Die Auslandsmaßnahme wurde von den Industrie- und Handelskammern Baden-Württembergs gefördert und von der IHK Bodensee-Oberschwaben sowie der IHK Ulm in Zusammenarbeit mit der IHK-Exportakademie GmbH und dem German-Emirati Joint Council for Industry & Commerce (AHK) organisiert. Die teilnehmenden Unternehmen erhielten umfassende Einblicke in die Wasserstoffstrategien der besuchten Länder und lernten Unternehmen vor Ort kennen.
Oman: Vision 2040 und die Rolle des grünen Wasserstoffs
Oman verfolgt ehrgeizige Pläne: Bis 2030 will das Sultanat eine Produktionskapazität von jährlich 1 bis 1,5 Millionen Tonnen grünem Wasserstoff erreichen. Dafür sind Elektrolyseanlagen mit 8 bis 15 Gigawatt sowie Solar- und Windkraftwerke mit einer Leistung von 16 bis 30 Gigawatt vorgesehen. Bis 2050 soll die Produktion auf bis zu 8,5 Millionen Tonnen steigen. Die Voraussetzungen sind ideal: große Landflächen, hervorragende Bedingungen für Solar- und Windenergie sowie direkter Zugang zu internationalen Schifffahrtsrouten.
Bereits heute sind acht Großprojekte mit internationalen Partnern in den Regionen Duqm und Salalah vergeben, ein neuntes ist in Planung. Dennoch bleibt der Fortschritt hinter den Erwartungen zurück. Komplexe Genehmigungsverfahren und fehlende Abnahmeverträge bremsen die Entwicklung. Oman arbeitet daran, diese Hürden zu überwinden.
In Gesprächen mit Omans nationalem Energieunternehmen, OQ, der staatlichen Koordinierungsstelle für Wasserstoff, Hydrom, dem Ministerium für Energie und Mineralien sowie dem Hafen Sohar wurde deutlich: Oman setzt nicht nur auf den Export. Vielmehr soll eine komplette heimische Wasserstoffindustrie entstehen, inklusive Industrieansiedlungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für deutsche Unternehmen, insbesondere KMUs, eröffnen sich hier Chancen in Bereichen wie Engineering, Zulieferung und Technologiepartnerschaften. Ein Meilenstein ist die im April 2025 geschlossene Vereinbarung zwischen OQ, dem Hafen Amsterdam und der deutschen EnBW. Sie umfasst die Entwicklung einer zentralen Anlage zur Verflüssigung, Speicherung und zum Export von Wasserstoff im Hafen Duqm. Hydrom kündigte zudem an, ab 2026 kleinere Projekte für KMUs zu ermöglichen – ein attraktiver Einstiegspunkt für deutsche Anbieter.
VAE: Infrastruktur und internationale Kooperationen
Während Oman eine langfristige Export- und Industriestrategie verfolgt, setzen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf den schnellen Ausbau von Infrastruktur. Die „Energy Strategy 2050“ sieht Investitionen von rund 163 Milliarden US-Dollar vor, um den Anteil erneuerbarer Energien bis 2050 von derzeit 2,6 auf 50 Prozent zu steigern. Neben Solar- und Windkraft spielt auch Kernenergie eine Rolle. Auch die Wasserstoffstrategie der VAE ist wie die ihres Nachbarn ambitioniert: Bis 2031 sollen jährlich 1,4 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert werden, davon 1 Million Tonnen grüner Wasserstoff (zur Hälfte im Ausland) und 0,4 Millionen Tonnen blauer Wasserstoff. Bis 2050 ist eine Kapazität von 15 Millionen Tonnen geplant. Erste Pilotprojekte laufen bereits, etwa die Produktion von grünem Stahl bei der EMSTEEL Group oder das Gemeinschaftsprojekt von Siemens Energy und der Dubai Electricity & Water Authority (DEWA) im Mohammed Bin Rashid Al Maktoum Solarpark, den die Delegation besuchte.
Im Unterschied zur EU oder den USA verzichten die VAE bislang auf direkte Subventionen. Stattdessen setzen sie auf regulatorische An[1]reize, internationale Kooperationen und den Ausbau eines nationalen Pipeline-Netzes. Bis 2040 soll ein 2.200 Kilometer langes Wasserstoffnetz entstehen, das Produktionsstandorte mit industriellen Abnehmern und Exporthäfen verbindet. Dennoch bleibt auch hier das „Henne-Ei-Problem“ bestehen: Fehlende Abnahmeverträge und die Konkurrenz durch günstiges Erdgas bremsen die lokale Nachfrage. Ein weiteres Signal für die baden-württembergisch-emiratische Zusammenarbeit: Im Juli 2025 unterzeichneten EnBW und Masdar ein Memorandum of Understanding zu Offshore Windkraft, Batteriespeichern und grünem Ammoniak.
Vom Plan zur Umsetzung: Realitätscheck in Oman und den VAE
Trotz Rückschlägen und Verzögerungen halten beide Länder an ihren Strategien fest. Oman und die VAE befinden sich klar im Übergang von der Planungs- zur Umsetzungsphase – allerdings mit angepassten Plänen und einem deutlich spürbaren Realitätscheck. Die ambitionierten Ziele bleiben bestehen, doch die Gespräche vor Ort haben gezeigt, dass die Herausforderungen komplexer sind als ursprünglich angenommen. Dennoch ist der politische Wille ungebrochen: Beide Länder wollen bis 2050 klimaneutral werden und setzen auf internationale Kooperationen, um die Wasserstoffwirtschaft voranzubringen. Für Unternehmen aus Baden-Württemberg ergeben sich vielfältige Möglichkeiten: von Engineering Dienstleistungen über Zulieferungen für Elektrolyseanlagen bis hin zu Kooperationen in Forschung und Entwicklung.
WAB