International

Lieferkettenportal der IHK Köln

Die Corona-Krise hat die Lieferketten der international tätigen Unternehmen auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Staatlich verordnete Einschränkungen des Personen- und Warenverkehrs sowie Betriebsschließungen bei Kunden und Lieferanten haben dazu geführt, dass es in einigen produzierenden Betrieben zu Produktionsproblemen oder gar Stillständen gekommen ist.
Unterbrechungen der Lieferkette sind auch in Zukunft möglich, sei es durch Naturkatastrophen, Pandemien, Konflikte, Streiks oder Insolvenzen von Zulieferern. Hinzu kommt, dass Unternehmensinhaber und Geschäftsführer, Kunden und Abnehmer, Mitarbeiter und Investoren, Medien und der Gesetzgeber stärker als je zuvor auf nachhaltige Beschaffungswege achten. Dazu zählen die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei Zulieferern und deren Partnern und ein positiver Beitrag des Unternehmens zu den Lebensbedingungen in den Lieferländern. 
Gründe genug, dass Unternehmen ihre Lieferketten regelmäßig kritisch überprüfen.
Eine Übersicht mit Internetlinks (PDF-Datei · 168 KB) zu allen relevanten Hintergrundinformationen hat IHK NRW (Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen) zusammengestellt.

Ist meine Lieferkette nachhaltig?

Deutsche Unternehmen sind eng in internationale Lieferketten eingebunden. Die weltweite Arbeitsteilung sichert nicht nur den Wohlstand in Deutschland, sie trägt auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Wertschöpfung in den Partnerländern bei. Doch ist vor allem bei weitverzweigten Lieferketten nicht immer sicher, ob Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.
Erstinformationen und Unterstützung bei der Einschätzung des Risikos bieten die Online-Tools des Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung.
  • CSR Risiko-Check: Das Online-Tool unterstützt Unternehmen bei der Einschätzung von Risiken entlang ihrer Liefer- und Wertschöpfungskette.
  • KMU Kompass: Das Informations-Portal ist ein Angebot für kleine und mittelständische Unternehmen zur Implementierung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements.
  • Praxislotse: Das Portal bietet Fallstudien, Hintergrundinformationen und Anleitungen aus dem Unternehmensalltag, um Menschenrechte entlang der Wertschöpfungskette zu beachten und umzusetzen.
Der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte der Bundesregierung berät Unternehmen individuell, vertraulich und kostenfrei rund um das Thema menschenrechtliche Sorgfalt.
Unterstützung bei der Selbsteinschätzung der Managementkapazitäten für die Umsetzung der Sorgfaltspflichten im Unternehmen bietet auch das Evaluationstool „Human Rights Capacity Diagnostic“.
Firmen, die mit einem wirtschaftlichen Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen leisten möchten, können sich beim Business Scout for Development über Fördermöglichkeiten, Netzwerke und Best-Practice-Beispiele informieren.

Die IHK Köln bietet in Kooperation mit der DIHK-Bildungs-GmbH einen Zertifikatslehrgang für Nachhaltiges Lieferkettenmanagement an.
Sie lernen alles rund um das Thema Risikoanalyse und Risikoprävention in Lieferketten, um ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen zu initiieren.
Hier geht es zum Zertifikatslehrgang.

Lieferantenkodex

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet Unternehmen entsprechende Präventions- und Abhilfemaßnahmen zu treffen und zu überprüfen. Das betrifft innerhalb der Beschaffungsstrategie auch die Lieferantenauswahl und -kontrolle.
Hierfür kommuniziert das Unternehmen mit einem Verhaltenskodex (Code of Conduct) seine Erwartungen an Lieferanten. Der Verhaltenskodex regelt die Nachhaltigkeitswerte und -ziele des eigenen Unternehmens und das gewünschte Verhalten der Lieferanten. Diese können sich dabei an relevanten, bereits existierenden Standards orientieren, wie z. B. an den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
Der Muster-Verhaltenskodex für Lieferanten (PDF-Datei · 147 KB) (Code of Conduct) bietet ein branchenneutrales Muster auf deutscher Sprache mit dem ein Unternehmen seine Erwartungen an Lieferanten kommunizieren kann.

Ist meine Lieferkette stabil?

Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Lieferkette auch beim Ausfall von einzelnen Vorlieferanten oder Vorprodukten aufrechterhalten werden kann. Dabei sollten nicht nur die unmittelbaren Zulieferer analysiert werden, sondern auch mögliche Ausfallrisiken in vorgelagerten Fertigungsschritten.
Die IHK Köln berät Firmen zur Erschließung neuer Absatz- und Beschaffungsmärkte und bietet eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen bei Beschaffung und Vertrieb.
Falls Lieferketten aus politischen Gründen gestört sein sollten, stellt die IHK Köln den Kontakt zu den Anlaufstellen von Bund und Land NRW her.
Als Teil der NRW-Außenwirtschaftsförderung entwickelt und begleitet die IHK Köln Unternehmerreisen und Gemeinschaftsstände in wichtige Zielmärkte. Über das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern können Firmen individuelle Kontakte zu Lieferanten, Kunden und Vertriebspartnern aufbauen.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es bzw. sind geplant?

Am 11. Juni 2021 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht, das sogenannte Lieferkettengesetz, verabschiedet. Die IHK Köln hat den Gesetzgebungsprozess aufmerksam verfolgt und aktiv begleitet.  Das Gesetz wurde schließlich am 22. Juli 2021 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.
Eine englische Übersetzung stellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Verfügung.
Auch die EU macht sich für ein Lieferkettengesetz stark. Die Europäische Kommission hat nach starken Verzögerungen am 23. Februar 2022 einen Vorschlag für eine Richtlinie über die Nachhaltigkeitspflichten von Unternehmen angenommen. Der Vorschlag zielt darauf ab, ein nachhaltiges und verantwortungsvolles unternehmerisches Verhalten in allen globalen Wertschöpfungsketten zu fördern.
Für die EU-Kommission spielen Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Sie sollen verpflichtet werden, negative Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Menschenrechte, wie Kinderarbeit und Ausbeutung von Arbeitnehmern, sowie auf die Umwelt - beispielsweise Umweltverschmutzung und Verlust an biologischer Vielfalt - zu ermitteln und erforderlichenfalls zu verhindern, abzustellen oder zu vermindern. Für Unternehmen sollen diese neuen Vorschriften Rechtssicherheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen, für Verbraucher und Anleger sollen sie mehr Transparenz bringen.

Die neuen Sorgfaltspflichten gelten für die folgenden Unternehmen und Sektoren:

a) EU-Unternehmen:

Gruppe 1: alle EU-Gesellschaften mit beschränkter Haftung von erheblicher Größe und Wirtschaftskraft (mit mindestens 500 Beschäftigten und einem Nettoumsatz von mindestens 150 Mio. EUR weltweit)
Gruppe 2: andere Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die in bestimmten ressourcenintensiven Branchen tätig sind und die nicht beide Schwellenwerte der Gruppe 1 erfüllen, aber mehr als 250 Beschäftigte und einen Nettoumsatz von mindestens 40 Mio. EUR weltweit haben. Für diese Unternehmen gelten die Vorschriften zwei Jahre später als für Gruppe 1.

b) In der EU tätige Unternehmen aus Drittstaaten, die einen Umsatz in Höhe von Gruppe 1 und Gruppe 2 innerhalb der EU erwirtschaften.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) fallen nicht direkt in den Anwendungsbereich dieses Vorschlags.
Dieser Vorschlag gilt nicht nur für die Unternehmen selbst, sondern auch für ihre Tochtergesellschaften und die Wertschöpfungsketten (direkt und indirekt bestehende Geschäftsbeziehungen). Um ihre Sorgfaltspflicht erfüllen zu können, müssen Unternehmen
  • die Sorgfaltspflicht zum integralen Bestandteil ihrer Unternehmenspolitik machen,
  • tatsächliche oder potenzielle negative Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt ermitteln,
  • potenzielle Auswirkungen verhindern oder abschwächen,
  • tatsächliche Auswirkungen abstellen oder sie auf ein Minimum reduzieren,
  • ein Beschwerdeverfahren einrichten,
  • die Wirksamkeit der Strategien und Maßnahmen zur Erfüllung der Sorgfaltspflicht kontrollieren und
  • öffentlich über die Wahrnehmung ihrer Sorgfaltspflicht kommunizieren.
Der Vorschlag wird nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Billigung vorgelegt. Nach seiner Annahme haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in innerstaatliches Recht umzusetzen und der Kommission ihre Umsetzungsvorschriften zu übermitteln.
Weitere Informationen finden Sie unter:

Ihre Ansprechpartnerinnen in der IHK Köln

Fragen zu Ländern und Märkten:

Gudrun Grosse
Tel. 0221 1640-1561
E-Mail: gudrun.grosse@koeln.ihk.de

Fragen zum innerdeutschen Vertragsrecht:

Inga Buntenbroich
Tel. 0221 1640-3200
E-Mail: inga.buntenbroich@koeln.ihk.de

Fragen zu internationalen Verträgen & UN-Kaufrecht:

Lena Herrmann
Tel. 0221 1640-1552
E-Mail: lena.herrmann@koeln.ihk.de