Problematik aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Mit seinem Hintergrund in Mechatronik und Robotik denkt er Batterien weniger als chemisches, sondern als systemisches Problem. Statt primär Materialien zu verändern, analysiert er, wie Energie innerhalb einer Batterie verteilt wird – und wie diese Verteilung optimiert werden kann. „Stellen Sie sich folgendes vor: Ein Parkhaus, gefüllt mit Autos, steht für die gespeicherte Energie. Fällt ein Stellplatz aus, würde man ihn absperren und die anderen weiter nutzen. Bei der Batterie funktioniert das nicht, sie hört im Zweifel komplett auf zu arbeiten und wird am Ende sogar geschreddert.“
Die Kraft einer simplen Idee
Sein Ansatz setzt bei der Alterung an. In herkömmlichen Batterien altern diese im inneren unterschiedlich schnell. Einzelne schwache Bereiche begrenzen dann die Leistung der gesamten Batterie. Krumm entwickelt ein Konzept, das auf eine gleichmäßigere Alterung abzielt. Dadurch verändert sich das Verhalten der Batterie: Energie wird ausgeglichener genutzt, kritische Schwachstellen fallen weniger stark ins Gewicht, und die Gesamtleistung bleibt länger stabil. „Die Idee war so simpel, dass ich mir selbst erstmal nicht vorstellen konnte, dass das die Lösung sein soll“, sagt der Gründer. Nach vielen komplexen Überlegungen erkannte Krumm, dass nicht zwangsläufig neue Materialien nötig sind, um Fortschritte zu erzielen. Stattdessen lässt sich durch eine gezielte Steuerung innerhalb der Batterie ein deutlich größerer Effekt erreichen, insbesondere bei der Lebensdauer.
Um seine Innovation zu schützen, arbeitet sich Krumm in das komplexe Feld des Patentrechts ein.
Ich war froh, dass ich als Student eine Patentanwältin gefunden habe
Nils Krumm
Der Prozess ist aufwendig und kostenintensiv, insbesondere wenn internationale Märkte abgesichert werden sollen. „Um ein Patent in den relevanten Ländern anzumelden, muss man schon eine sechsstellige Summe investieren“, meint der Gründer. Für diesen nächsten Schritt ist er auf der Suche nach Investoren.
Entscheidend war jedoch der Nachweis. Am Fraunhofer IPA und DLR in Stuttgart wurde die Idee in einem Versuch validiert. Anschließend folgte ein erneuter Versuch unter besseren Bedingungen am Fraunhofer ISC in Würzburg. Die Ergebnisse bestätigten seine Annahmen: Die Technologie funktioniert und liefert messbare Verbesserungen.
Früh trifft Krumm eine strategische Entscheidung. Er will keine eigene Batteriefabrik aufbauen. „Dafür bräuchte ich Milliarden, deshalb gehe ich über die Lizenz.“ Seine Technologie soll von etablierten Herstellern integriert werden, etwa Elektrofahrzeugen, in mobilen Endgeräten, in Batteriegroßspeichern oder in Drohnen. Dieser Ansatz ermöglicht eine schnellere Skalierung und reduziert gleichzeitig die enormen Investitionen, die für eine eigene Produktion notwendig wären.
Im September 2025 gründet Nils Krumm eine UG. Ziel ist es, die Technologie weiterzuentwickeln, industrielle Anwendungen zu erschließen und langfristig ein eigenes Entwicklungsumfeld aufzubauen.
Bis zum Landesfinale des „Start-up BW Elevator Pitch“ am 16. Juli in möchte der Gründer mindestens einen nächsten Meilenstein erreicht und mit weiteren Investoren gesprochen haben. „Ich bin schon aufgeregt, aber ich bin vor allem auch auf die anderen Finalisten gespannt“, so der 29-Jährige und sagt ganz bescheiden: „Gewinnen wäre natürlich auch cool.“