IHKplus 02/22

„Ganz ehrlich gesagt: furchtbar!!!"

Andrea Riese ist Inhaberin des Damenbekleidungsgeschäfts Mode Exclusiv sowie des Wohnaccessoires- und Präsentgeschäfts Wunderbares in Erftstadt-Lechenich und 2. Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Handel und Gewerbe Lechenich e.V. (AHAG). Barbara Willms hat mit ihr darüber gesprochen, wie sie aktuell mit den Folgen der Pandemie zurechtkommt.
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© IHK Köln / Michael Claushallmann
Wie ist Ihr Weihnachtsgeschäft in diesem Corona-Winter gelaufen?
Insgesamt hatten wir ein gutes Weihnachtsgeschäft. Wir arbeiten seit mehr als 25 Jahren als Mutter/ Tochter-Team, das sehr erfolgreich und haben eine enge Kundenbindung. Etwa 80 Prozent der Kundinnen kennen wir persönlich. Wir waren aktiv, haben Fotos und Filme bei Instagram und Facebook gepostet, außerdem Fotoshootings gemacht und die Fotos als Flyer an unsere Kundinnen verschickt.
In unserem Hauptgeschäft MODE EXCLUSIV waren Strickkombinationen und Westen der Renner! Festliche Kleidung eher weniger, gefeiert werden durfte ja sowieso nicht und wenn nur im kleinen Kreis.
Im WUNDERBARES waren Taschen, Geschenkartikel, Wohnaccessoires und Tücher sehr erfolgreich. Unser liebevoll und persönlich ausgesuchtes Sortiment kam uns sehr zu Gute. Immer wieder spürbar war, dass die Menschen die kleinen Geschäfte vor Ort unterstützen wollten.
Und wie läuft es im Neuen Jahr bisher?
Ganz ehrlich gesagt, furchtbar!!! Es gibt seit Anfang des Jahres Tage, da sind kaum Menschen unterwegs. Die Menschen sind verunsichert und haben die Nase voll von dem ganzen Hin und Her. Als Einzelhändler spüren wir deutlich die Unsicherheit und vor allem die Unzufriedenheit. Die Leichtigkeit ist gänzlich verloren gegangen. Wir fiebern dem Sommer entgegen - und dass wir wieder unsere Events im Geschäft durchführen können.
Wie ist Ihr Eindruck generell in der AHAG?
In unserer Arbeit als AHAG Vorstand wurden wir von den Coronamaßnahmen immer wieder ausgebremst. Veranstaltungen wie der Frühjahrsmarkt und der Geniessermarkt konnten nicht durchgeführt werden. Umso schöner war es für uns, dass wir im September 2021 in Kooperation mit der IHK einen langen Samstag zum Thema Heimatshoppen veranstalten durften. Unseren traditionellen Weihnachtsmarkt in Lechenich haben wir auch durchführen können; das Wochenende war für uns als Veranstalter und für die Einzelhändler erfolgreich und hat für etwas Weihnachtsstimmung gesorgt.
Insgesamt habe ich den Eindruck, ich spreche für alle AHAG Mitglieder, wenn ich sage, dass wir mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden waren. Man hat deutlich gespürt, dass die Menschen die Fahrt in die Großstadt gescheut haben und uns als Einzelhändler und die Gastronomie unterstützen wollten. Ich denke, die Gastronomie hatte es schwerer, denn es sind ja doch einige Firmenessen abgesagt worden.
Welche Corona-Maßnahmen empfinden Sie als sinnvoll, welche nicht – wo gab und gibt es Probleme bei der Umsetzung?
Eine Maske zu tragen ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden und ist absolut richtig. Die 2G-Regel ist ein schwieriges Thema. Es ist in meinen Augen absolut ungerecht, wenn wir als kleine Einzelhändler kontrollieren müssen, aber in jedem Geschäft des täglichen Bedarfs die Menschen keinen Nachweis benötigen. Für mich ist das eine große Ungerechtigkeit!
Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Kundinnen die jeweils aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen kennen und akzeptieren?
Viele Kundinnen sind immer noch verunsichert, stehen vor der Türe und fragen, ob Sie reinkommen dürfen. Ich fühle mich zwischendurch wie der Dorfsheriff , wenn ich nach dem Impfnachweis frage. Mit unserer Freundlichkeit und unserem Einfühlungsvermögen holen wir jede einzelne Kundin ab, dafür sind wir ja ein kleines inhabergeführtes Geschäft und kein Kaufhaus. Wir möchten weiterhin für unsere Kundin da sein, denn MODE EXCLUSIV gibt es seit 38 Jahren!

Kontakt

Sabina Janssen
Kommunikation