IHK & Region | 10.02.2022

Wirtschaftslagebericht für das 4. Quartal 2021

Omikron beeinträchtigt Lage und Konjunkturausblick für 2022.
Von Dorothee Kienzle
Im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken wird die konjunkturelle Entwicklung im 4. Quartal 2021 vor allem durch das wieder verstärkte Pandemiegeschehen belastet. Die Lageurteile der Unternehmen haben auf hohem Niveau leicht nachgegeben. Insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Einzelhandel haben die erneuten Eindämmungsmaßnahmen und Verhaltensänderungen der Kunden die wirtschaftliche Situation stark beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu gehen von der Industrie, dem Baugewerbe und dem Großhandel positive Impulse aus. Allerdings führen auch hier Lieferengpässe bei Vorprodukten weiter zu erheblichen Behinderungen. Die Aussichten für die kommenden Monate fallen erneut verhaltener als in den vergangenen Monaten aus. Es überwiegt aber weiterhin der Optimismus. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der 410 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt rund 91.100 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen haben.
Die vierte Pandemiewelle und anhaltende Lieferschwierigkeiten belasten die konjunkturelle Dynamik im 4. Quartal 2021. Die regionalen Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage per saldo etwas ungünstiger als im Vorquartal. 49 Prozent (Vorquartal 50 Prozent) der Unternehmen bezeichnen den aktuellen Geschäftsverlauf als gut, während 11 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) mit der Geschäftslage unzufrieden sind. Auch die Erwartungen hinsichtlich der kommenden zwölf Monaten fallen erneut weniger optimistisch als im Vorquartal aus. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Stimmen liegt noch über dem langfristigen Durchschnitt von 13 Prozentpunkten. 32 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) der Betriebe blicken zuversichtlich in die Zukunft. 13 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) erwarten einen ungünstigeren zukünftigen Geschäftsverlauf.
Insbesondere im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Einzelhandel haben die erneuten Eindämmungsmaßnahmen und Verhaltensänderungen der Kunden die wirtschaftliche Situation stark beeinträchtigt.
Materialengpässe, steigende Energie- und Rohstoffpreise, die neue Corona-Variante Omikron sowie ein zunehmender Fachkräftemangel belasten derzeit die Unternehmen. So sind durch die Lieferschwierigkeiten drei Viertel der Betriebe erheblich von steigenden Preisen und 58 Prozent stark von längeren Warte– und Lieferzeiten betroffen. Als größtes Geschäftsrisiko betrachten zwei Drittel (Vorquartal 64 Prozent) der Unternehmen die hohen Energie– und Rohstoffpreise. Daneben stellen die Corona-Pandemie mit 60 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) und der Fachkräftemangel mit 57 Prozent (Vorquartal 58 Prozent) weitere große Geschäftsrisiken dar. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ist per saldo leicht gesunken. 26 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) der Betriebe planen Neueinstellungen, während wie im Vorquartal rund jeder Zehnte einen Personalabbau in Betracht zieht.

Konjunkturdelle im Winterhalbjahr wohl größter als erwartet

Mit der Pandemie-Welle durch die Corona-Variante Omikron wird die Konjunktur erneut gebremst. Wahrscheinlich ist, dass die regionale Wirtschaftsleistung auch in den ersten Monaten des Jahres 2022 beeinträchtigt wird, da die Industrie wegen anhaltender Materialengpässe vorerst kein ausreichendes Gegengewicht zu den betroffenen Dienstleistungsbereichen schaffen kann. Die von der Bundesregierung angekündigten besseren Rahmenbedingungen für Investitionen sind daher ein wichtiges Signal, dem konkrete Schritte folgen sollten. Denn insgesamt dürfte die Konjunkturdelle im Winterhalbjahr wohl größer ausfallen als erwartet. Auch die anschließende Erholung dürfte zunächst langsamer vorangehen. Mit einem Abebben der Inzidenzen bei wärmerem Wetter und angepassten Impfstoffen kann auf eine Entspannung bei den Dienstleistungen ab dem Frühjahr gehofft werden.

