Automotive
Gebrauchte Fahrzeuge bestimmen auf dem afrikanischen Kontinent nach wie vor das Bild. Inzwischen wächst jedoch die lokale Produktion von Neuwagen kontinuierlich an. Südafrika war 2022 mit fast 556.000 Autos der größte afrikanische Produzent von Fahrzeugen. Gemeinsam mit Marokko dominieren die Länder mit etwa 95 Prozent der in Afrika produzierten Autos. Auch Ghana und Ruanda konnten zuletzt erfolgreich Montagewerke internationaler Hersteller anziehen. Algerien lässt nach mehreren Jahren wieder Neuwagenverkäufe zu. Bevölkerungsreiche Länder wie Ägypten und Nigeria, aber auch regionale Hubs wie Kenia besitzen großes Marktpotenzial. Neben der Produktion von PKWs wächst die Zulieferindustrie auf dem Kontinent. Dabei spielen die Themen E-Mobilität und Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle.
Insgesamt setzt die Automobilindustrie in Afrika nach Schätzungen inzwischen über 20 Milliarden US-Dollar um, 2029 könnten es bereits 26 Milliarden sein. Laut Prognosen wächst der Umsatz im afrikanischen Automobilmarkt bis 2028 um 7,9 Prozent pro Jahr.
Maschinen- und Anlagenbau
Schon jetzt sind rund ein Sechstel der deutschen Exporte nach Afrika Maschinen, Apparate und mechanische Geräte. Die wichtigsten Märkte auf dem Kontinent liegen in Südafrika, Ägypten, Algerien, Marokko und Nigeria. Das Wachstumspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft – es findet eine stärkere Verlagerung von Wertschöpfungsketten nach Afrika statt.
Die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen in Bereichen wie Verkehrsinfrastruktur und Wohnungsbau, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Abfallbeseitigung steigt. Weitere interessante Betätigungsfelder für den Maschinenbau sind die Nahrungsmittelverarbeitung und die Verpackungsindustrie. Aber auch der Bergbau, die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen modernisieren sich.
China ist der mit Abstand größte Lieferant für Maschinen und Anlagen in Afrika, Deutschland steht an zweiter Stelle. Günstige Preise gelten als wichtigster Wettbewerbsvorteil. Doch qualitativ hochwertige Ausrüstung „Made in Germany“ wird immer stärker nachgefragt.
Exporte nach Afrika machen bisher nur 2 Prozent aller deutschen Ausfuhren im Maschinen- und Anlagenbau aus. Sie nehmen jedoch zu: 2023 sind deutsche Exporte nach Afrika in diesem Bereich um fast 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – mehr als 50 Prozent davon gehen nach Südafrika und Ägypten.
IT und Digitalisierung
Digitalisierung ist ein Megatrend auf dem afrikanischen Kontinent. Die meisten afrikanischen Staaten haben die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien längst erkannt und investieren in eine smarte Infrastruktur. Mobilfunk und Breitbandausbau ermöglichen schon jetzt ein hohes Maß an Konnektivität und die unkomplizierte Nutzung digitaler Dienstleistungen. Besonders gefragt sind neue Fintech-Angebote vom mobilen Bezahlen bis hin zur Abwicklung von Mikrokrediten oder Versicherungen per Handy.
Der E-Commerce-Sektor sticht hervor, mit beeindruckenden Wachstumsraten. Der Online-Handel erfreut sich auch südlich der Sahara immer größerer Beliebtheit. Dort sind mobile Bezahlungen sogar weiter verbreitet als in anderen Weltregionen. Neue Tech-Hubs ziehen private Investitionen an und fördern das Unternehmertum. Mit großem Tempo entstehen innovative Lösungen, bei denen auch deutsche Technologie zum Einsatz kommen kann.
Im Jahr 2023 machten mobile Technologien und Dienstleistungen mit 170 Milliarden US-Dollar über 8 Prozent des BIPs von Subsahara-Afrika aus. Laut Prognosen wird der Umsatz für E-Commerce in Afrika bis 2029 um 20,2 Milliarden Euro steigen.
