IHK-Medieninformation

Stabile Auftragslage, aber vielfältige Herausforderungen

Stabile Auftragslage, aber vielfältige Herausforderungen
IHK-Gremium Freyung-Grafenau diskutierte mit Landrat aktuelle Lage (12.04.2023)
Die Betriebe aus dem Landkreis Freyung-Grafenau blicken nach schwierigen Jahren wieder optimistischer in die Zukunft. Das wurde bei der vergangenen Sitzung des IHK-Gremiums Freyung-Grafenau in den Räumlichkeiten des Modehauses Garhammer deutlich, bei der auch Landrat Sebastian Gruber als Gesprächspartner vor Ort mit dabei war. Es war die letzte Gremiumsrunde in der aktuellen Zusammensetzung, denn im Sommer steht wieder die IHK-Wahl an. Knapp 90.000 Unternehmer im IHK-Bezirk sind dann zur Stimmabgabe aufgefordert.
Mit Ausnahme des Bausektors berichteten die Unternehmer über eine zufriedenstellende, stabile Auftragslage. „Das zeigt die Robustheit unserer regionalen Wirtschaft. Denn die letzten Jahre waren mit Corona, Energiekrise und Lieferkettenproblemen wahrlich nicht einfach“, sagte die Gremiumsvorsitzende und IHK-Vizepräsidentin Elisabeth Hintermann. Sie wies aber auch darauf hin, dass die Unternehmen noch immer mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen haben. Zuvorderst steht hier der Arbeitskräftemangel, der – wie die Wortmeldungen der Unternehmer zeigten – in allen Branchen akut ist und alle Qualifikationsstufen betrifft.

Arbeitskräftemangel ist größtes Entwicklungsrisiko

IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner konnte dies mit Zahlen aus der neuesten IHK-Konjunkturumfrage untermauern, in der die befragten Unternehmen den Arbeitskräftemangel als größtes Entwicklungsrisiko bezeichneten. „Ohne qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland werden wir die Arbeitskräftelücke nicht schließen können, die Politik muss hier mit einfacheren Regeln und Verfahren endlich die Rahmenbedingungen schaffen. Auch müssen politische Lösungen gefunden werden, wie die Personen, die sich bereits in Deutschland befinden, in den Arbeitsmarkt gebracht werden können“, betonte Schreiner. Aus dem Unternehmerkreis gab es hierfür Zustimmung, versehen mit der Forderung an die Politik, für eine bessere Sprachqualifizierung der Zuwanderer sowie für Wohnraumangebote zu sorgen. Schreiner ging zudem auf die IHK-Forderung zur Stärkung der Beruflichen Bildung ein und konnte in diesem Zusammenhang auch auf die neue, bundeweite Kampagne der Industrie- und Handelskammern verweisen. Unter dem Titel „Jetzt #könnenlernen“ werden hier echte Azubis aktiv, um das Lebensgefühl der Ausbildung zu stärken und ihrer Generation zu vermitteln.
Die Unternehmensvertreter schilderten bei der Sitzung noch weitere Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben –von überbordender Bürokratie, langsamen Genehmigungsprozessen oder gestiegenen Material- und Rohstoffpreisen bis hin zu weiter bestehenden Lieferkettenproblemen. Dazu kommen „fragwürdige politische Gedankenspiele“, wie Elisabeth Hintermann sagte. „Ein Beispiel ist die Forderung, dass Deutschland künftig nur noch Exportgeschäfte mit befreundeten Staaten machen soll. Damit würden wir unser Land massiv schwächen, denn aktuell geht jeder zweite Euro, der in Deutschland verdient wird, auf den Export zurück. Gerade für unser industriestarkes Niederbayern hätte dieser Politikwechsel enorm negative Auswirkungen“, so Hintermann.

Landrat: Klinikreform hätte drastische Auswirkungen auf regionale Wirtschaft

Der Gast der Sitzung, Landrat Sebastian Gruber, stimmte der IHK-Vizepräsidentin zu und ging auf weitere Pläne der Bundesregierung ein, die für die Region nachteilig wären. „Kommt die Klinikreform so wie sie derzeit diskutiert wird, hätte das auch drastische Auswirkungen auf unsere regionale Wirtschaft. Denn eine gute, qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung ist ein entscheidender Standortfaktor.“ Mit Blick auf Debatten im Verkehrsbereich äußerte Gruber die Befürchtung, dass Straßenbauprojekte künftig noch schwerer umzusetzen sein werden. „Wir sind auf eine gute Straßeninfrastruktur angewiesen, nur so können unsere Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen“, sagte Gruber. Schreiner ergänzte: „Die Beispiele zeigen, dass die Parteien häufig ihre Entscheidungen auf Grundlage von Ideologien treffen. Das ist aber genau der falsche Weg — gerade in der Energiefrage brauchen wir zum Beispiel nun ein entschlossenes und rationales Handeln, um auch in Zukunft unsere wirtschaftliche Stärke zu erhalten.“  
Der Gremiumssitzung voran ging eine Führung durch das Modehaus Garhammer. Geschäftsführer Johannes Huber, gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Freyung-Grafenau, ging auf die über 125-jährige Geschichte des Traditionsgeschäfts ein und zeigte diverse Neuerungen – etwa die vielen neu geschaffenen „grünen Oasen“ im Modehaus, das insgesamt 9.000 Quadratmeter Verkaufsfläche misst und 450 Angestellten einen Arbeitsplatz bietet.