Nach dem Brexit

Brexit-Update

Sie haben Fragen zum Geschäft mit Großbritannien? Wir beraten Sie – am Telefon 0711 2005-1419 oder per EMail brexit@stuttgart.ihk.de.
In den IHK-Außenwirtschaftspodcasts informieren wir unter anderem über Brexit-Themen.

Informationen zum Geschäft mit Großbritannien

Die Kontaktstelle Brexit des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg informiert auf der Brexit-Homepage.

Seit November 2021 ist Baden-Württemberg mit dem BW-UK Office in London vertreten. Wie unterstützt die Repräsentanz konkret baden-württembergische Unternehmen? Und warum lohnt sich das Geschäft mit Großbritannien nach wie vor? Erfahren Sie mehr dazu in einem Podcast des BW_i.  

Großbritanniengeschäft heute

Mit dem Austritt aus der EU wurde Großbritannien zu einem Drittland wie China oder die USA.
Zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich werden die Regeln des Handels- und Kooperationsabkommen (TCA Trade and Cooperation Agreement) angewendet. Informieren Sie sich darüber in unserer Übersicht zur Nutzung des Abkommens.

Was gilt für den Warenverkehr?

Mit der neuen Grenze zwischen der EU und Großbritannien müssen bei der Ein- und Ausfuhr von Waren Zollformalitäten erledigt werden. Das Abkommen stellt sicher, dass der Warenverkehr in den meisten Fällen nicht zusätzlich durch Zölle belastet wird. Der Zollsatz für Waren mit präferenziellem Ursprung EU beziehungsweise UK liegt bei null. 
Wichtig zu wissen: Falls der Ursprung nicht nachgewiesen werden kann oder es sich um Ursprungswaren anderer Länder handelt, fällt trotz Abkommen Zoll an.
Die Europäische Union kontrolliert seit Januar 2021 die Waren aus Großbritannien. Umgekehrt wurde die schrittweise Einführung von Grenzkontrollen mehrmals verschoben. Wichtig für baden-württembergische Exporteure: voraussichtlich bis Ende 2023 wird der britische Zoll die Zollkontrollen endgültig umsetzen. Lesen Sie dazu mehr in unserer IHK- Übersicht „Brexit und Zoll“.
Liefern Sie eher selten in ein Land außerhalb der EU? Dann empfehlen wir Ihnen die Besonderheiten der Zollabfertigung auf der IHK-Internetseite.
Fragen zum Warenverkehr beantworten wir Ihnen im Artikel Häufig gestellte Fragen”.
Transportunternehmen und Spediteure müssen sich seit 2022 in der britischen IT-Plattform GVMS – Goods Vehicle Movement Service – registrieren. Je nachdem, welcher Hafen in Großbritannien angesteuert wird, und entsprechend die Fracht entweder nach Pre-lodgement oder Temporary storage-Verfahren eingeführt wird. Die GVMS-Plattform dient dazu, die Zollabwicklung vorzunehmen. An welchen Häfen das GVMS zum Einsatz kommt, können Sie über die Internetseite der britischen Regierung prüfen. Wichtig: Eine Abfertigung ohne Anmeldung ist nicht möglich. Dies gilt auch für die vorübergehende Einfuhr und Wiederausfuhr mit Carnet ATA. Die Carnet ATA-Nummer muss in das Feld „Declaration Reference“ der GVMS-Meldung eingetragen werden. Achtung: Das GVMS ist auch bei Leerfahrten ausgefüllt abzugeben.
Auf der IHK-Internetseite des Bereichs Güterverkehr erfahren Sie mehr zu den neuen Regeln.

Wie sieht es mit der Umsatzsteuer aus?

Das Vereinigte Königreich ist für umsatzsteuerliche Zwecke Drittlandsgebiet. Eine Ausnahme gilt für Nordirland, für das im Austrittsabkommen ein besonderer Status hinsichtlich des Warenverkehrs vereinbart wurde. Bei der Erbringung von Dienstleistungen sind wiederum für das gesamte Vereinigte Königreich die Regeln für Drittländer anzuwenden.
Detaillierte Informationen zur Umsatzsteuer nach dem Brexit finden Sie  in unserem Internetbeitrag “Brexit: Umsatzsteuerliche Konsequenzen”.

