Resilienz der Lieferketten steigern

Was bedeutet Resilienz der Lieferkette? Allgemein gesehen beschreibt sie die Fähigkeit eines Unternehmens, nach einer Störung in kürzester Zeit zur normalen Lieferfähigkeit zurückzukehren. Dies ist ein langfristiger Optimierungsprozess, der viele verschiedene Aspekte umfasst. In unserem Artikel haben wir einen Überblick davon zusammengestellt.

Relevanz für Ihr Unternehmen

Zunehmende geopolitische, regulatorische, ökologische und technologische Risiken machen resiliente Lieferketten zu einer Voraussetzung, um Produktionsausfälle, Strafzahlungen, Reputationsschäden und Marktverluste zu vermeiden – und gleichzeitig Chancen in einem unsicheren globalen Umfeld zu nutzen.
  • Viele wichtige Vorprodukte der deutschen Wirtschaft stammen aus dem Ausland
  • Erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung mit Rohstoffen und bestimmten Technologien und ein hohes Risiko für Schlüsselbranchen
  • Von Nachhaltigkeit bis hin zur vollständigen Transparenz
  • Die Verbindungen in Lieferketten zwischen Herstellern, Lieferanten, Händlern und anderen Beteiligten bilden die Grundlage für Cyberangriffe, die die Sicherheit der Lieferkette gefährden.

Dimensionen und mögliche Maßnahmen

Sicherstellung der Lieferkettenresilienz umfasst mehrere Aspekte, die miteinander eng verknüpft sind und in der Kombination betrachtet werden sollten. Einige davon sind unter anderem:
  1. > End-to-End-Transparenz über Lieferkettenakteure, Materialflüsse, Bestände, Kapazitäten und Transportwege
  2. > Identifikation und Bewertung potenzieller Risiken
    > Regelmäßige Überprüfung
  3. > Dual / Multi Sourcing für kritische Rohstoffe
    > Alternative Lieferanten, Produktions- und Distributionsstandorte
  4. > Flexibilität in Prozessen, Transparenz
    > Regelmäßige Überprüfung und Optimierung
  5. > Einsatz von neuen Technologien
    > Cyber-Resilienz
  6. > Einhaltung regulatorischer Vorgaben entlang der gesamten Lieferkette
    > Recycling und Wiederverwendung
  7. > Schulung von Mitarbeitenden
    > Klare Verantwortlichkeiten
    > Cross-funktionale Teams und interdisziplinäre Steuerung

Risikoanalyse als Grundlage

Die Durchführung einer Risikoanalyse bildet die Grundlage für weitere Maßnahmen. Die Risikoanalyse sollte von jedem Unternehmen individuell durchgeführt werden, da jedes Unternehmen ein eigenes Risikoprofil hat. Dieses beinhaltet nicht nur allgemeine Risiken, sondern auch Risiken, die für ein bestimmtes Unternehmen, eine bestimmte Branche, ein bestimmtes Land und so weiter spezifisch sind.
Zu den möglichen Risikokategorien in Lieferketten gehören:
  • Währungs- und Inflationsschwankungen
  • Handelskonflikte, Sanktionen, Embargos sowie Export - und Importbeschränkungen
  • Naturkatastrophen, Extremwetter
  • Ressourcenverknappung (seltene Erden)
  • Cyberangriffe
  • Systemausfälle
  • Datenverfügbarkeit
  • Inkompatible Schnittstellen
  • Gesetzliche Lieferketten- und Material Compliance Anforderungen
  • Datenschutz, geistiges Eigentum
  • Zoll- und Exportkontrollverstöße
  • Störungen in Schiffs-, Luft-, Schienen- oder Straßennetz
  • Umfälle auf Transportwegen
  • Rohstoff-und Produktengpässe
  • Hohe Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten
  • Lieferantenausfälle
  • Insolvenzen, Liquiditätsprobleme
  • Qualitätsmängel, Kapazitätsengpässe, verspätete Lieferungen
  • Fehlende Zertifizierungen und unerfüllte ESG-Anforderungen
  • Rohstoff- oder Energiekosten
  • Inflation
  • Zinsänderungen
(!) Die Risikoanalyse ist jedoch keine einmalige Maßnahme – um nachhaltigen Erfolg zu erzielen, benötigen Unternehmen ein effektives Risikomanagementsystem. Dabei geht es um den Einsatz fundierter Methoden und Technologien, ein gut funktionierendes Prozessmanagement, klare Strukturen und Verantwortlichkeiten, die Einführung von Compliance-Maßnahmen und einer Compliance-Kultur und viele andere Aspekte.