Lage in der Industrie verbessert

In der Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Lage auf hohem Niveau per saldo geringfügig besser als im Vorquartal ein. 56 Prozent (Vorquartal 54 Prozent) der Betriebe beurteilen den aktuellen Geschäftsverlauf als gut, während 4 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) die Geschäftslage für schlecht halten. Lieferengpässe und Materialknappheiten bremsen nach wie vor deutlich die Erholung in der Industrie.
Die Exporterwartungen sind auf hohem Niveau stabil geblieben.
84 Prozent der Unternehmen sind dadurch erheblich von Preisanstiegen, 62 Prozent erheblich von längeren Lieferzeiten betroffen. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland haben per saldo auf hohem Niveau wieder an Dynamik gewonnen. 36 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) der Unternehmen verbuchten steigende Inlandsorders. 9 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) verweisen auf einen Rückgang. Bei den ausländischen Auftragseingängen melden 43 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) einen Anstieg. 14 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) mussten Einbußen hinnehmen. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung lag bei 85 Prozent (Vorquartal 86 Prozent). Die Zuversicht mit Blick auf die erwartete Entwicklung im Jahr 2022 hat erneut etwas abgenommen. 38 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) der Unternehmen erwarten eine günstigere zukünftige Geschäftsentwicklung. Ein Zehntel (Vorquartal 7 Prozent) blickt skeptisch in die Zukunft. 49 Prozent (Vorquartal 51 Prozent) kalkulieren mit Umsatzsteigerungen. 9 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) befürchten Umsatzrückgänge. Die Exporterwartungen sind auf hohem Niveau stabil geblieben. Wie im Vorquartal rechnen 45 Prozent mit steigenden Exporten, während 6 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) von einem rückläufigen Auslandsgeschäft ausgehen. Auch die inländischen Investitionspläne haben sich per saldo konstant entwickelt. 42 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) der Betriebe planen höhere Inlandsinvestitionen, 13 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) kalkulieren mit einem Rückgang. 30 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) erwägen Neueinstellungen, 7 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) planen einen Personalabbau.

Situation im Baugewerbe trotz Rückgang am besten

Das Stimmungsbild im regionalen Baugewerbe hat sich gegenüber dem Vorquartal auf hohem Niveau verschlechtert. 61 Prozent der Unternehmen (Vorquartal 74 Prozent) bezeichnen die Geschäftslage als gut, während nach wie vor kein Betrieb mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden ist. Beinahe jeder zweite Betrieb ist durch die Materialknappheit erheblich von Preisanstiegen betroffen. Fast ein Drittel berichtet von längeren Lieferzeiten in erheblichem Umfang. Die Auftragslage insgesamt hat sich verschlechtert. Während 7 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) steigende Auftragseingänge melden, mussten 14 Prozent (Vorquartal 0 Prozent) der Unternehmen Einbußen hinnehmen. Im Wohnungsbau und im Straßen– und Tiefbau haben sich die Auftragseingänge gegenüber dem Vorquartal verbessert. Im öffentlichen Hochbau und vor allem im gewerblichen Hochbau wird die Auftragslage hingegen per saldo ungünstiger als im Vorquartal eingeschätzt. Die Auslastung von Maschinen und Geräten liegt bei 81 Prozent (Vorquartal 83 Prozent). In die Zukunft blicken die Bauunternehmen per saldo nach wie vor leicht skeptisch. 13 Prozent (Vorquartal 5 Prozent) erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf, während 18 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) mit einer schlechteren Entwicklung rechnen. Größte Geschäftsrisiken stellen der Fachkräftemangel (87 Prozent) und die Energie– und Rohstoffpreise dar (68 Prozent). Wie im Vorquartal wollen 21 Prozent ihren Personalbestand erhöhen, 8 Prozent (Vorquartal 0 Prozent) erwägen Entlassungen.

Großhandel positiver

Im an der Schnittstelle von nationalen und internationalen Märkten operierenden Großhandel fällt die Lageeinschätzung auf hohem Niveau etwas günstiger als im Vorquartal aus. 55 Prozent (Vorquartal 51 Prozent) der Großhändler sprechen von einem guten Geschäftsverlauf. 8 Prozent (Vorquartal 7 Prozent) äußern sich unzufrieden über die Geschäftslage. Durch Lieferschwierigkeiten sind 82 Prozent von gestiegenen Preisen, 57 Prozent von längeren Lieferzeiten stark betroffen. Das Bestellverhalten fällt per saldo zurückhaltender als im Vorquartal aus. 39 Prozent (Vorquartal 42 Prozent) berichten über steigende Bestellungen. Ein Fünftel (Vorquartal 12 Prozent) meldet einen Rückgang. Größte Geschäftsrisiken stellen die Energie– und Rohstoffpreise (80 Prozent) und die Corona-Pandemie (67 Prozent) dar. 41 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) erwarten eine günstigere zukünftige Entwicklung. 35 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) planen einen Stellenaufbau.
Die Stimmung im regionalen Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorquartal per saldo deutlich verschlechtert.

