IHK & Region | 16.02.2024

Auf Zukunft bauen, nicht auf Bürokratieabbau

Einmal im Jahr laden die Wirtschaftsjunioren Heilbronn-Franken Spitzenpersonal der heimischen Wirtschaft ein und bitten um deren Konjunkturprognosen für die anstehenden zwölf Monate. Diesmal stand die Veranstaltung unter dem Eindruck von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der tags zuvor die Wachstumsprognose auf nur noch 0,2 Prozent nach unten korrigiert hatte. Von Andreas Lukesch
Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, präsentierte im Heilbronner RedBlue die aktuellen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2023 und verwies auf die ebenfalls frisch veröffentlichen Konjunkturdaten der DIHK. Für sie stand angesichts der vielen negativen Geschäftsentwicklungen in der Region und bundesweit fest: „Ein Weiter so wird uns in die Rezession führen. Den Unternehmen geht die Luft aus, wir brauchen dringend eine Wachstumsagenda.“ Wie die Politik die Wirtschaft unterstützen und verloren gegangenes Vertrauen wieder herstellen könne, habe die Dachorganisation DIHK bereits vor einem Jahr in zehn Tempo-Thesen formuliert (Konjunkturumfrage und die Tempothesen gibt es ausführlich auf der IHK-Webseite.

Zurück zu alter Stärke

So ganz pessimistisch wollten die Referenten der Wirtschaftsprognosen 2024 den Abend der Wirtschaftsjunioren dann aber doch nicht ausklingen lassen. Selbst wenn die Wirtschaftsdaten wenig Anlass zu Optimismus gaben, zeigte etwa Fred Schulze, Leiter des Audi-Werks in Neckarsulm, auch Zuversicht. 2024 würden weltweit mehr Autos verkauft werden als 2023, in Deutschland allerdings weniger. E-Fahrzeuge verlören Marktanteile. Diese Entwicklung werde das erste Halbjahr prägen. Fred Schulze setzt allerdings auf die zweite Jahreshälfte und verkündete optimistisch: „Audi wird eine Reihe neuer Modelle und Innovationen präsentieren, die uns zu alter Stärke zurückführen werden.“
Dr. Alexander von Preen sprach nicht in seiner Rolle als CEO der gastgebenden Intersport Deutschland eG, sondern in seiner Funktion als Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), also einer Branche, die die Corona-Pandemie hart getroffen hat und die unter hoher Inflation, schwächelndem Konsum, Fachkräftemangel und dem, so Alexander von Preen, Ladensterben in den Innenstädten besonders leidet.
Für 2024 zeichnete Alexander von Preen ein zumindest leicht positives Bild. Zwar werde der Einzelhandel weiter mit einem hohen Preisniveau, Energiepreisen, Fachkräftemangel und der Qualität der Innenstädte zu tun haben, aber es zeige sich, dass sich die Konsumbereitschaft auf niedrigem Niveau verbessern werde.
Bürokratie und Regulierung waren unter anderem Themen von Ralf Hirschfeld, Vorstandsvorsitzender der Hoerner Bank AG, und Eberhard Köhler, Geschäftsführer der Schneider Bau. Ralf Hirschfeld erinnerte wie auch Alexander von Preen mit Blick auf die Zinspolitik daran, dass das Land eine hohe Inflation wie auch den Umgang damit nicht mehr gewohnt sei und sich darauf habe einstellen müssen und weiter muss. Für das Jahr 2024 prophezeite er, dass sich die Wirtschaft zwischen Rezession und Stagnation bewegen werde. Resignativ fiel seine Prognose zur Bürokratie aus: „Ich habe keine Hoffnung, dass die Bürokratie spürbar abgebaut wird.“ Darin war er sich mit Eberhard Köhler einig, der von den Problemen und Möglichkeiten im Baugewerbe sprach, die Besucher der Wirtschaftsprognosen aber auch aufrief: „Bauen Sie Ihre Zukunft und warten Sie nicht auf einen Bürokratieabbau.“
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Foto oben: Gaben diesmal auf Einladung der Wirtschaftsjunioren ihre Konjunkturprognosen für 2024 ab (von links): Audi-Werksleiter Fred Schulze, IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring, Nadine Ballweg (Wirtschaftsjunioren), Schneider Bau-Geschäftsführer Eberhard Köhler, Handelsverband-Präsident Dr. Alexander von Preen und Ralf Hirschfeld, Vorstandsvorsitzender der Hoerner Bank. Foto: IHK Heilbronn-Franken/Andreas Lukesch

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Andreas Lukesch
Andreas Lukesch
Leiter Marketing & Kommunikation und Pressesprecher