IHK-Medieninformation

Corona und Fachkräftemangel bremsen Betriebe aus

Konjunkturumfrage: Schwächere Lage, aber optimistischere Aussichten in der niederbayerischen Wirtschaft (02.02.2022)
Der Start ins neue Jahr ist für Niederbayerns Wirtschaft nicht so glatt verlaufen wie erhofft, das belegt die neueste Konjunkturumfrage der IHK Niederbayern unter den Betrieben aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Tourismus. Nachdem sich zuvor in zwei Umfragerunden hintereinander ein Aufwärtstrend gezeigt hatte, sinkt der IHK-Konjunkturklimaindikator, der aktuelle Lage und Erwartungen zusammenfasst, nun leicht ab. Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, ordnet die Umfrageergebnisse ein: „Der Klimaindikator zeigt einen Rückgang auf 122 Zähler, dieser Wert liegt allerdings weiter über dem langjährigen Durchschnitt. Der Grund dafür lässt sich aus den Daten deutlich ablesen: Einer schwächeren Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage stehen positivere Einschätzungen für die zukünftige Entwicklung gegenüber – das verhindert in der Summe eine deutlichere Abkühlung des Konjunkturklimas. Insofern kehrt der Optimismus langsam in die Betriebe zurück.“

Unterschiedliche Lage in den Branchen

Einen genaueren Blick in die einzelnen Branchen wirft Martin Frank, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern. „Die heimische Industrie ist weiterhin in der Erfolgsspur und damit ein wichtiger Stabilitätsanker für unseren Wirtschaftsraum“, erläutert Frank. Auch im Dienstleistungssektor sei die Stimmung vergleichsweise positiv. Im Handel sowie in der Freizeit- und Tourismuswirtschaft hingegen sorgen vor allem die strengen Corona-Einschränkungen für Rückgänge in der Lagebeurteilung. So bezeichnen beispielsweise 65 Prozent der Tourismusbetriebe ihre aktuelle Lage als schlecht. Über alle Branchen hinweg bewerten elf Prozent der Unternehmen die derzeitige Situation als schlecht, mehr als in der Vorumfrage. Immerhin 47 Prozent der Betriebe sehen sich zwar in einer guten Lage, im Herbst vergangenen Jahres waren es aber noch 54 Prozent. Die Liquiditätssituation in den Betrieben hat sich hingegen verbessert. „Aber auch hier zeigt sich ein differenziertes Bild je nach Betroffenheit in der Pandemie, denn in der Freizeit- und Tourismuswirtschaft ist die Lage überdurchschnittlich angespannt“, schränkt Frank ein.

Zuversicht in der Wirtschaft wächst

Dieser in Teilen eingetrübten Lagebeurteilung in der niederbayerischen Wirtschaft stehen durchaus optimistischere Erwartungen für die kommenden Monate gegenüber. „Die Zuversicht wächst spürbar, 23 Prozent der Firmen rechnen mit einer Verbesserung. Das ist der beste Wert seit Beginn der Pandemie“, betont Frank. Auch die Investitionsabsichten ziehen wieder an: 27 Prozent möchten mehr Geld in Anlagen und Gebäude stecken. Immer mehr gewinnen dabei Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz an Bedeutung. Weiter im Aufwind befinden sich außerdem die Beschäftigungsabsichten in den Betrieben: Jeder Vierte möchte den Personalbestand aufstocken.

Hürden auf dem Weg der Erholung

„Niederbayerns Wirtschaft geht den Weg der Erholung aus der Krise mutig weiter, allerdings stehen die Betriebe vor einigen großen Hürden“, sagt dazu IHK-Präsident Leebmann. „Der Fachkräftemangel als größtes Problem spitzt sich weiter zu. 74 Prozent sehen darin mittlerweile ein Wachstumshemmnis.“ Eine große Belastung sind zudem die deutlich gestiegenen Preise für Energie, Rohstoffe, Vor- und Zwischenprodukte. Die anhaltenden Lieferschwierigkeiten sind derzeit ein wesentlicher Preistreiber. Die Folge: Knapp 70 Prozent der Betriebe werden in den kommenden Monaten an der Preisschraube drehen – das ist ein neuer Höchststand. Eine spürbare Verbesserung bei der Versorgung mit Waren und Rohstoffen wird nicht vor der zweiten Jahreshälfte erwartet, ein Viertel der Betriebe rechnet damit erst im Jahr 2023. „Die Corona-Politik mit ihren sich derzeit noch ständig ändernden Restriktionen und Auflagen muss alsbald einer Exit-Strategie weichen, die Planungshorizonte eröffnet. Damit die Wirtschaft mehr Fahrt aufnehmen kann, erwarten die Betriebe von der neuen Bundesregierung zudem, das Versprechen von schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren auch einzulösen und fordern erneut einen spürbaren Bürokratieabbau sowie ein Absenken der Steuerbelastung“, fasst Leebmann zusammen.
In die Konjunkturberichte der IHK Niederbayern fließen dreimal im Jahr die Einschätzungen von 490 regionalen Betrieben zu Wirtschaftslage und -erwartungen ein. Die befragten Unternehmen stellen eine repräsentative Auswahl aus den über 81.000 Mitgliedsbetrieben der IHK Niederbayern dar und kommen aus allen Wirtschaftszweigen und Unternehmensgrößen. Der detaillierte Konjunkturbericht samt einer Auswertung nach einzelnen Branchen ist interaktiv aufbereitet im IHK-Internetauftritt verfügbar: www.ihk-niederbayern.de/konjunktur