IHKplus 02/2022

Der 1. FC Köln braucht endlich Planungssicherheit

Eigentlich könnten die Verantwortlichen beim 1. FC Köln ganz entspannt sein. Die  sportliche Lage ist so gut wie lange nicht, sogar ein Platz im europäischen Geschäft scheint aktuell möglich.
Mit Trainer Baumgart und Torjäger Modeste hat der Verein zudem zwei wichtige Identifikationsfiguren. Und auch wirtschaftlich ist die Lage selbst gegen Ende der zweiten Corona-Saison zumindest solide, der Klub verfügt über eine Eigenkapitalreserve von rund 17 Millionen Euro.

Beim Blick in die fernere Zukunft ist es allerdings mit der Entspannung schnell vorbei. Denn die Pläne für eine Erweiterung des Trainingsareals im Kölner Grüngürtel sind mit der Entscheidung des Stadtrates Ende 2021, dem FC ein Ausweichgelände in Marsdorf anzubieten, erneut ausgebremst. FC-Präsident Werner Wolf, nicht für markige Sprüche bekannt, redet in diesem Fall Klartext und spricht von „hilflosen Versuchen, auf Zeit zu spielen“. Wolf fordert CDU und Grüne, die diese Entscheidung im Rat durchsetzten, dazu auf, „endlich die Wirklichkeit zu akzeptieren“.
Die Wirklichkeit ist: Der Rat hat den Ausbauplänen längst zugestimmt, nur die Klage einer Bürgerinitiative mit Unterstützung von  Umweltverbänden verhinderte bislang noch die Umsetzung. In der öffentlichen Diskussion ist indes schon fast vergessen worden, worum es eigentlich geht: Der FC möchte auf einem bereits bestehenden Kunstrasenplatz ein Leistungszentrum für Profis und Nachwuchs bauen.
Hinzu kommen drei Kunstrasenplätze für die 8- bis 16-Jährigen, die buchstäblich auf der grünen Wiese entstehen sollen. Die Fläche für diese drei Plätze umfasst laut Klub rund drei Hektar, und das seien weniger als 0,4 Prozent des Äußeren Grüngürtels. Bäume müssen nach Angaben des Klubs nicht gefällt werden. Die Vereinsführung argumentiert außerdem mit ökologischen Ausgleichsflächen im benachbarten Lindenthal. Die Plätze sollen außerhalb der Trainingszeiten dem Breitensport zur Verfügung stehen.

Kritik an Verzögerungstaktik wächst

Die Gegner des Projektes sehen dennoch einen unzulässigen Eingriff in geschützte Landschaftsteile und fürchten Auswirkungen auf das Mikroklima im Kölner Westen. Bis Gerichte abschließend über die entsprechende Klage entschieden haben, wird noch einige Zeit vergehen. Noch weitaus länger würde es nach den Befürchtungen des Klubs aber dauern, bis ein alternatives Gelände in Marsdorf zur Verfügung stünde – noch dazu ein Gelände, das weit weg vom traditionsreichen Geißbockheim liegt.
Die Kritik an der Verzögerungstaktik wächst nicht zuletzt deshalb, weil der 1. FC Köln eben auch ein ganz wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Stadt und die Region ist. In „normalen“ Spielzeiten kommen allein zu den 17 Bundesliga-Heimspielen mehr als 800.000 Zuschauer:innen, die nicht nur Tickets kaufen, sondern darüber hinaus Geld in der Stadt ausgeben. Selbst in der Zweitligasaison 18/19 waren es ähnlich viele. In der zuletzt abgeschlossenen Saison hat der FC rund 140 Millionen Euro umgesetzt, und das trotz der Corona-Beschränkungen. Der Traditionsklub ist eben längst auch ein Unternehmen, und als solches mit seiner GmbH eben auch IHK-Mitglied. Deshalb setzt sich die IHK Köln vehement dafür ein, dass dieses Unternehmen angemessen behandelt wird. Und das heißt zuallererst: Der FC braucht Planungssicherheit.

Sponsor: Entscheidung schadet dem FC

Die IHK Köln forderte deshalb schon vor der Kommunalwahl 2020, dass die Politik zügig über dieses Projekt entscheiden müsse. Nun kritisiert die IHK die „Rolle rückwärts“ beim geplanten Großmarktgelände in Marsdorf – mit Blick auf die betroffenen Händler:innen, aber eben auch mit Blick auf den Bundesligaklub. Eine Kritik, die auch Partner aus der Wirtschaft teilen. Der Kölner Handelskonzern REWE ist seit langem Hauptsponsor des FC. Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der REWE Group, sagt gegenüber „IHKplus“:
Dass der 1. FC Köln die dringend notwendige Modernisierung und Erweiterung des Trainingsgeländes am Geißbockheim bislang nicht beginnen konnte, obwohl eine große Ratsmehrheit im Juni 2020 für die entsprechenden Pläne gestimmt hatte, finde ich für den Verein sehr bedauerlich. Denn es schadet den sportlichen – und damit auch wirtschaftlichen – Entwicklungsperspektiven des FC.
Zudem hält Souque es „nicht für zielführend, das Thema der notwendigen Erweiterung der Trainingsmöglichkeiten für den FC mit einer sachlich ganz anders gelagerten Frage zu verknüpfen, nämlich mit dem Neubau des Frischemarktes in Marsdorf. Dadurch wird man weder dem FC noch den berechtigten Interessen der Großmarkthändler gerecht.“ Der REWE-Chef kritisiert, dass schon „viel Zeit vertan wurde“. Nun müsse es eine zügige Lösung geben. „Und vor allem: Alle Beteiligten müssen sich darauf verlassen können, dass diesmal auch wirklich umgesetzt werden kann, was endgültig beschlossen wurde. Nur so kann verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden“, sagt Souque.

Ökonom: Politik sollte sich an eigene Beschlüsse halten

Aber ist denn die Erweiterung und Modernisierung tatsächlich „dringend notwendig“, wie auch der REWE-Chef meint? Von wissenschaftlicher Seite wird diese Auffassung eindeutig bestätigt. „Ein zeitgemäßes Trainingsgelände – in quantitativer wie qualitativer Hinsicht – ist die Grundvoraussetzung für die langfristige Überlebensfähigkeit eines Bundesligaklubs“, sagte Prof. Dr. Christoph Breuer, Leiter des Instituts für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule in Köln, im Interview mit „IHKplus“.
Gerade für einen Traditionsklub, der bewusst auf Unterstützung durch große Investoren verzichte und starken eigenen Nachwuchs brauche, sei dies enorm wichtig. Dass der FC in diesem Punkt der Konkurrenz hinterherhinke, sei klar, meint Breuer: „Die Mehrzahl der Wettbewerber in der Bundesliga ist nicht nur einen, sondern zwei oder drei Schritte voraus.” 
Der Sportökonom kommentiert die Volten der Kölner Politik ebenfalls deutlich:
Entscheidend ist, dass sich die Politik an ihre eigenen Beschlüsse hält. Wie soll ein Unternehmen denn langfristig planen, wenn die Zusagen der Politik nicht belastbar sind!?

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Claudia Betzing
Wirtschaft und Politik