„Der Südwesten ist Exportland Nummer eins, und genau deshalb treffen uns neue Handelshemmnisse und Unsicherheiten besonders hart“, sagt Claus Paal, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). Bundesweit beklagen 69 Prozent der Betriebe steigende Handelshemmnisse – auch hier ein Allzeithoch. „Die Politik muss gegensteuern“, fordert Paal. „Europa kommt bei Handelsabkommen endlich voran, man fragt sich nur: Warum erst jetzt?“ Allerdings wachse die Bürokratie aus Bund und Europa unverändert weiter. „Für unsere Unternehmen zählt, was sie tatsächlich belastet. Und das nimmt mit hoher Taktung immer noch weiter zu. Der Handlungsdruck wird fahrlässig unterschätzt“, so Paal.
Zölle, Exportkontrollen und Bürokratie als Bremsklötze
Es sind ganz unterschiedliche Hemmnisse, die das Wirtschaften im Südwesten und den Export erschweren. Besonders ins Gewicht fallen: steigende Zölle (78 Prozent), lokale Zertifizierungspflichten (49 Prozent) und verschärfte Exportkontrollen (43 Prozent). Auch der Druck im Inland wächst: 86 Prozent der Betriebe sehen sich mit zusätzlichen Hürden aus Deutschland oder der EU konfrontiert, das sind acht Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Besonders kritisch bewerten Unternehmen den steigenden administrativen Aufwand: 51 Prozent klagen über komplexe Genehmigungsverfahren, Exportkontrollen und Dokumentationspflichten, 46 Prozent über umfangreiche Berichtspflichten entlang der Lieferketten und 35 Prozent über neue Verpackungsvorgaben. „Unsere Betriebe wollen Märkte erschließen, stattdessen kämpfen sie sich durch Formulare und Genehmigungen. Das kostet Zeit, Geld – und im Zweifel Aufträge“, sagt Paal.
Weltmärkte bleiben schwierig
Die Lage im Auslandsgeschäft bleibt angespannt: 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Situation als ungünstig, nur 21 Prozent berichten von guten Geschäften. 22 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, 15 Prozent mit einer Verbesserung. Vor allem der US-Markt bereitet Sorgen, aber auch in Süd- und Mittelamerika bleibt die Lage schwierig. Europa zeigt sich stabiler, jedoch ohne große Dynamik – besonders im Vereinigten Königreich sowie in Ost- und Südosteuropa dominieren negative Einschätzungen. Asien setzt dagegen positive Impulse: Indien entwickelt sich für viele Betriebe zum Hoffnungsträger. China bleibt hingegen ein herausforderndes Umfeld mit gemischten Perspektiven.