Rechtliche Standards seit dem Brexit

Damit britische Firmen gegenüber EU-Unternehmen keinen unfairen Vorteil auf dem EU-Markt haben, müssen sie ähnliche Vorgaben unter anderem bei Umweltschutz und Arbeitsrechten einhalten.
Was das Abkommen zu rechtlichen Standards beinhaltet, finden Sie im IHK-Internetbeitrag zum Brexit-Handelsabkommen.

Warenstandards/Produktzulassung

Das Austrittsabkommen enthält keine gegenseitige Zertifizierung der Warenstandards. Eine britische Prüfanstalt kann daher ein Produkt für Großbritannien zulassen, nicht aber für den Verkauf im EU-Gebiet. Der Hersteller muss von EU-Institutionen eine zweite Zulassung einholen. Auch werden die gegenseitigen Standards für Tierprodukte nicht automatisch anerkannt, was vor allem beim Import in die EU den Kontrollaufwand erhöht.
Neue Produktkennzeichnung in Großbritannien seit 2021
Produkte, die in Großbritannien in Verkehr gebracht werden, müssen mit dem UKCA-Label gekennzeichnet werden Das neue Produktkennzeichen ersetzt das europäische CE-Kennzeichen. Bis 31. Dezember 2022 können rechtmäßig mit einer CE-Kennzeichnung versehene Produkte in Großbritannien auf den Markt gebracht werden - sofern EU- und GB-Anforderungen übereinstimmen.

UPDATE UKCA im Juni 2022 – Ankündigungen der britischen Regierung:
- Anerkennung von EU-Prüfzertifikaten: CE-Konformitätsbewertungen, die durch eine in der EU ansässige „Benannte Stelle“ (Notified Bodiy) vor dem 31. Dezember 2022 zertifiziert werden, sollen für die UKCA-Kennzeichnung anerkannt werden. Das wäre gut für deutsche Hersteller, die so das UKCA-Zeichen auf ihren Produkten anbringen könnten, ohne eine erneute Prüfung durch eine britische Prüfstelle (UK Approved Body) zu durchlaufen.

- Ersatzteile, die denselben Anforderungen entsprechen, die zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens der ursprünglichen Produkte galten, können auch künftig für Reparatur, Austausch oder Wartung eingesetzt werden.

- Eine Änderung der Kennzeichnungsvorschriften steht im Raum. Näheres dazu wird in Kürze veröffentlicht.
Ab 1. Januar 2023 wird in Großbritannien nur noch das UKCA-Label akzeptiert.
Die britische Regierung informiert über die UKCA-Produktkennzeichnung sowie die davon betroffenen Waren auf www.gov.uk und in einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden in deutscher Sprache.

Geschäftsreisen nach Großbritannien

DIe Regeln zur Einreise in Großbritannien für geschäftliche Zwecke haben sich geändert. Auch hier regelt das Abkommen mit.
EU-Staatsangehörige brauchen für die Einreise ins Vereinigte Königreich einen gültigen Reisepass. Welche Dokumente bei einer Geschäftsreise mitgeführt werden müssen, erläutert auf einen Blick der  Dienstreisecheck der GTAI.
Visa-Check:
Prüfen Sie vor Aufenthalten in Großbritannien auf der Website der britischen Regierung, ob Sie für sich oder Ihre Mitarbeiter ein Visum benötigen oder ob Sie über die Besucherroute einreisen können. Das ist wichtig, denn für ein Visumsverfahren muß der britische Geschäftspartner miteinbezogen werden. Dieser muss eine Sponsorship Licence halten, die von der Behörde UK Visas & Immigration vergeben wird. Relevant wird hier das im April 2022 eingeführte Global Business Mobility Visa, das insgesamt fünf Einreiserouten abdeckt.
IHK-Tipp: Informieren Sie sich über die verschiedenen Wege in das Vereinigte Königreich einzureisen im ausführlichen  Merkblatt der AHK Großbritannien.

