IHKplus 02/22

„Wir brauchen klare, verlässliche und langfristige Perspektiven."

Jutta Kirberg ist geschäftsführende Gesellschafterin der Kirberg GmbH Catering Fine Food, gastronomischer Partner von Koelncongress in der Kölner Flora und Mitglied des Ausschusses für Gastronomie, Touristik und Freizeit der IHK Köln. Die Pandemie hat die Branchen ihrer Unternehmen hart getroffen. Barbara Willms hat mit Jutta Kirberg über die wirtschaftlichen Perspektiven gesprochen.
Jutta Kirberg, geschäftsführende Gesellschafterin der Kirberg GmbH Catering Fine Food, Köln
© IHK Köln / Michael Claushallmann
Zum Jahreswechsel läuft normalerweise ein großer Teil des Geschäfts, mit Events im Advent, Weihnachtsessen und Silvesterfeiern. Wie sah es diesmal aus?
Durch die allgemeine Verunsicherung - darf gefeiert werden, kann man es verantworten zu feiern - wurde im November ein erheblicher Teil der bereits gebuchten und geplanten Events abgesagt, im Dezember bis auf eine Feier alle. Das führt im letzten Quartal 2021 gegenüber 2019 erneut zu einem Umsatzrückgang von gut 75 Prozent.
Ihr Rückblick auf 2021: Wie sind Sie durch das Jahr gekommen?
Sechs Monate konnten wir nicht arbeiten, die anderen sechs Monate waren ein Weg zu dem, was sich wie Normalität anfühlt. Wir haben erlebt, dass Kunden, Gäste, Mitarbeiter und alle sich wünschen, wieder zu feiern, Gemeinschaft zu erleben, gemeinsam zu lachen und zu genießen - und wir haben gelernt, das geht!
Mit einem Kirberg-Team, das uns vertraut und das angepackt hat, als es wieder losging und mit Kunden, die trotz der allgemeinen Verunsicherung gemeinsam mit uns und allen Beteiligten sichere Veranstaltungen geplant und unter 2G plus-Bedingungen durchgeführt haben, sind wir durch das Jahr gekommen. Und wir mussten und konnten staatliche Hilfen in Anspruch nehmen.
Neu ist, dass wir eine große Kölner Beratungsfirma gewonnen haben und dort unser erstes  Mitarbeiterrestaurant bedienen, eine Personalvermittlung für gastronomisches Personal gegründet und einen Onlineshop entwickelt haben, in dem wir eigene Produkte verkaufen und wir Kunden und Gästen neben der Flora und dem Harbour Club ein erweitertes Locationangebot anbieten können.
Welche Corona-Maßnahmen empfanden und empfinden Sie aktuell – speziell in der Gastronomie - als sinnvoll, welche nicht?
Die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen stellen wir nicht in Frage. Schlimm ist für die gesamte Eventbranche, dass wir alle Auflagen (über)erfüllen, alles tun, um Veranstaltungen noch sicherer zu machen als sie immer schon waren und dann die Menschen aufgefordert werden, nicht zu Weihnachtsfeiern zu gehen, sich nicht auf Veranstaltungen zu treffen und lieber zuhause bleiben sollen.
Aktuell ist es laut Coronaschutzverordnung möglich, mit bis zu 749 Personen zu feiern. Wer weiß das? Und wer traut sich das?
Erwarten Sie eine positive Entwicklung für 2022?
Wir stellen uns täglich die Frage, wie es weitergehen wird für die Branche. Wir führen unser Unternehmen selbst in diesen Zeiten mit Zuversicht und positivem Denken, auch, wenn es schwer ist. Wir entwickeln uns weiter, wir lernen aus der Vergangenheit und gestalten daraus neues für die Zukunft. Wir schaffen Vertrauen, in dem wir das, was wie bereits erreicht haben, als Erfolg beschreiben und bei allem, was wir tun, glauben wir an unsere Zukunft.
Was wir nicht tun, ist täglich Angst und Schrecken zu verbreiten. Dann hätten wir keine Zukunft.
Was ist Ihr dringendster Appell an Politik und Verwaltung?
Wir brauchen einheitliche und verlässliche Vorgaben. Dazu gehört leider auch die Verlängerung der staatlichen Hilfen - um wieder in unsere unternehmerische Kraft zu kommen, um Mitarbeiter zu motivieren, dass wir einen tollen Job machen und haben. Und um wieder das Vertrauen zu gewinnen, dass man sicher feiern kann.
Die Veranstaltungswirtschaft war der sechstgrößte Wirtschaftsfaktor in diesem Land, und das gilt es wieder aufzubauen und das geht nur mit dem Vertrauen und der Unterstützung aller.