Deutliche Eintrübung im Einzelhandel

Die Stimmung im regionalen Einzelhandel hat sich gegenüber dem Vorquartal per saldo deutlich verschlechtert. 48 Prozent (Vorquartal 61 Prozent) der Einzelhändler sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während 16 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) die Lage als schlecht bezeichnen. Die Situation in den Teilbereichen ist nach wie vor sehr unterschiedlich. Die Geschäfte im Lebensmittelhandel und bei den Baumärkten laufen weiterhin sehr gut, während der Einzelhandel mit Möbeln und vor allem mit Bekleidung eine deutlich unterdurchschnittliche Lage meldet. Neben den wieder verschärften pandemiebedingten Einschränkungen belastet die hohe Inflation zurzeit das Kaufverhalten der Kunden. 60 Prozent der Einzelhändler klagen zudem über erheblich längere Lieferzeiten aufgrund anhaltender Störungen der globalen Lieferketten. Nur noch 16 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) stufen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig ein. 36 Prozent (Vorquartal 55 Prozent) halten das Kaufverhalten für saisonüblich angemessen. 48 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. 39 Prozent (Vorquartal 33 Prozent) rechnen dennoch mit Umsatzsteigerungen. Die Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Geschäftsverlauf fallen per saldo vorsichtig optimistisch aus. 30 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) gehen von einer günstigeren Entwicklung aus, 16 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) blicken mit Skepsis in die Zukunft. Größte Geschäftsrisiken werden in der Corona-Pandemie und in der Inlandsnachfrage gesehen. 16 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) erwägen Neueinstellungen, 5 Prozent (Vorquartal 0 Prozent) planen Personal abzubauen.

Dynamik bei Dienstleistern leicht abgeschwächt

Die Beurteilung der konjunkturellen Situation durch die regionalen Dienstleister insgesamt fällt per saldo geringfügig ungünstiger als im Vorquartal aus. 36 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der Dienstleister melden eine gute Geschäftslage, während 23 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf nicht zufrieden sind. Nach wie vor zeigen sich große Unterschiede in den Teilbereichen. Stark überdurchschnittlich sind die Lageurteile bei den ITK-Dienstleistern. Sehr schlecht fallen sie bei den Reisevermittlern aus. 34 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) aller Dienstleister melden einen Umsatzanstieg, 29 Prozent wie im Vorquartal einen Rückgang. 28 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) berichten von steigenden, ein Fünftel (Vorquartal 13 Prozent) von rückläufigen Auftragsvolumina. 30 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) blicken mit Optimismus in die Zukunft. 15 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) erwarten eine Verschlechterung. Größte Risiken stellen die Corona-Pandemie und der Fachkräftemangel dar. 27 Prozent (Vorquartal 29 Prozent) planen einen Stellenaufbau.

Hotel- und Gaststättengewerbe in der Krise

Im Hotel- und Gaststättengewerbe hat sich Lage durch die hohen Inzidenzen und die Einführung von 2G und 2G plus in den Betrieben gegenüber dem Vorquartal erneut verschärft. 8 Prozent (Vorquartal 31 Prozent) berichten von einer guten Geschäftslage. Dagegen sind 57 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. Zwei Drittel (Vorquartal 57 Prozent) melden eine problematische Finanzierungssituation. Sechs Prozent droht die Insolvenz. Größte Geschäftsrisiken sind die Corona-Pandemie und der Fachkräftemangel. 44 Prozent blicken pessimistisch, 31 Prozent optimistisch in die Zukunft.
Weitere Informationen zur aktuellen Konjunkturlage unter: www.heilbronn.ihk.de/konjunkturbericht

Kennzahlen per Newsletter

Aktuelle Informationen zu den Themen aktuelle Wirtschaftszahlen, Konjunktur sowie Neues aus der amtlichen Statistik enthält der IHK-Newsletter „Wirtschaft und Statistik“. Er kann kostenfrei auf der IHK-Homepage, Rubrik Newsletter abonniert werden:  www.heilbronn.ihk.de/newsletter

IHK-Konjunkturumfrage

Im Rahmen der Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Öffentlichkeit sind die Ergebnisse der Konjunkturumfrage für die IHK eine wirksame Argumentationshilfe. Machen auch Sie bei der Konjunkturumfrage mit und tragen Sie mit Ihrer Stimme zu einer repräsentativen Beteiligung der regionalen Unternehmerschaft bei.

Sie nehmen bisher noch nicht teil? – Hier können Sie sich anmelden:

Kontakt

Dorothee Kienzle
Dorothee Kienzle
Referentin Volkswirtschaft