IHK & Region | 19.01.2023

Analog trifft digital

QYOUB hat nicht nur den zweiten Preis beim Elevator Pitch Region Heilbronn-Franken 2022 erzielt, der „Zauberwürfel“ ist auch ein Aushängeschild für Nachhaltigkeit und Effizienz. Von Matthias Marquart
Angefangen hat alles, während in Deutschland die Pandemie um sich griff. Das war 2020. Eine Zeit, in der Mobile Arbeit und Homeoffice von heute auf morgen flächendeckend salonfähig wurden. Vorausgesetzt die Hardware war vorhanden. Bei Michael Knoblauch war dies der Fall. Doch wer viel mit Handy, Touchscreen oder Tablet zu tun hat, stellt fest:  Je intensiver sie genutzt werden, desto schmutziger werden sie auch. Klar, da gibt es Abhilfe: ein trockenes Tuch das alles verschmiert, oder ein Spray, bei dem das Display allerdings erst abgeschaltet und abgekühlt sein und dann trocken nachgewischt werden muss. Praktisch ist das nicht und sofern beispielsweise Microfasertücher eingesetzt werden, schon gar nicht umweltfreundlich. All dies ärgerte Michael Knoblauch und er überlegte, wie das Ganze auch anders, einfacher, hygienischer und dabei auch noch nachhaltiger funktionieren könnte. Die Geburtsstunde des QYOUB.

Klassische Produktentwicklung

Der QYOUB, das ist ein „unscheinbarer“ Würfel in dem allerdings viel „Gehirnschmalz“ steckt. Der patentierte Würfel hat es nämlich in sich. Er ist klein, handlich und reinigt schnell und nachhaltig. Deckel drücken, Display mit der dann feuchten Seite reinigen, anschließend mit einer der übrigen Seiten trockenwischen, fertig. Michael Knoblauch: „Von der Idee bis zum fertigen Serienprodukt hat es etwas mehr als ein Jahr gebraucht. Ich habe da den Weg einer klassischen Produktentwicklung beschritten.“ Nach einem Prototypen aus dem 3-D-Drucker und selbstgenähten Textilien, schloss sich ein weiteres, teilmechanisches Modell im Spritzgussverfahren an, das er von potenziellen Kunden testen lies. „So haben wir den QYOUB Schritt für Schritt perfektioniert“, berichtet Knoblauch.
Dabei war es ihm von Anfang an wichtig, ein komplett nachhaltiges Produkt zu entwickeln. „Dazu gehört für mich der komplette Entstehungsprozess eines Würfels. Ich habe den Anspruch, ausschließlich nachhaltiges Material einzusetzen sowie regional und sozial zu fertigen.“ Folglich kommt beim QYOUB Monomaterial (dieses besteht aus nur einer recyclebaren Komponente) und kein Verbundstoff zum Einsatz, so dass der Würfel inklusive der eigens kreierten Reinigungsflüssigkeit CLEANSER vollständig recyclebar und umweltfreundlich ist. Dabei ist die Reinigungsflüssigkeit speziell für die Verwendung auf alle Arten von Touchscreens und Displays zugeschnitten. Milde Inhaltsstoffe sorgen dafür, dass das Display bei der Reinigung nicht beschädigt wird. Alkohol und Salze kommen nicht zum Einsatz und durch die patentierte indirekte Befeuchtung des Reinigungstextils ist es nahezu unmöglich, dass Flüssigkeit unbeabsichtigt in Geräteöffnungen gelangt. Michael Knoblauch: „Der QYOUB verbindet sozusagen die haptische, analoge mit der digitalen Welt und das Ganze auch noch mit einem sehr ansprechenden Design.“ 
Ich habe den Anspruch, ausschließlich nachhaltiges Material einzusetzen sowie regional und sozial zu fertigen.

