IHKplus 02/2022

„Ich wünsche mir, dass die Venloer dauerhaft zur Einbahnstraße wird.“

Michaela Staffel ist Schauwerbegestalterin und Diplom-Designerin. Yoga-Lehrerin auch. Seit sieben Jahren konzentriert sie sich allerdings ganz auf süße Sachen und verwöhnt an der Venloer Straße in Ehrenfeld als „Die Eisdielerin“ ihre Kund:innen mit selbst gemachtem Eis und mehr.
Text: Lothar Schmitz
Michaela Staffel_010
© IHK Köln / Michael Claushallmann

Wie hat sich Ihre Filiale an der Venloer Straße bis März 2020 entwickelt – und wie seit Beginn der Corona-Pandemie?

Eis ist ja eigentlich ein Saisongeschäft. Aber wir bieten auch süße und herzhafte Waffeln an, Eis-Cocktails sowie selbst gemachten Glühwein. Das zieht auch in den Monaten, in denen andere Eisdielen schließen, die Menschen an. Bis März 2020 liefen die Geschäfte deshalb wirklich gut. Da unser Produkt logischerweise auch gut außer Haus funktioniert, ging es auch während der Pandemie weiter, trotzdem haben wir 2020 rund 40 Prozent weniger umgesetzt. 2021 war leider nicht besser, was auch an dem verregneten Sommer lag. Das gilt auch für meinen zweiten Laden, den ich im Mai 2021 in der Südstadt eröffnet habe. Ich bin dadurch noch immer nicht wieder bei den Umsätzen der Jahre vor Corona.

Welche Vorteile bietet Ihnen die dortige Lage?

Ich finde den Standort an der Venloer wirklich super. Die Anbindung per ÖPNV ist sehr gut, zudem kommt viel Laufkundschaft. Etwas Besonderes ist auch die tolle Nachbarschaft: Es gibt eine tolle Zusammenarbeit unter einzelnen Gewerbetreibenden, etwa mit der „Bagatelle“ oder der Gastronomie im Neptunbad.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?

Wir erhalten jede Woche Warenlieferungen. Das sind zum Teil rund 25 Kilo schwere Säcke. Der Wagen muss immer in zweiter Reihe parken, die nächste offizielle Ladezone ist zu weit weg. Das behindert natürlich den Verkehr. So geht es vielen Kolleg:innen. Mehr Flächen für die Anlieferung, aber auch für Radfahrer:innen wären großartig. Der Radweg, der hier bei uns auf dem Bürgersteig verläuft, ist echt gefährlich, viele fahren mit hoher Geschwindigkeit – auch wenn sich bei uns an schönen Tagen vor dem Laden eine Menschenschlange bildet. Wegen des Radweges durften wir während der Pandemie auch nicht den Parkplatz vor dem Laden für die Außengastronomie nutzen, laut Stadt sei das zu gefährlich.

Wie beurteilen Sie die Verkehrspläne der Stadt Köln für die Venloer Straße (Einbahnstraße, 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit u.a.)?

Ich befürworte die Pläne ausdrücklich. Mir gefällt der starke Autoverkehr auf der Venloer überhaupt nicht, viele halten sich nicht ans Tempolimit, und leider wird das viel zu wenig kontrolliert. Dabei ist das Polizeipräsidium nur 500 Meter entfernt… Es könnten auch mehr Radarkontrollen stattfinden. Wenn ein Lieferfahrzeug aber nur zehn Minuten vor der Tür steht, gibt’s sofort ein Knöllchen…

Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?

Ich wünsche mir, dass die Venloer dauerhaft zur Einbahnstraße wird. Dass der Radweg auf die Straße verlegt wird und somit der Bürgersteig ganz den Fußgänger:innen gehört. Und ich wünsche mir Nachbarn, die freundlicher und aufgeschlossener sind. Wegen unseres kleinen, hübschen Innenhofs gibt es immer wieder Beschwerden, dabei sind wir nur eine Eisdiele und keine Disco und schließen bereits um 20 Uhr. Das Verhalten einiger Anwohner:innen ist wirklich zermürbend.