IHK-Medieninformation

Bürokratie als größtes Hindernis in der Logistikbranche

IHK-Fachausschuss für Verkehr, Logistik und Infrastruktur besucht Hornbach Logistikzentrum (13.04.2023)
Der Staat verpasst es seit geraumer Zeit, die richtigen Rahmenbedingung zu setzen, so dass die Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit haben. Keiner von uns hat Verständnis dafür, wenn sich selbst kleine Gesetzesvorhaben über Monate hinziehen“ – so fasst Jürgen Pfeil die Stimmung in der Verkehrs- und Logistikbranche zusammen. Pfeil ist Vorsitzender des Fachausschusses Verkehr, Logistik und Infrastruktur der IHK Niederbayern, der kürzlich zu einer Sitzung im Hornbach Logistikzentrum in Vilshofen zusammengekommen ist.
Ein weiteres großes Problem der Branche, auch das zeigte die Sitzung, ist der Arbeits- und Fachkräftemangel. Bereits seit Mitte vergangenen Jahres seien auf Seiten des Bundes eigentlich Erleichterungen für ukrainische Lkw- und Busfahrer geplant, um den Eintritt in den hiesigen Arbeitsmarkt zu vereinfachen. Die Anerkennung der Führerscheine sei dabei weniger das Problem, sehr wohl aber die Erlangung der Berufskraftfahrerqualifikation, ohne die die Fahrer nicht tätig werden dürfen, berichtete Pfeil. Wie genau sich diese Qualifikation erlangen lässt und wie viele Stunden an Fortbildung dafür absolviert werden müssen, ist bisher völlig unklar. Nach derzeitigem Stand sollen die entsprechenden Rahmenbedingungen erst im Herbst dieses Jahres beschlossen werden. „Dass Bürokratie und langwierige Verfahren massive Probleme verursachen, wird schon seit geraumer Zeit von Unternehmerseite an uns herangetragen. Geändert hat sich aber wenig bis nichts. Wir werden daher auch in Zukunft den Finger in die Wunde legen und auf Verbesserungen drängen“, sagte dazu bei der Sitzung Klaus Jaschke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern.
„Wir haben sechs Stellen ausgeschrieben und derzeit zwei Bewerbungen“, verdeutlichte beispielhaft Karl-Heinz Spandl, Leiter des Hornbach Logistikzentrums, den Personalmangel in der Branche. Trotz verschiedener Zusatzleistungen, mit denen man sich um Mitarbeiter und Auszubildenden bemühe, gestalte sich die Besetzung sehr schwierig. Die Ausschussmitglieder forderten, schon in der Grundschule dazu aktiv zu werden und vor allem die Eltern anzusprechen. Jaschke verwies hier auf die bundesweite IHK-Kampagne „Jetzt #könnenlernen“. „Wir wollen das Image der Ausbildung verbessern oder vielmehr der Ausbildung überhaupt ein Image bei der Zielgruppe verleihen“, betonte Jaschke. Man müsse die Jugendlichen dafür dort abholen, wo sie unterwegs sind, etwa auf TikTok.
Als Gastgeber führte Spandl mit seinen Führungskräften die Ausschussmitglieder durch das Logistikzentrum. Von Vilshofen aus werden 57 Hornbach-Märkte in Niederbayern, im weiteren Bundesgebiet sowie im benachbarten Ausland beliefert. Zudem sei in der „interconnected retail“ Logistik des Zentrums auch die Lieferung zum Kunden integriert. Das Ziel dabei: Der Kunde soll möglichst mit einer Lieferung alle benötigten Waren für sein Projekt erhalten. Bei einer Produktpalette von etwa 813.000 Waren sei die Verfügbarkeit oberste Priorität. „Wir müssen sicherstellen, dass der Kunde die Produkte, die er bestellt oder im Markt reserviert, weil er sie für sein Projekt benötigt, dann auch dort vorfindet“, erläuterte Spandl. Corona habe dazu in der Logistik einiges angestoßen und verändert, etwa in Richtung Digitalisierung und Automatisierung.