IHKplus 02/2022

„Ich wünsche mir eine gute Durchmischung vor allem in der Einzelhandelsstruktur.“

Marc Hinterkausen gründete 1993 das Unternehmen S.A.L.E. Textilhandel mit inzwischen sieben Filialen in Kölner Vororten. Seit 2001 ist er mit einem 280 Quadratmeter großen Ladenlokal in Ehrenfeld präsent.
Text: Lothar Schmitz
Marc Hinterkausen
© IHK Köln / Michael Claushallmann

Wie hat sich Ihre Filiale an der Venloer Straße bis März 2020 entwickelt – und wie seit Beginn der Corona-Pandemie?

Wir sind nun seit 21 Jahren an der Venloer Straße, unsere Zielgruppe sind modische, qualitätsbewusste, nachhaltig denkende Menschen zwischen 18 und 91. Darunter ganz viele Ehrenfelder:innen. Bis zum Beginn der Pandemie waren wir sehr zufrieden. Wir haben sogar die Verkaufsfläche erweitert, das hat uns in den Jahren bis 2019 einen kontinuierlichen Umsatzzuwachs beschert. Dann brach der Umsatz, wie bei so vielen Kolleg:innen, stark ein. 2020 lag unser Umsatzminus bei knapp 35 Prozent, 2021 sogar bei 51 Prozent. Wir machen trotzdem weiter!

Welche Vorteile bietet Ihnen die dortige Lage?

Die Venloer ist die am stärksten frequentierte Einkaufsstraße in den Kölner Vororten. Ich schätze hier vor allem die wunderbare Mischung durch alle Zielgruppen. Die werden zudem jünger und zeigen sich offen für das Thema Nachhaltigkeit.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie an Ihrem Standort?

Es hat sich etwas verändert in den vergangenen Jahren. Es gibt eine starke Ausrichtung auf Gastronomie und preisaggressive Läden. Zudem ist die Parkplatzsituation seit der ersatzlosen Streichung von rund einem Fünftel der Stellflächen sehr schwierig. Eine weitere Herausforderung ist es, unseren Kunden unseren eigenen Wandel zu dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „Fairness“ nahezubringen. Wir verändern unsere Anbieterstruktur entsprechend und verlassen manch eingeführte Preisbereiche, da es nicht mehr glaubhaft unserer eigenen Zielsetzung entspricht. Das erfordert Geduld und Überzeugungskraft.

Wie beurteilen Sie die Verkehrspläne der Stadt Köln für die Venloer Straße (Einbahnstraße, 20 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit u.a.)?

Ich finde das Vorhaben sehr positiv, da es die Verkehrssituation deutlich entspannen wird und den Radfahrern die benötigte Fläche gefahrloser bereitstellt.

Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für Ihren Standort erfüllen würde: Was sollte das sein?

Eine gute Durchmischung vor allem in der Einzelhandelsstruktur. Die Konzentration auf die Gastronomie verändert das Interesse der Kunden. Auch eine Ansiedlung kleinerer Läden mit individuellen Konzepten wünsche ich mir – so wie zum Beispiel an der Körnerstraße und im westlichen Teil der Venloer, jenseits des Gürtels. Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Venloer zu einer Straße würde, auf der man nur noch Gastrobetriebe und die üblichen Filialisten fände.

 

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Sabina Janssen
Kommunikation