Michael Knoblauch

Fertigung in Inklusionswerkstatt

Auch bei der Auswahl seiner Partnerunternehmen ging Knoblauch professionell und zielstrebig vor. „Ich habe Wert darauf gelegt, dass sich unsere zukünftigen potenziellen Partner auch selbst aktiv in den Entwicklungsprozess einbringen. Das war eine sehr arbeitsintensive und spannende Zeit“, berichtet der Tüftler. Am Ende entschloss er sich, die Würfel in einer Antonius-Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Fulda fertigen zu lassen. Die aus Mannheim stammenden Textilien werden ebenfalls in Fulda bedruckt, das Material für den Würfelkörper kommt aus Fürth und eine Stanzerei aus Nordrhein-Westfalen liefert dann den Kubus nach Fulda wo alle Fäden zusammenlaufen und das Endprodukt entsteht. Made in Germany in Vollendung.

Kosten- und Kundenstruktur

„Durch diesen sozialen Fertigungsprozess können wir natürlich nicht mit einer industriellen Fertigung aus Fernost mithalten was die Kostenstruktur anbelangt,“ erläutert Michael Knoblauch, doch dafür stimme eben auch die Qualität – jedes Produkt ist schließlich Handarbeit. Entsprechend hat sich Knoblauch auf das Firmenkundengeschäft spezialisiert. „Wir beliefern natürlich über unseren Webshop auch Endkunden, doch dadurch, dass wir den QYOUB individuell - etwa mit den entsprechenden Firmenlogos QR-Codes oder Werbesprüchen - bedrucken können, ist der Würfel natürlich vor allem für Firmen, Städte und Kommunen als Give-Away, für die eigenen Mitarbeiter oder als Artikel in Museumsshops  interessant. Außerdem senken größere Stückzahlen auch die Kosten.“
Und auch zu Elektrofachhändlern hat Michael Knoblauch bereits Kontakt aufgenommen. „Da war man zwar sehr interessiert, wollte den QYOUB gerne als Kassenartikel vertreiben, doch zu den Preisen die dort aufgerufen wurden, konnte ich nicht liefern. Das wäre nur möglich gewesen, wenn ich die Produktion ins Ausland gegeben hätte, was für mich eben nicht in Frage kommt.“ Insofern sei im Vertrieb ein langer Atem nötig, zumal der Markt allgemein derzeit durch die horrenden Energiekosten, den Ukraine-Krieg und eine hohe Inflation sehr verunsichert sei. Schwere Rahmenbedingungen also für ein Produkt wie den QYOUB. Michael Knoblauch: „Insgesamt stelle ich aber fest, dass er sehr gut angenommen wird, obwohl da natürlich noch viel Luft nach oben besteht.“ Vorstellen könnte sich Knoblauch auch eine Verwendung des Displayreinigers im Automobilsektor. „Wäre doch super, wenn jeder VW einen QYOUB ab Werk an Bord hätte.“ Den Displays und Scheiben im Auto könnte das jedenfalls nicht schaden.
Zur Person: Michael Knoblauch ist Jahrgang 1965 und in München aufgewachsen und zur Schule gegangen. Er absolvierte eine Schreinerlehre und arbeitete in diesem Beruf, bis er seinen einjährigen Wehrdienst in der Entwicklungshilfe zum Aufbau von Krankenhausstationen in Togo ableistete. Anschließend studierte er Maschinenbau und Ingenieurswissenschaft in Berlin und Eberswalde, um dann als Assistent der Geschäftsleitung bei den VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken in Tauberbischofsheim zu arbeiten. Daran schlossen sich Stationen bei der Igersheimer Firma Wittenstein als Vertriebsleiter sowie als Geschäftsführer bei der Reinhold Keller GmbH in Kleinheubach  und Knauf Design aus Werbach an. 2020 machte er sich selbstständig. Seit Oktober 2022 arbeitet er außerdem als Vertriebsleiter bei i.safe Mobile in Tauberfranken. Michael Knoblauch ist verheiratet und hat zwei Kinder.

In dieser Reihe erschienen ist bereits ein Artikel über smopi, den Gewinner des Elevator Pitch Region Heilbronn-Franken 2022.  

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Matthias Marquart
Matthias Marquart
Redakteur | Pressearbeit