IHKplus 06/2022

Die zweigeteilte Straße

Teil 3 unserer Serie über große Einkaufsstraßen im IHK-Bezirk: Die Kölner Straße ist die wichtigste Einkaufsstraße in Leverkusen-Opladen. Auf knapp einem Kilometer finden sich Geschäfte und Gastronomiebetriebe, knapp ein Drittel dieses Straßenbereichs ist Fußgängerzone.  Für die Gestaltung des übrigen Teils sind nun eine Einbahnstraßenregelung und andere Ideen im Gespräch.
Text: Lothar Schmitz
Genau 330 Meter lang ist die Fußgängerzone der Kölner Straße in Opladen. Sie reicht von der Gerichtsstraße im Norden bis zur Schillerstraße im Süden. Es folgen weitere knapp 600 Meter mit Einzelhandel und Gastronomie – und Straßenverkehr in beide Richtungen. Diese rund 900 Meter machen die Kölner Straße zur wichtigsten Einkaufsstraße in Opladen. Man kann diese
Distanzen auf Google Maps errechnen. Oder von Markus Pott erfahren.
Der Unternehmer kennt sich bestens in Opladen und auf der Kölner Straße aus. Schon seine Urgroßeltern hatten auf der Kölner Straße ein Geschäft, seine Großeltern ebenfalls. „Die Entwicklung Opladens ist keine reine Erfolgsgeschichte“, sagt er. Dennoch sei in den vergangenen Jahren viel geschehen. Nicht nur die Umgestaltung des ehemaligen Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn zur „neuen bahnstadt opladen“ sei ein Gewinn und habe Opladen neue Impulse gebracht. „Auch die Kölner Straße hat sich berappeln können und ganz gut entwickelt“, findet Pott, der sich auch lokalpolitisch als 1. Vorsitzender des Vereins Opladen plus für die Belange Opladens engagiert.

Vielseitiger, interessanter Handel

Wie Pott berichtet, gelte in Opladen die Fußgängerzone als etwas bessere Lage. Er schätze allerdings mindestens so sehr Teile der übrigen Kölner Straße. „Dort gibt es vielseitigen, überraschenden, interessanten Handel“, betont Pott. Von einem über 90 Jahre alten Zweiradgeschäft über einen ungewöhnlichen Lakritzladen bis zu weiteren etablierten Fachgeschäften.
Felten Sports etwa. Seit 15 Jahren ist das Fachgeschäft an der Kölner Straße zu Hause. Und zwar im befahrenen Teil der Straße. Das sei gut, findet Inhaber Gerrit Felten, „denn viele unserer Kunden kommen per Pkw, teils bis aus Köln, Düsseldorf und dem Bergischen Land“. Zugleich sei der Marktplatz sehr nah, die Passantenfrequenz also gut. Er lobt an seinem Standort zudem, dass sich das Stadtbild in den vergangenen Jahren verbessert habe und Opladen insgesamt von der Entwicklung der „neuen bahnstadt“ profitiere.

„Eine schöne Flanierzone“

Juwelier Michael Kopp ist ebenfalls mit seinem Standort zufrieden. Sein Geschäft befindet sich allerdings in der Fußgängerzone. Die sei in den vergangenen Jahren aufgewertet worden. „Hier hat viel Wandel stattgefunden, es ist jetzt eine schöne Aufenthalts- und Flanierzone“, sagt Kopp, „die Frequenz ist gut, die Leute kommen.“
Die Fußgängerzone ist auch für Fatih Kaplan ein Gewinn. Er betreibt als Pächter das Café Deyck’s. Und ist voll des Lobes: „Wir haben hier eine richtig gute Lage, direkt in der Fußgängerzone, mitten im Zentrum. Es gibt viel Laufpublikum, vor allem donnerstags, wenn hier Markt ist.“
Sascha Weidner und seine Mutter Monika sind seit zehn Jahren auf der Kölner Straße aktiv, an der Schnittstelle zwischen Gastronomie und Einzelhandel. Sie betreiben den „Feinkochtopf“, ein Café und Geschäft mit vielen selbst gemachten Produkten. Ihre Lage: gerade noch so im befahrenen Teil der Straße, 20 Meter vor Beginn der Fußgängerzone. „Mit dieser Lage sind wir sehr zufrieden“, sagt Sascha Weidner, „der Marktplatz ist gleich um die Ecke, gegenüber ist eine Filiale von Rossmann, außerdem eine Bushaltestelle. Im Grunde ist es hier sogar besser als in der Fußgängerzone selbst.“

Kurzzeit-Parkplätze fehlen

Doch es gibt auch Kritik aus der Händlerschaft. „Was wir bemängeln, ist die Parksituation. Es gibt zu wenig freie Kurzzeit-Parkplätze“, beklagt etwa Christian Kappertz, Inhaber von Hut- und Schirmmoden Adrion, einem Traditionsgeschäft, das sich seit 110 Jahren am selben Standort behauptet. Oft seien die Be- und Entladezonen zugeparkt, die Kundschaft fände oft keinen Stellplatz in Ladennähe. Auch Fatih Kaplan und Gerrit Felten beklagen die Parksituation. Felten bemängelt zudem, dass auf der oberen Kölner Straße immer wieder gerast würde. Zu viel Verkehr stört auch Michael Kopp.

Einig sind sich die Geschäftsleute zudem in puncto Sauberkeit. Oder richtiger: nachlassender Sauberkeit. So wünschen sich etwa Sascha und Monika Weidner mehr Mülleimer und kürzere Reinigungszyklen. Kopp findet, dass es an Mülleimern fehlt und dass die Baumscheiben und Pflanzkübel vernachlässigt wirken würden. Gastronom Kaplan vermisst zudem mehr Grün. „Es wäre schön, wenn es in der Fußgängerzone mehr Blumen und mehr Bäume gäbe.“

Diskussion über Zukunft der Kölner Straße

Ihre Wünsche können sie nun an entscheidender Stelle platzieren: Die Stadt lädt die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende entlang der Kölner Straße zu einem Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Straße ein. Eine wichtige Idee kursiert bereits, nämlich den Teil, der nicht Fußgängerzone ist, in eine Einbahnstraße zu verwandeln. Hierzu ist das Meinungsbild der Geschäftsleute differenziert. Es reicht von „wäre tödlich für uns“ über „fände ich problematisch“ bis zu „wäre schon sinnvoll“ und „hätte schon Vorteile“. Michael Kopp etwa sagt: „Es würde zum Beispiel mehr Platz für Außengastronomie entstehen, dadurch würde die Verweilqualität steigen.“ Aber: Es müsse gar nicht unbedingt eine Einbahnstraße sein. „Helfen würde schon“, findet der Juwelier, „wenn zum Beispiel der Durchgangsverkehr durch ein intelligentes Leitsystem umgeleitet würde, am besten über die Europaallee.“

Kontakt

Tim Ospalski
Leiter Handel und Stadtmarketing