Energiewirtschaft
Mehr als 40 Prozent der afrikanischen Bevölkerung – das sind mehr als 600 Millionen Menschen – haben noch keinen Zugang zu Strom. Doch die regionalen Unterschiede sind erheblich. Zur Lösung ihrer Energieprobleme setzen viele afrikanische Länder neben konventioneller Energieerzeugung zunehmend auf erneuerbare Energien. Afrika ist reich an erneuerbaren Energiequellen wie Sonne, Wasser, Wind oder Biomasse. Die stark gefallenen Produktionskosten für Energie aus Solar und Wind verschaffen Afrika die Möglichkeit, vermehrt in regenerative Energien zu investieren. Damit entsteht ein erhebliches Potenzial für die Erzeugung von Wasserstoff. Die beträchtlichen erneuerbaren Energieressourcen wie auch die geographische Nähe zu Europa versetzen Afrika in die Lage, künftig eine wichtige Rolle im globalen Handel mit nachhaltiger Energie spielen zu können. Diese Entwicklung bietet zahlreiche Chancen für deutsche Unternehmen. Ihre Anlagen sind gefragt, die Technologie für den Ausbau der Stromnetze gewünscht und das Know-how im Dienstleistungssektor schon jetzt häufig im Einsatz.
Sechs der zehn Länder mit der weltweit höchsten Sonneneinstrahlung liegen in Afrika. An der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Afrika hat jedoch Wasserkraft mit 77 Prozent den größten Anteil.
Den afrikanischen Markt richtig einschätzen
Die GMCTechnology GmbH aus Salem ist bereits seit 13 Jahren im mittleren Osten und in Nordafrika aktiv und unterstützt Unternehmen unter anderem beim Eintritt in den afrikanischen Markt. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren, so Geschäftsführer Schadnusch Nejad Wieck, seien für deutsche Unternehmen eine klare Länderschwerpunktstrategie, die Akzeptanz lokaler Spielregeln ohne Kontrollverlust sowie eine selektive Partnerauswahl und nachhaltige Präsenz vor Ort. „Erfolgreich sind insbesondere jene Unternehmen, die länderspezifisch agieren, belastbare Beziehungen aufbauen und bereit sind, ausreichend Zeit sowie personelle Präsenz in den jeweiligen Märkten zu investieren“, fasst er seine Erfahrung zusammen.
Dos und Don'ts im Afrika-Geschäft
Aus seinem Erfahrungsschatz nennt Schadnusch Nejad Wiek einige Tipps für den Einstieg in den afrikanischen Markt:
Dos
- Projektfinanzierungen sind häufig herausfordernd – daher sollten von Beginn an lange Zahlungsziele realistisch eingeplant werden.
- Angebote, Preisstellungen und Finanztransaktionen möglichst konsequent in US-Dollar oder Euro strukturieren
- Zahlungs- und Ausfallrisiken über Hermesdeckungen oder Akkreditive absichern
- Der Aufbau fairer, belastbarer persönlicher Beziehungen erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit signifikant.
- Bei technisch anspruchsvollen Produkten sind lokaler Service sowie ein Ersatzteillager vor Ort zwingend erforderlich.
- Konsequente Fokussierung auf qualifiziertes und regelmäßig geschultes Personal
Dos
- Länder sollten nicht gleichgesetzt werden – weder kulturell noch strategisch oder in der operativen Vorgehensweise.
- Die Fehlannahme, „Afrika“ sei ein homogener Wirtschaftsraum, sollte vermieden werden.
- Lokale Präsenz sollten Sie nicht durch sporadische Geschäftsreisen ersetzen.
- Unklare oder nicht sauber definierte Rollenverteilungen zwischen Partnern und Agenten zulassen
- Unbedachte Partnerschaften eingehen: Technisch starke deutsche Unternehmen scheitern häufig an schwachen lokalen Partnerstrukturen.
- Zu frühe Rückzugsentscheidungen treffen, bevor Marktaufbau und Beziehungen ausreichend Zeit hatten, Wirkung zu entfalten
ZUM THEMA
Veranstaltungen der IHKs Bodensee-Oberschwaben und Ulm
Sowohl die IHK Bodensee-Oberschwaben als auch die IHK Ulm bereiten Veranstaltungen vor, bei denen Sie sich kostenfrei über den afrikanischen Markt und mögliche Chancen für Ihr Unternehmen informieren können.
Save the Date: 23. Juli, vor Ort, kostenfrei Die Details werden rechtzeitig vor der Veranstaltung
hier für Sie bereitgestellt.