Checkliste für rechtliche Fragen

Der Brexit hat sich auf bestehende und neu abzuschließende Verträge ausgewirkt. Betroffen waren der Gerichtsstand und das anwendbare Recht in Verträgen ebenso wie vertragstypspezifische Fragestellungen zu Kauf- und Lieferverträgen oder Handelsvertreterverträgen.
  • Prüfen Sie Ihre Verträge auf einen Bezug zum Vereinigten Königreich, insbesondere Lieferverträge.
  • Prüfen Sie, ob Sie offene Forderungen gegen Schuldner im Vereinigten Königreich halten.
  • Prüfen Sie, ob Sie EU-Marken registriert haben und leiten Sie die Registrierung einer diesbezüglichen britischen Marke ein.
  • Haben Sie einen Webshop, so prüfen Sie insbesondere, ob Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und Impressum den aktuellen Anforderungen entsprechen.
  • Die Mitarbeiterentsendung ist nur noch mit höheren Bürokratiehürden möglich. Dienstreisen von mehr als 90 Tagen müssen rechtlich sauber geprüft werden.
  • Prüfen Sie, ob Ihre Produkte eine CE-Kennzeichnung haben/erfordern. 

Exkurs: Datenschutz

Der Brexit wirkt sich auf die Übertragung personenbezogener Daten nach Großbritannien aus.
Rechtliche Auswirkungen des Brexit auf das internationale Handelsgeschäft finden Sie in unseren Übersichten „Q&A zu Recht, Entsendungen und Verträgen“ und „Folgen für Gesellschaften englischen Rechts mit Verwaltungssitz in Deutschland“.

Ausblick nach dem Brexit

Im Jahr zwei nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem europäischen Binnenmarkt bewerten die deutschen  Unternehmen die Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen als überwiegend negativ. Das zeigt eine Sonderauswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Rahmen der bundesweiten IHK-Umfrage "Going International 2022".
Für die Erhebung waren Anfang Februar – also vor dem russischen Angriff in der Ukraine – knapp 1.500 deutsche Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zu Großbritannien befragt worden.
  • Mehr als zwei Drittel der Betriebe mit UK-Geschäft beklagen der Erhebung zufolge Zollbürokratie,
  • mehr als die Hälfte direkt auf den Brexit zurückgehende Logistikprobleme und
  • knapp die Hälfte die Zunahme tarifärer Handelshemmnisse.
  • Jedoch etwas weniger Unternehmen als ein Jahr zuvor melden Auswirkungen durch den Brexit.

Länderinformationen zu Großbritannien

Aktuelle Daten zu Land, Politik und Wirtschaft finden Sie in unseren Länderinformationen Großbritannien.

Ansprechpartner bei der IHK Region Stuttgart

Fragen zum Vereinigten Königreich:
Dagmar Jost, Telefon 0711 2005-1419, dagmar.jost@stuttgart.ihk.de
Fragen zum internationalen Wirtschaftsrecht:
Silke Helmholz, Telefon 0711 2005-1455, silke.helmholz@stuttgart.ihk.de
Fragen zu Zoll/Exportkontrolle:
Team Zoll/Exportkontrolle, Telefon 0711 2005-1466, auwi@stuttgart.ihk.de
Fragen zur Umsatzsteuer:
Sebastian Schieder, Telefon 0711 2005-1266, 
sebastian.schieder@stuttgart.ihk.de
Christine Pfeifer, Telefon 0711 2005-1295, 
christine.pfeifer@stuttgart.ihk.de
Fragen zum Datenschutz:
Rainer Simshäuser, Telefon 0711 2005-1318, 
rainer.simshaeuser@stuttgart.ihk.de

Stand: Mai 2022
Wir haben diese Übersicht mit großer Sorgfalt zusammen gestellt. Eine Gewähr für die Vollständigkeit können wir nicht übernehmen.