Claudia Lösler
Sein Weg folgt keinem klassischen Muster, sondern dem Prinzip „Learning by doing“. „Schon früh hat mich interessiert, wie Dinge funktionieren und vor allem, wie man sie besser machen kann. Als kleiner Junge habe ich kleine Anwendungen programmiert, um im Computerspielen schneller voranzukommen“, erzählt er.
Mit MerKalku hat Machire jetzt eine Software entwickelt, die die Angebotskalkulation in der Gebäudereinigung deutlich vereinfacht.
Wir schaffen es den Arbeitsaufwand von drei Tagen auf nur eine Arbeitsstunde zu verkürzen
Jerome Machire
Was auf den ersten Blick wie ein Nischenthema klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als strukturelles Problem mit enormer wirtschaftlicher Tragweite. In der Gebäudereinigung entscheidet die Kalkulation von Ausschreibungen über Gewinn oder Verlust und trotzdem laufen diese Prozesse in vielen Unternehmen noch immer größtenteils manuell. Umfangreiche Leistungsverzeichnisse werden in Tabellen übertragen, Leistungswerte berechnet, Preise justiert. Es ist ein System, das anfällig für Fehler ist und vor allem eines kostet: Zeit.
Genau hier setzt MerKalku an. Die Software analysiert komplette Ausschreibungen automatisiert und übersetzt sie direkt in kalkulierbare Leistungen. Statt sich durch hunderte Seiten zu arbeiten, erhalten Unternehmen innerhalb kürzester Zeit eine strukturierte Kalkulation, basierend auf ihren eigenen Leistungsdaten. Die Rolle des Menschen verschiebt sich dabei deutlich: weg vom Dateneintippen, hin zur Kontrolle und Optimierung. Dass dieser Ansatz den Nerv der Branche trifft, zeigt sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Beim Regionalentscheid des „Start-up BW Elevator Pitch“ in Heilbronn überzeugte Machire mit seiner Lösung und belegte den dritten Platz.
Sein erstes konkretes Projekt im Reinigungsumfeld entstand rund um die Koelnmesse, bei Themen wie Standreinigung und Abfallentsorgung. Dort wurde schnell klar, wie aufwendig Ausschreibungen in dieser Branche tatsächlich sind. Schritt für Schritt begann Machire, diesen Prozess mit Hilfe eines Pilotkunden zu automatisieren. Das Feedback war eindeutig: Der Prozess wurde deutlich schlanker, die Effizienz stieg massiv.
Parallel dazu baute Machire mit der Leadgainers Agency sein erstes Standbein auf. Die Agentur aus Ispringen ist auf digitale Leadgenerierung und Prozessautomatisierung spezialisiert und unterstützt Unternehmen dabei, Marketing- und Vertriebsabläufe zu digitalisieren. Dieses Wissen floss direkt in die Entwicklung von MerKalku ein – insbesondere die Fähigkeit, komplexe Prozesse nicht nur zu analysieren, sondern in skalierbare Systeme zu übersetzen.
Der Schritt von der Agentur zur Softwarelösung war auch eine strategische Entscheidung. Während Dienstleistungen oft an Kapazitätsgrenzen stoßen, lässt sich Software skalieren. Eine klare Zielgruppe, standardisierte Prozesse, delegierbare Rollen, all das macht Wachstum planbarer.
Alles, was automatisierbar ist, soll automatisiert werden. Gleichzeitig bleibt der Mensch dort im Mittelpunkt, wo er unverzichtbar ist, zum Beispiel im direkten Kundenkontakt oder im Vertrieb
Jerome Machire
Die nächsten Schritte sind ambitioniert, aber klar definiert. Zunächst steht die Durchdringung des Marktes für Gebäudereinigung im Fokus, der in Deutschland von tausenden Unternehmen geprägt ist. Langfristig sieht Machire jedoch deutlich größere Potenziale. Überall dort, wo komplexe Ausschreibungen und aufwendige Kalkulationen zum Alltag gehören, könnte das Modell von MerKalku Anwendung finden – von Sicherheitsdiensten bis hin zur Bauwirtschaft.
Im Juli steht nun der nächste große Schritt an. Aus dem eingetragenen Kaufmann wird eine Holding-Struktur, damit die Firma bei Interesse schnell und unkompliziert verkauft werden kann. Bis Ende des Jahres möchte er 50 zahlenden Kunden für seine Softwarelösung gewonnen haben, im kommenden sollen 200 weitere dazu kommen. „Dafür muss natürlich das entsprechende Vertriebs-Team aufgebaut werden“, sagt Machire.
Dabei bleibt der Weg alles andere als einfach. Gründung bedeutet für Machire vor allem eines: kontinuierliches Lernen, permanentes Anpassen und ein hohes Maß an Durchhaltevermögen. Rückschläge gehören dazu, ebenso wie Phasen, in denen Fortschritt langsamer sichtbar wird als erhofft. Doch genau hier sieht er den entscheidenden Unterschied:
Wer konsequent dranbleibt und bereit ist, langfristig zu denken, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg
Jerome Machire