IHKplus 02/2022

Fünf Leitlinien für moderne Politik in NRW

Am 15. Mai wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit für einen Regierungswechsel hoch: Laut aktuellen Umfragen hätte eine Ampelkoalition wie im Bund eine deutliche Mehrheit, für die Fortsetzung von Schwarz-Gelb wird es demnach ebenso wenig reichen wie für Rot-Grün.
Aber wer auch immer in den nächsten fünf Jahren die Geschicke des bevölkerungsreichsten Bundeslandes bestimmt, steht vor großen Herausforderungen: Klimawandel, Kohleausstieg, Digitalisierung sind nur einige davon, und die Folgen der Corona-Pandemie auch und gerade für die Wirtschaft werden im Mai ebenfalls nicht ausgestanden sein.
Die 16 Industrie- und Handelskammern in NRW haben gemeinsam strategische Leitlinien in fünf Schwerpunktbereichen formuliert, die aus ihrer Sicht weit oben auf der politischen Agenda stehen müssen. Das entsprechende Dokument ist nicht in Stein gemeißelt, sondern wird online ständig überarbeitet und an die aktuellen Entwicklungen angepasst – auch das ist eine Reaktion auf die dynamischen Veränderungsprozesse, in denen sich das Land befindet. Hier eine kurze Übersicht zu den fünf Themenbereichen. Das vollständige „living document“ ist unter dem Stichwort „NRW im Umbruch“ auf der Internetseite der IHK NRW zu finden.

1. Transformation erfolgreich gestalten

Gemeint ist nicht nur die digitale, sondern auch die energetische Transformation. Die Kernforderungen der IHKs:
  • Energiewende wirtschaftspolitisch denken
  • Zukunftsfähige Finanzierung und belastbare Investitionsstrategien entwickeln
  • Die Chancen nutzen, die die innovative Industrie in NRW bietet
  • Schritte in die Wasserstoffwirtschaft fördern
  • Erneuerbare Energien massiv ausbauen
  • Industrieakzeptanz und industriepolitisches Leitbild weiterentwickeln
  • Glasfaser ohne Wenn und Aber
  • Landes- und kommunale Haushalte auf Investitionen ausrichten
  • Realsteuerhebesätze auf bundesdeutschen Durchschnitt senken

2. Zukunftsfähiges Handeln ermöglichen – fit für die digitale Welt

Das zentrale Stichwort lautet „Blockaden lösen“: Die Verwaltung soll modern und bürokratiearm, effizient und digital arbeiten.
  • Verfahren entschlacken und Prozesse neu definieren
  • Insbesondere Planungs- und Genehmigungsverfahren so ausrichten, dass Staat und Unternehmen bis 2030 die erforderlichen Investitionen    leisten können
  • Bürokratieabbau weiter institutionalisieren
  • Planungskapazitäten schaffen, auf Reserve planen
  • Digitale Fachverfahren für alle Verwaltungsleistungen schaffen

3. Aus der Krise lernen

In der Krise sind viele wichtige Entscheidungen – Gründungen, Innovationen, Investitionen und Bildung – auch in den Unternehmen zurückgestellt worden. Nun gilt es, den Unternehmen die Möglichkeit zu eröffnen, diese Entscheidungen nachzuholen und eine neue Gründungs- und Wachstumsdynamik für die Städte und Regionen in NRW zu entfachen.
  • Krisenfestigkeit stärken – „Lessons learned“ aus Corona- und Flutkrise angehen
  • Innenstadt- und Zentren-Entwicklung konstruktiv begleiten, fördern und vereinfachen
  • 4.0 und KI: Digitalisierung forcieren – Gründerland NRW stärken

4. Fachkräfte entwickeln

Bereits im Jahr 2022 fehlen nach Daten des IHK-Fachkräftemonitors in Nordrhein-Westfalen 280.000 Fachkräfte, 86 Prozent davon im Bereich der beruflich Qualifizierten. Gleichzeitig nimmt die Zahl der jungen Menschen ab, die sich für die berufliche Bildung interessieren.

Hier fordern die IHKs:

  • Berufliche Orientierung an Schulen stärken
  • Duale Ausbildung an Berufskollegs priorisieren
  • Zusätzliche Fachkräfteressourcen erschließen

5. Gemeinsam stark

Nordrhein-Westfalen lebt von der Stärke seiner Regionen an Rhein, Ruhr und in Westfalen. In der kommenden Legislaturperiode wird es darauf ankommen, an den Stärken der Regionen anzusetzen und die funktionalen Verflechtungen im Land weiter zu stärken.

Kontakt

Industrie- und Handelskammer zu Köln
Unter Sachsenhausen 10 - 26
50667 Köln

Tel: 0221 1640-0
E-Mail: service@koeln.ihk.de