IHKplus 02/22

„40 Prozent Umsatzminus bei erheblich gestiegenen Kosten."

Christoph Bois betreibt in Marienheide die Eventagentur Jaydee GmbH sowie in Gummersbach die Messing Gastronomie GmbH, die unter anderem den VfL Gummersbach beliefert und zu der drei gastronomische und Catering-Betriebe gehören, darunter das 32 SÜD. Die Pandemie hat alle drei Unternehmen ausgebremst, es bleibt schwierig.
Christoph Bois steht mit verschränkten Armen vor der Schwalbe Arena in Gummersbach
© IHK Köln / MIchael Claushallmann
Zum Jahreswechsel läuft normalerweise ein großer Teil des Geschäfts, mit Events im Advent, Weihnachtsessen und Silvesterfeiern. Wie sah es diesmal aus?
Wir hatten in diesem Jahr eines unserer Restaurants geöffnet, dort konnten wir nahezu an die Umsätze vor Corona anknüpfen. Auf unserer Terrasse bieten wir den Gästen separate Blockhäuser für kleinere Gruppen an. Die gab es zwar auch schon vor Corona, aber sie erfreuen sich diese Saison einer besonders großen Beliebtheit, weil man hier unter sich sein kann. Der Umsatz im Bereich der Veranstaltungen ist jedoch erneut fast vollständig entfallen, so dass wir insgesamt ein Umsatzminus von 40% gegenüber 2019 verzeichnen – und das bei erheblich gestiegenen Kosten.
Rückblick auf 2021: Wie sind Sie durch das Jahr gekommen?
Die lange Schließperiode im Frühjahr haben wir genutzt, um neue Ideen für unseren Betrieb zu entwickeln. Wir haben unsere Cateringsparte weiterentwickelt und auch für das Restaurant neue Trends verfolgt. Davon konnten wir im à la carte-Bereich nach der Öffnung profitieren und gute Umsätze erwirtschaften. Im Veranstaltungsbereich gab es leider nur ein Strohfeuer im Oktober. Hier lief der Betrieb auf Hochtouren, um dann, nachdem alles für das Weihnachtsgeschäft geplant war, die Veranstaltungen wieder abzusagen – eine frustrierende Situation.
Welche Corona-Maßnahmen empfanden und empfinden Sie – speziell in der Gastronomie - als sinnvoll, welche nicht?
Die Kontrolle von Impfstatus und Tests finde ich ok, wenn für die Gäste dadurch ein normaler Gastronomiebesuch, also ohne große Einschränkungen, ermöglicht wird. Wir haben zum Glück ein sehr kultiviertes Publikum, und unser großartiges Team versteht sich gut mit den Gästen. Daher ließen sich im Restaurant die Maßnahmen gut umsetzen. Im Bereich der Veranstaltungen bereitet uns die mangelnde Planungssicherheit große Probleme. Es wird dauernd mit großem Aufwand hin und her geplant – am Ende findet dann meist gar nichts statt.
Wie ist Ihre Stimmung – sehen Sie eine positive Entwicklung für 2022, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Zurzeit finde ich die Situation schwierig. Der Umgang der Politik mit der Krise bleibt für mich unberechenbar, daher fällt mir auch eine Prognose schwer. Motivation ziehen wir aus der Erkenntnis des letzten Jahres, dass die Menschen große Freude an unseren Dienstleistungen haben, und diese auch wieder in Anspruch nehmen, wenn sie denn dürfen. Es bleibt die Frage, wann wir wieder Planungssicherheit haben und normal arbeiten dürfen. Klare Richtlinien mit einem längeren zeitlichen Horizont sind für den Veranstaltungsbereich unabdingbar.
Was ist Ihr dringendster Appell an Politik und Verwaltung?
Von der Politik wünsche ich mir nachvollziehbare Maßnahmen und Handlungsweisen. Zurzeit dürfen 750 Menschen eine Sportveranstaltung besuchen – egal, ob es sich um eine Turnhalle mit 3.000 Plätzen oder ein Stadion mit 60.000 Plätzen handelt. Solche Entscheidungen sind aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar und führen dadurch auch zu wenig Akzeptanz in der Bevölkerung. Anstelle immer neuer Hilfspakete für unsere Branche, auf die wir leider auch angewiesen sind, wünsche ich mir eine geordnete Rückkehr zur Normalität.
Wenn wir immer nur neue Schreckgespenster aufgezeigt bekommen, die dann – zum Glück – doch nicht eintreten, wird es irgendwann schwierig, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

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Sabina Janssen
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