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EU-Mercosur Abkommen

Seit 1999 verhandeln die Europäische Union und die vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay über ein umfassendes Assoziierungsabkommen. Nun ist es soweit: Die größte Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wird vorläufig mit ihrem Handelsteil angewendet! Dies entschied das Kollegium der Kommissionsmitglieder am 10.03.2026.
Mit dem „Lateinamerika Briefing“ startet eine neue gemeinsame Webinarreihe der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Das Briefing geht am 1. Juli um 15 Uhr online weiter mit Argentinien. Unter folgendem Link gelangen Sie zur Anmeldung.

Auswirkungen des EU‑Mercosur Abkommens auf Exporte und Unternehmensstrategien

Entwicklung der Exporte

Wie sind die obigen 61 Prozent der Unternehmen zu bewerten, die von gleichbleibenden Exporten ausgehen? Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt, dass zwischen 2004 und 2010 ein ausgeprägter Handelsboom stattfand, in dem sowohl Baden‑Württemberg als auch Deutschland außergewöhnlich hohe jährliche Wachstumsraten von über 14 Prozent erzielten. Diese Phase war wesentlich durch eine starke globale Rohstoffnachfrage und die dynamische wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens geprägt.
Der Anteil Baden-Württembergs am Gesamtexport Deutschlands nach Mercosur betrug im Jahre 2004 bei 16,88 Prozent. Im Jahre 2024 liegt der Anteil bei knapp 14 Prozent.
Grafik_Mercosur
Seit 2010 hingegen wachsen die Exporte nur noch moderat. Für Baden‑Württemberg liegt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate im Zeitraum 2010 bis 2024 bei lediglich 0,38 Prozent, während Deutschland insgesamt 1,47 Prozent erreicht. Damit deutet sich nach einer Phase starken Wachstums eine langanhaltende Stagnation an.
Baden-Württemberg Deutschland
von 2010 bis 2024 0,38 % 14 Jahre von 2010 bis 2024 1,47 % 14 Jahre
von 2004 bis 2010 14,18 % 6 Jahre von 2004 bis 2010 14,94 % 6 Jahre
von 2004 bis 2024 4,33 % 20 Jahre von 2004 bis 2024 5,33 % 20 Jahre
Diese Stagnation soll sich durch das Handelsabkommen verändern. Auch die Mercosur Staaten suchen alternative Märkten und Partner. Abbau ökonomischer Abhängigkeiten von den USA & mehr außenpolitischen Spielraum gegenüber Washington und Peking zu gewinnen. EU-Mercosur-Abkommen geopolitisch an Wert.

Exporterwartungen baden‑württembergischer Unternehmen

Rund 24 Prozent der befragten Unternehmen in Baden‑Württemberg erwarten in den kommenden Monaten steigende Ausfuhren nach Süd- und Mittelamerika, während etwa 15 Prozent von einem Rückgang ausgehen. 61 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Exporten. Weitere Informationen zu Investitionstätigkeiten sowie zur regionalen Positionierung der baden‑württembergischen Unternehmen finden Sie in unserer aktuellen Konjunkturumfrage 2026 und im Außenwirtschaftsbarometer.

Anpassungen in der Marktbearbeitung der Unternehmen

Mit dem Inkrafttreten des Abkommens rücken die Märkte in der Region für viele Unternehmen stärker in den Fokus. Firmen prüfen dabei verstärkt, ob sie die Region über bestehende Hubs in den USA oder über Standorte in Südamerika bedienen. In der Praxis zeigt sich, dass südamerikanische Unternehmen entweder eine direkte Betreuung aus Deutschland oder eine lokale Betreuung vor Ort bevorzugen. Das Abkommen führt daher zu strategischen Anpassungen in den Bereichen Service, Vertrieb und Partnerbetreuung, damit Unternehmen ihre Präsenz in der Region ausbauen und die Märkte intensiver bearbeiten können.
Das Abkommen beeinflusst zudem unmittelbar die Gestaltung internationaler Lieferketten. Unternehmen prüfen verstärkt, aus welchen Ländern sie künftig ihre Vorprodukte beziehen und über welche Standorte oder Hubs Waren in den Mercosur‑Raum exportiert werden. Zollpräferenzen und Ursprungsregeln spielen hierbei eine zentrale Rolle, da sie bestimmen, über welche Wertschöpfungsschritte Produkte präferenzbegünstigt in die Region ausgeführt werden können. Dadurch ergeben sich sowohl strategische Anpassungen in der Logistik als auch in der Auswahl geeigneter Produktions‑ und Vertriebsstandorte.

Das EU-Mercosur Abkommen (interim Trade Agreement)

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und den Mercosur-Staaten beträgt derzeit rund 28 Milliarden Euro. Das Abkommen wird Zölle schrittweise senken oder vollständig abschaffen und damit den Zugang zu einem dynamischen Markt erleichtern. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es empfiehlt sich, sich jetzt umfassend zu informieren.

Gleichzeitig bleibt der weitere Prozess weiterhin offen, da sich auf EU‑Ebene andere handelspolitische Prioritäten – unter anderem im Verhältnis zu den USA – in den Vordergrund geschoben haben.
Die Zustimmung des Europäischen Parlaments im Jahre 2026 ist aber weiterhin zu erwarten.
Innerhalb von zehn Jahren sollen 91 % der Zölle auf EU-Produkte schrittweise abgebaut werden, wodurch die bisherigen Meistbegünstigten-Zolltarife (MFN) ersetzt werden. Insgesamt werden dadurch 92 % der bestehenden Zölle stufenweise abgeschafft.
Für den Agrarbereich hat das Europäische Parlament bereits dem operativen Anwendungstext zugestimmt. Darin wird präzisiert, welche Schutzmechanismen im Falle einer Marktstörung greifen, unter welchen Bedingungen sie aktiviert werden können und wie das Verfahren zur Anwendung der Schutzklauseln ausgestaltet ist.
Das Abkommen bringt für Unternehmen zahlreiche Vorteile: Zölle entfallen und Zollverfahren werden vereinfacht, wodurch Kosten sinken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert wird. Der administrative Aufwand bei Produktzertifizierungen wird reduziert. Zudem verbessert sich der Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen.