IHKplus 02/2022

„Das neue Gesetz hat sich trotz Pandemie bewährt"

Wie Arbeitgeber zügiger als bislang an Fachkräfte aus Drittstaaten kommen, das weiß Dr. Axel Rosenthal. Seit März 2020 leitet er die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW (ZFE NRW). Für den Start seiner neuen Aufgabe hätte er sich einen günstigeren Zeitpunkt gewünscht. Wenige Tage nach der Gründung erklärte die Weltgesundheitsorganisation Corona zur Pandemie.

Herr Rosenthal, was bietet die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW den Arbeitgebern?

Dr. Axel Rosenthal: Die ZFE NRW unterstützt Arbeitgeber in NRW, die bereits eine ausländische Fachkraft gefunden haben bei allen Genehmigungen. Im Rahmen des beschleunigten Verfahrens hat der Arbeitgeber mit uns nur noch einen zentralen Ansprechpartner. Wir kümmern uns vor allem um die Anerkennung der ausländischen Qualifikation und um die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Wenn es aus aufenthaltsrechtlicher Sicht keine Bedenken gibt, kann im Ausland der Visumsantrag gestellt werden. Die ZFE NRW ist aber auch beteiligt, wenn ein Nicht-EU-Ausländer bei einer deutschen Auslandsvertretung ein Visum als Fachkraft beantragen möchte. Dann wird die ZFE NRW von der Botschaft am Visumsverfahren beteiligt.
Dr. Axel Rosenthal, Leiter ZFE NRW
Dr. Axel Rosenthal leitet seit März 2020 die Zentralstelle Fachkräfteeinwanderung NRW (ZFE NRW).

Welche Branchen fragen Ihre Dienstleistungen nach? 

Rosenthal: Die Schwerpunkte liegen im Gesundheits- und Pflegebereich, im Baugewerbe und bei IT-Fachkräften.

Welche Zeitersparnis bringt die Beschleunigung?

Rosenthal: Das durchschnittliche Verfahren dauert zurzeit knapp 60 Tage. Die zeitliche Ersparnis kommt vor allem bei den Anerkennungsverfahren und bei den Visa zum Tragen. Früher haben die Antragsteller im Ausland schon mal mehrere Wochen bis hin zu zwei Jahren auf einen Termin gewartet. Jetzt werden die Termine binnen drei Wochen vergeben und binnen weiterer drei Wochen muss die Auslandsvertretung über den Visumsantrag entscheiden.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie?

Rosenthal: Seit einigen Monaten steigen die Verfahrenszahlen kontinuierlich, weil Botschaften und Konsulate wieder die Arbeit intensivieren. Die Zahl der Verfahren wäre allerdings ohne Pandemie deutlich höher.

Wie viele Verfahren wurden bislang abgewickelt?

Rosenthal: Im Jahr 2021 hatten wir bislang in NRW 1.400 beschleunigte Verfahren, ohne Pandemie haben wir mit mehr als 10.000 gerechnet. Im normalen Visumsverfahren waren es 11.000 Fälle, bei denen wir die Fachkräfte im Ausland unterstützen, die noch keinen konkreten Arbeitgeber haben. 

Hat sich das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) aus Ihrer Sicht bewährt?

Rosenthal: Es hat sich auf jeden Fall bewährt, wie wir in NRW das FEG umgesetzt haben. Das Verfahren geht schneller und für die Arbeitgeber ist es deutlich komfortabler als früher, Fachkräfte aus dem Ausland zu beschäftigen. 

Gibt es aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?

Rosenthal: Ja, das gesamte Visumsverfahren müsste im Ausland noch viel stärker digitalisiert werden, damit man von den Botschaften gar keine Papiere mehr schicken muss. Aber daran wird mit dem Auswärtigen Amt gearbeitet und spätestens in einigen Jahren gehe ich davon aus, dass der gesamte Prozess digital läuft.

Ihr wichtigster Tipp für Unternehmer?

Rosenthal: Das A und O bei der ZFE NRW ist die Eingangsberatung, bei der der Unternehmer erfährt, wie aussichtsreich sein Vorhaben ist und wie er den Prozess beschleunigen kann. Wenn einem Unternehmer klar ist, welche Ausbildungsnachweise, Beglaubigungen oder auch Beurkundungen er im Ausland besorgen muss, dann ist es schon sehr wahrscheinlich, dass das Verfahren bei uns erfolgreich durchlaufen wird. 
 

Kontakt

Jasna Rezo-Flanze
Leiterin Fachkräftesicherung