Kritische Abhängigkeiten in Lieferketten

Kritische Abhängigkeiten entstehen dort, wo Konzentration, geringe Substituierbarkeit und hohe Geschäftsauswirkung zusammenfallen:
  • Über 50 Prozent (abhängig von der jeweiligen Unternehmenssituation auch weniger) des Beschaffungsvolumen, einer Technologie oder einem Rohstoff stammen von einem Lieferanten, einem Standort oder einer Region.
  • Wechsel zu Alternativen ist mit einem hohen (Zeit)Aufwand oder hohen Kosten verbunden oder (fast) unmöglich.
  • Ein Ausfall hat erhebliche negative Auswirkungen auf Umsatz, Lieferzeiten, Qualitätsziele oder Compliance.
Abhängigkeiten können auch parallel in mehreren Bereichen entstehen - Logistikwege, Energiequellen, IT-Systeme und -Dienstleister, kritische Rohstoffe, Fachkräfte und so weiter.
  • (zum Beispiel patentiertes Verfahren, Monopolen)
  • (zum Beispiel Halbleiter Taiwan)
  • (zum Beispiel Sueskanal)
  • (zum Beispiel Seltene Erden)
  • (zum Beispiel Abhängigkeiten von Provider / Plattformen)
  • (zum Beispiel Schlüsselpersonen, Spezialdienstleister)
  1. > End-to-End-Mapping: Netzwerkkarte mit Standorten, Routen, Transportmitteln, IT-Systemen und so weiter.
  2. > Einfluss auf die Lieferkette / das Gesamtgeschäft
    > Ausfallwahrscheinlichkeit
    > Substituierbarkeit sowie mögliche technische und regulatorische Hürden
    > Szenario- und Stresstests
  3. > Visualisierung
    > Bewertung (Scoring)
  • Diversifizierung von Beschaffungsquellen, Lieferantenentwicklung
  • Nearshoring, lokale Lager oder Fertigung
  • Kapazitäts-Sharing
  • Klare Notfall- und Krisenpläne
  • Notfallübungen
  • Anpassung von Lieferantenverträgen
  • Versicherungen
  • Sicherheitsbestände, strategische Lager
  • Kapazitäts-Puffer
  • Material- und Technologiesubstitution
  • Re-Design von Produkten

Diversifizierung der Beschaffungsmärkte

Die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) sind in über 90 Ländern ansässig und bieten eine effiziente Anlaufstelle, um neue Lieferanten im Ausland zu finden und zu qualifizieren.
Die AHKs kennen die lokalen Märkte, pflegen enge Kontakte zu Produktions­betrieben, Handelsvertretungen und Behörden und können
  • gezielt potenzielle Lieferanten identifizieren und vorselektieren
  • individuelle B2B-Matchmaking-Termine organisieren
  • Hintergrundinformationen zu Preisen, Kapazitäten, Qualitätsstandards und Zertifizierungen liefern
  • erste Due-Diligence-Checks (Bonität, Reputation, ESG) durchführen
  • bei Vertragsverhandlungen, Zoll- und Rechtsfragen sowie kulturellen Besonderheiten unterstützen.

Nachhaltigkeit und Compliance der Lieferkette

Deutsche Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ihre Lieferketten sozial verantwortungsvoll, nachhaltig und transparent zu gestalten und umfangreich zu dokumentieren.
Nur einige Aspekte davon sind:
In der EU (Beispiele) International (Beispiele)
Menschenrechte,
Nachhaltigkeit
Material
Compliance
Embargos,
Sanktionen,
Exportkontrolle

Digitalisierung und neue Technologien

Moderne Technologien wie KI-gestützte Prognosen oder digitale Zwillinge verschaffen der Lieferketten-Echtzeittransparenz, schnellere Störungs­erkennung und präzise Simulationen von Alternativszenarien – das erhöht die Reaktions­geschwindigkeit und senkt Ausfallkosten.
Zugleich entstehen neue Risiken:
Cyberangriffe, Datenmissbrauch, Abhängigkeit von Cloud-Providern und weitere.
Technologien und IT-Systeme können selbst zur Schwachstelle werden, wenn keine konsequenten Cyber-Security-Maßnahmen etabliert sind.

Schulungen und Weiterbildung

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Stand: 17. November 2025
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Quelle: IHK Bodensee-Oberschwaben