IHKplus 02/22

„Ein Zurück zur einstigen Normalität wird es nicht geben."

Rüdiger Maeßen ist CEO Europe von Uniplan, der in Köln-Mülheim ansässigen internationalen Agentur für Brand Experience. Barbara Willms hat mit Rüdiger Maeßen über die Erfahrungen und Aussichten des Unternehmens in der aktuellen Pandemiesituation gesprochen.
Rüdiger Maeßen steht in einem Großraumbüro
© IHK Köln / Michael Claushallmann
Wie geht es Uniplan zu Beginn des dritten Pandemiejahres?
Als Agentur für Brand Experience, also Markenerlebnisse und -inszenierungen, ist unser Geschäft zu einem wesentlichen Teil von Messeauftritten und der Durchführung von Veranstaltungen abhängig. Daher hat die Pandemie uns selbstverständlich vor Herausforderungen gestellt. Die konnten wir größtenteils aus eigener Kraft meistern, vor allem durch den weiteren Ausbau unseres digitalen Angebots. Wir sind aber auch dankbar für die staatlichen Hilfen und die Möglichkeit der Kurzarbeit, die auch dazu beitrugen, dass wir nicht in größerem Umfang Stellen abbauen mussten.
Wie lief das Geschäft zum Jahreswechsel 2021/2022?
Die Monate um den Jahreswechsel sind in der Regel immer etwas schwächer. In Anbetracht dessen war das abgelaufene Quartal zufriedenstellend. Wir bemerkten jedoch einen starken Nachfragerückgang zu Beginn der vierten Welle gegen Ende Oktober und eine damit einhergehende Unsicherheit die potenzielle Umsetzbarkeit von Veranstaltungen betreffend. Die Kunden mussten und müssen halt weiterhin die Entwicklung der Inzidenzen und die damit verbundenen gesetzlichen Regelungen abwarten.
Projekte, die wir begleiteten, waren daher in erster Linie hybrid oder rein digital. Aber auch einige Live-Events waren mit dabei, darunter die CES in Las Vegas, wo wir den Markenauftritt unseres Kunden Hyundai realisierten.
Was waren aus Ihrer persönlichen Sicht die schmerzlichsten Erfahrungen während der Pandemie?
Natürlich schmerzen Absagen, da spielt es keine Rolle, ob das große Messen wie die IFA, Roadshows oder Produkt-Launches sind. Man freut sich auf die Realisierung eines lang geplanten Markenauftritts eines Kunden, und das Team hat viele Stunden und Herzblut in die Konzeption und Planung investiert. Auch machen mich unsere deutlich leereren Büros traurig. Wir haben unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern natürlich von Anfang an die Möglichkeit eröffnet, aus dem Home-Office zu arbeiten. Aber das kreative Miteinander, das die Arbeit in einer Agentur auszeichnet, fehlt mir schon.
Haben Sie Ihr Angebot verändert, neue Formate entwickelt, auf andere verzichtet?
Die Anforderungen an Markenauftritte haben sich bereits vor der Pandemie verändert. Entsprechend hatten wir unser Portfolio bereits um hybride und digitale Formate ergänzt und betrachten unsere Aufgabe heute unabhängig vom Kommunikationskanal. Durch die Pandemie haben sich endgültig die Rahmenbedingungen unserer Kunden verändert, und das wirkte nochmal wie ein Katalysator für uns.
Ein Beispiel dafür ist Vodafone, für die wir im April 2021 eine internationale, digitale Drei-Tages-Konferenz mit weit über 100 Referenten auf drei Bühnen realisierten – alles mit der technischen Komplexität von hochklassigen Talk-TV-Studios, robustem Streaming und einer aktivierenden Kommunikationskampagne.
Wie ist Ihre Stimmung – erwarten Sie eine positive Entwicklung für 2022?
Die Lage ist aufgrund der Omikron-Variante aktuell schwer einzuschätzen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass es im Projektgeschäft ab April wieder stärker vorangeht, und erste Kunden haben bereits Großprojekte für den Sommer bestätigt. Wir nutzen gerade die Zeit, um unser ganzheitliches Beratungsangebot – also Strategie, Konzeption und Kreation – weiter auszubauen und in digitale Plattformen und Partnerschaften zu investieren. Ein Zurück zur einstigen Normalität wird es nicht geben, hybride und digitale Formate sowie integrierte Kampagnen sind das „New Normal“.
Was sind Ihre dringendsten Forderungen an Politik und Verwaltung hinsichtlich der Coronamaßnahmen, damit sich die Wirtschaft wieder erholen kann?
Die Kommunikationsindustrie und speziell die Veranstaltungswirtschaft ist der sechstgrößte Wirtschaftszweig der Bundesrepublik. Sie bekam aber seitens der Politik in den zwei Corona-Jahren nicht immer die Aufmerksamkeit, die sie angesichts ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für dieses Land verdient hätte. Das sollte sich ändern. Als Brand Experience Agentur wünschen wir uns zudem eine flexible Verlängerung der Kurzarbeit und der Überbrückungshilfen, sollte die Pandemie über den März 2022 hinaus unser Geschäft derart erschweren wie bisher.   

Im Video erzählt Rüdiger Maeßen von den Erfahrungen, die Uniplan als großes Unternehmen der Veranstaltungs-, Messe- und Kommunikationsbranche während der Pandemie gemacht hat.

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Sabina Janssen
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