Jetzt berufliche Bildung stärken

Die IHKs in Niedersachsen und der niedersächsische Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen präsentieren Ideen für berufliche Schulen heute und morgen – vom Azubi-Ticket über digitale Ausstattungen und Fortbildungen für Lehrende.
Wenn wir die berufliche Bildung stärken, stärken wir die Zukunftschancen junger Menschen und die Fachkräftesicherung für Unternehmen.“ Mit diesen Worten unterstreicht  Volker Linde, Sprecher Berufliche Bildung der IHK Niedersachsen (IHKN) und Leiter des Bereichs Standort- und Politikberatung unserer IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), die Relevanz des  Impulspapiers „Anforderungen an berufliche Schulen heute und morgen“, das die niedersächsischen IHKs und der niedersächsische Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLWN) jetzt gemeinsam auf den Weg gebracht haben.
Didaktische Kompetenzen und Digitalisierung
„Es ist höchste Zeit, zu handeln“, so Linde, denn Berufsbildenden Schulen mangle es oft an a­dä­quaten Rahmenbedingungen, um junge Menschen bestmöglich zu beschulen – angefangen von ausreichender Unterrichtsversorgung, über angemessene IT-Infrastruktur bis hin zu modernen didaktischen Konzepten.
Alle Verantwortlichen auf Landesebene, auf kommunaler und regionaler Ebene müssten jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, appelliert Linde: „Wir hören immer wieder, dass es immer noch am Anschluss mit WLAN, der Ausstattung oder der IT-Betreuung hapert. Das darf nicht sein. Wichtig ist, dass die Kommunen die Mittel aus den Bundes- und Landesprogrammen schnellstmöglich abrufen, um nachzusteuern. Die Vergaberegeln sollten dem nicht entgegenstehen und im Zweifel vereinfacht werden.“
Medien- und IT-Konzepte für Schulen
Joachim Maiß, Vorsitzender des VLWN, ergänzt: „Es geht um die Entwicklung und Bereitstellung von Medienkonzepten sowie Lehr- und Lernkonzepten, aber auch um die Sicherstellung eines nachhaltigen Administrations- und Support-Konzepts mit eigenen IT-Fachkräften für jede Schule und eine bessere E-Didaktik.“ Dies sei wichtig, damit Distance- und Blended-Learnings in Zukunft noch besser Hand in Hand mit Präsenzunterricht gehen, erläutert Linde: „Das könnte auch dabei helfen, wohnortnahe Berufsschulangebote zu sichern.“ Außerdem könnten ein Azubi-Ticket und auf die Unterrichtszeiten abgestimmte ÖPNV-Verbindungen besonders die Berufsschulen in der Fläche unterstützen.
Einen Teilerfolg können die Partner des Positionspapiers bereits verbuchen: das Azubi-Ticket. 25 Millionen Euro im kommenden Jahr und 30 Millionen Euro im Jahr 2022 hat das Land dafür im Haushalt eingeplant. Das Geld soll als Zuschuss an die Kommunen als ÖPNV-Träger gezahlt werden. Für Auszubildende, Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeitende im Bundesfreiwilligendienst kostet ein Jahresabonnement für öffentliche Verkehrsmittel durch die Förderung maximal 30 Euro im Monat. „Ziel muss bleiben, dass Azubis für einen Euro pro Tag durch ganz Niedersachsen fahren können, so wie es in Hessen schon möglich ist“, sagt Linde.
Unterrichtsversorgung sichern
Kritisch sehen Partner des Positionspapiers den Unterrichtsausfall von rund zehn Prozent an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. „Das ist inakzeptabel“, sagt Linde und betont gleichzeitig: „Uns ist bewusst, dass es für diese He­rausforderung keine kurzfristige Lösung gibt, aber wir können der Entwicklung entgegenwirken – mit einem erleichterten Zugang für Quer- und Seiteneinsteiger und dem Einsatz von Lehramtsstudenten oder von pensionierten Lehrkräften.“
Ein wesentlicher Baustein zur Stärkung der dualen Ausbildung insgesamt ist, dass Schulträger und ihre Spitzen den Ausbau der beruflichen Orientierung – auch digital – an allen Schulformen unterstützen. „Wir brauchen digitale Informationskanäle und Tools für die Berufsorientierung“, sagt Linde. „Unsere IHKLW hat dazu zahlreiche Angebote, die Schulen und Unternehmen nutzen können – von der digitalen Betriebsbesichtigung bis zu Online-Workshops im Fachunterricht.“
Sandra Bengsch

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