IHK-Medieninformation

Russland-Ukraine-Konflikt ist auch eine Belastung für die niederbayerische Wirtschaft

Statement und Einschätzungen der IHK sowie eines regionalen Unternehmers (24.02.2022)
Die kriegerische Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts ist auch keine gute Nachricht für die regionale Wirtschaft, stellt Klaus Jaschke klar, Mitglied der Geschäftsführung der IHK Niederbayern: „Die Wirtschaft blickt mit großer Sorge auf diesen Konflikt. Die niederbayerischen Unternehmen sind international stark vernetzt. Russland spielt im Außenhandel eine wichtige Rolle, das Land liegt auf Rang 17 der bayerischen Exportstatistik, die Ukraine immerhin auf Rang 39. 121 Betriebe aus dem IHK-Bezirk Niederbayern stehen in regelmäßigen Handelsbeziehungen zu Partnern in Russland, 71 Betriebe sind es für die Ukraine. Bezogen auf die Exportdokumente, das sind die sogenannten Ursprungszeugnisse und Carnets, sind die Zahlen deutlicher: Im Jahr 2021 hatte die IHK für niederbayerische Exporte nach Russland insgesamt 2.120 solcher Dokumente ausgestellt, im laufenden Jahr waren es bisher 355. Für die Ukraine liegen die entsprechenden Zahlen bei 402 und 48.
Die Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in beide Länder sind momentan in einer Phase starker Verunsicherung. Sanktionen oder erst recht ein bewaffneter Konflikt sind aus Sicht der Wirtschaft immer negativ zu bewerten, denn jenseits aller wichtigen politischen und völkerrechtlichen Aspekte stellt beides auch eine Belastung für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen dar. Eine ohnehin schon nicht einfache Situation mit Lieferschwierigkeiten, Rohstoff-, Material- oder Personalmangel wird dadurch weiter verschärft. Gerade der Russland-Ukraine-Konflikt birgt zudem große Gefahr, die bereits extremen Steigerungen der Energiepreise noch weiter anzuheizen – ein ernstes Problem für die Betriebe. Die Wirtschaft kann daher nur darauf hoffen, dass trotz allem noch eine friedliche Lösung für diesen Konflikt gefunden wird. Es bleibt daher der Appell an die Politik, die diplomatischen Wege so weit möglich offenzuhalten.“
Einen direkten Einblick in die Entwicklung in der Ukraine hat Thomas Laxhuber, Geschäftsführer der stela Laxhuber GmbH aus Massing und Mitglied des IHK-Fachausschusses Außenwirtschaft: „Wir haben Geschäftspartner und Kunden sowohl in Russland als auch in der Ukraine, teilweise seit vielen Jahren. Diese Länder sind für uns bedeutende Märkte: Wir machen in beiden Ländern jeweils einen großen Teil unseres Umsatzes. Die jetzige Eskalation ist für keine Seite gut. Krieg bedeutet viel Leid und bringt nur Verlierer. Neben den persönlichen Unsicherheiten für sich und ihre Familien stehen unsere Kunden und Partner auch wirtschaftlich vor großen Fragezeichen: Dürfen noch Maschinen und Teile in die Länder geliefert werden? Wollen und können unsere Kunden in der Ukraine noch in die Zukunft investieren? Man muss sich vergegenwärtigen: Wir reden von einem Krieg vor unserer Haustüre! Deswegen ist es für mich jetzt wichtig, dass wir unsere Geschäftskontakte in die betroffene Region unbedingt aufrechterhalten. Wir müssen unsere Partnerschaften mit beiden Ländern weiter pflegen und auch von unternehmerischer Seite für eine friedliche Lösung eintreten.“