IHKplus 02/22

„Corona-Bestseller Gin, Rum und Pasta."

Mila Musil ist Inhaberin des LOOK! Conzept Store im Belgischen Viertel und hat vor kurzem zudem das alteingesessene Geschäft Traumstern in der Pfeilstraße übernommen. Barbara Willms hat mit ihr über die Geschäftslage in der aktuellen Pandemiesituation gesprochen.
Mila Musil, Inhaberin des LOOK! Conzept Store und des Traumstern, Köln
© IHK Köln / Michael Claushallmann
Ihre Bilanz: Wie ist das Weihnachtsgeschäft im zweiten Corona-Winter gelaufen?
Das Weihnachtsgeschäft 2020 war ein Totalausfall. 2021 war es besser, doch die 2G-Regel hat die Personalsituation verschärft und eine signifikante Umsatzsteigerung unmöglich gemacht. Geeignetes Verkaufspersonal war schwer zu bekommen - meine bisherigen Aushilfen sind in Testzentren gewechselt, die einen höheren Lohn zahlen können. Mein Laden im (ruhig gewordenen) Belgischen Viertel ist mittlerweile nur noch freitags und samstags geöffnet.
Inwieweit hat ihr Sortiment Ihnen dabei geholfen, im Weihnachtsgeschäft zu bestehen?
Für meine Filiale in der Pfeilstraße konnte ich zum Glück einen motivierten Store Manager gewinnen, der vor allem unsere „Corona“-Bestseller Gin, Rum und Pasta erfolgreich verkauft. Unsere trendorientierten Kunden schätzen unser ausgefallenes Lifestyle Sortiment, das wir auch online – und mit Erfolg – über die Plattform Sugartrends.com verkaufen.  Als Concept Store bieten wir sorgfältig ausgewählte Produkte aus dem Bereich Beauty, Food, Qualitäts-Gins und Home an. Unser Fokus liegt dabei auf lokalen Firmen und kleinen Manufakturen mit sozialem Engagement, die nachhaltig von Hand und mit Herz produzieren.
Was hat sie dazu bewogen und wie war es möglich, in Pandemiezeiten das Geschäft „Traumstern“ zu übernehmen?
Im „Traumstern“ habe ich bereits als Studentin Geschenke und Postkarten gekauft. Es war ein glücklicher Zufall, dass ich zusätzlich zum „LOOK!“ in der Brüsseler Straße eine zweite Filiale in so toller Lage – und mit drei großen Schaufenstern – gefunden habe, in der es anders als in der benachbarten Ehrenstraße immer noch viele inhabergeführte Geschäfte gibt. Nach dreimonatiger Renovierungsarbeit, davon viel in Eigenregie, habe ich im Dezember 2020 eröffnet, kurz darauf kam der Lockdown. Gott sei Dank sind mir beide Vermieter bei der Ladenmiete sehr entgegengekommen. An staatlichen Hilfen hatte ich die Soforthilfe in Anspruch genommen, werde aber fast alles zurückzahlen müssen. Ich erwäge aber noch, die Überbrückungshilfe zu beantragen.
Was würde Ihnen helfen, künftig besser durch die Pandemie zu kommen – was wünschen Sie sich von Politik und Verwaltung?
Ich wünsche mir bessere Informationen, klarere Aussagen und realistischere Fristen für die Umsetzung der verabschiedeten Maßnahmen. Es ist für den Einzelhandel nicht leicht herauszufinden, ab wann und wo welche Maßnahmen gelten und wie diese kommuniziert werden sollen. Die Maßnahmen sind zudem nicht immer nachvollziehbar und oft widersprüchlich. Die 2G-Regel hat uns Umsatz gekostet, insbesondere wenn der Buchladen nebenan als Laden des „täglichen Bedarfs“ gilt und dort nicht kontrolliert werden muss.
Haben Sie den Eindruck, dass die Kundinnen und Kunden die jeweils aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen kennen und akzeptieren?
Wir haben viele Kunden aus dem Kölner Umland und aus Nachbarländern, daher sind nicht alle mit den aktuellen Corona-Regeln vertraut, aber die Akzeptanz ist sehr hoch. Leider sind viele nicht vorbereitet und suchen nach Ihrem Ausweis, nicht alle warten dann geduldig.
Auf dem Y ouTube-Kanal der IHK Köln erzählt Mila Musil von ihren Erfahrungen, die sie als Einzelhändlerin in der Pandemie gemacht hat.