Pressemeldung Nr. 11 vom 11.02.2022

IHK-Konjunkturbericht zu Jahresbeginn 2022

Herausforderungen dämpfen Wirtschafts-Erwartungen
Trotz zahlreicher Herausforderungen meldet die Wirtschaft in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein zu Jahresbeginn eine überwiegend positive Lage. Allerdings hat sich der im vergangenen Jahr begonnene Erholungsprozess nicht fortgesetzt. „Die Betriebe schauen weniger optimistisch in die Zukunft als noch im Herbst“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, bei der Vorstellung des gemeinsamen Konjunkturberichts zu Jahresbeginn 2022. Die Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein hatten knapp 900 Unternehmen in der Region befragt – darunter rund 230 Düsseldorfer Betriebe. „Auch diese beurteilen ihre Lage überwiegend positiv oder zufriedenstellend und hoffen verhalten auf Besserung“, ergänzt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf.
Die Gesamtlage der Wirtschaft – also der Saldo zwischen Betrieben, die eine gute und denen, die eine schlechte Geschäftslage melden – liegt bei 20,4 Punkten. Die Lage-Bewertung ist damit im Vergleich zur Umfrage im vergangenen Herbst um gut drei Punkte gesunken. Angesichts der außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen vieler Betriebe bewerten die IHKs es jedoch als positiv, dass der Rückgang so gering ausgefallen ist. In der Landeshauptstadt zeigt sich die Wirtschaft merklich skeptischer als in der Region insgesamt. „Das liegt an dem vor Ort strukturell höheren Anteil an Corona betroffenen Dienstleistern und der deutlicheren Zurückhaltung der Investitionsgüterproduzenten“, begründet Berghausen.
Zuletzt haben vor allem gestiegene Energiekosten, diverse Lieferschwierigkeiten und auch die seit November erneut verschärften Pandemie-Einschränkungen den Aufholprozess gedämpft. Mit Blick auf die Branchen ist die Lage in der Industrie angesichts weiterhin guter Auftragseingänge dennoch ausgesprochen gut. Die Auslastung der Betriebe in der Landeshauptstadt ist trotz eines leichten Rückgangs immer noch überproportional hoch. Die Bauwirtschaft profitiert vom milden Winter und der produktionsnahe Großhandel freut sich über die Nachfrage aus der Industrie.
„Der Einzelhandel hat dagegen aufgrund der über zwei Monate lang andauernden 2G-Regel sehr gelitten“, so Berghausen. „Mehr Händler melden demzufolge eine schlechte als eine gute Geschäftslage“. Dies zeige sich in Düsseldorf ebenso wie in den kleineren Einzelhandelsstandorten der Region, wobei die Händler in der Landeshauptstadt noch pessimistischer in die Zukunft schauen. Ambivalent ist die Situation im Dienstleistungssektor. Die IT-Dienstleister freuen sich aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung über gute Geschäfte. „Kontaktintensive Dienstleister wie das Gastgewerbe sind dagegen pandemiebedingt vielfach in einer schwierigen Lage“, erläutert Berghausen. „Auch die Speditionsunternehmen bewerten ihre Situation aufgrund gestiegener Spritkosten negativer als zuvor.“
Ein wesentliches Geschäftsrisiko liegt für 50 Prozent der befragten Unternehmen in den kommenden sechs Monaten in den Rohstoff- und Energiepreisen, in der Industrie sogar für 80 beziehungsweise 72 Prozent. Die hohen Rohstoffpreise hängen auch mit den Lieferschwierigkeiten zusammen. Hier rechnen die Unternehmen kurzfristig nicht mit Entlastung. Nur 6,5 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die Lieferkettenkrise bis zum Sommer entschärfen wird. Ein Viertel aller Betriebe hofft auf das Jahr 2023. Knapp ein weiteres Drittel wagt gar keine Prognose.
Vor diesem Hintergrund sind auch die Geschäftserwartungen für das Jahr 2022 zurückhaltender als noch im Herbst 2021. 29 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften, 18 Prozent mit einer Verschlechterung. „Der Saldo von 11 Punkten ist deutlich niedriger als im Herbst, als 23 Punkte erreicht wurden“, so Berghausen.
Diese leichte Eintrübung im Vergleich zur Herbstumfrage zieht sich durch den gesamten Konjunkturbericht: Die Beschäftigungspläne sind zwar noch positiv, aber weniger expansiv als im Herbst. Einerseits wollen insbesondere die industrienahen Großhändler zusätzliches Personal einstellen, andererseits ist vor allem im Einzelhandel eher mit einem Personalabbau zu rechnen. „Gleichzeitig finden Einzelhändler mit Personalbedarf kaum Fachkräfte. Wie bereits in der Gastronomie könnten die coronabedingten Restriktionen auch dazu führen, dass sich Fachkräfte vermehrt von dieser Branche abwenden“, befürchtet Berghausen.
Die Betriebe planen zwar Investitionen, besonders ambitioniert sind diese Pläne jedoch nicht. „Bei den Auslandsinvestitionen müssen wir sogar mit einer Reduzierung der Budgets rechnen“, erklärt Steinmetz abschließend. „Das ist eine Folge der zunehmenden internationalen Spannungen, starker Reiserestriktionen und des fortschreitenden Protektionismus.“