Duale Ausbildung

Ausbildungszahlen steigen nach zwei Corona-Jahren wieder leicht an

Die Talsohle auf dem Ausbildungsmarkt scheint durchschritten: Zum Ausbildungsstart am 1. August 2022 haben sich wieder mehr junge Menschen in Schleswig-Holstein für eine Duale Ausbildung entschieden. Insgesamt haben die IHKs in Flensburg, Kiel und Lübeck 7.220 neue Ausbildungsverträge aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistung eingetragen. Das macht ein leichtes Plus von 115 Verträgen gegenüber dem Vorjahr (+ 1,6 Prozent).
„Dass sich die Ausbildungszahlen stabilisieren, ist eine Entwicklung, die uns Mut macht. Wir sind zuversichtlich, dass in den Sommermonaten landesweit noch weitere Ausbildungsverträge hinzukommen. Denn der beste Weg für jedes Unternehmen, dem Fachkräftemangel zu begegnen, bleibt die Ausbildung im eigenen Betrieb“, sagt Hagen Goldbeck, Präsident der IHK Schleswig-Holstein. Auch die Wirtschaft selbst müsse den Schülerinnen und Schülern jetzt noch deutlicher aufzeigen, welche Chancen eine Ausbildung für den Karriereweg bedeuten könnten, ergänzt der Präsident.
Nur mit gut ausgebildeten Fachkräften ließe sich den dringlichen Problemen begegnen – von der Energie-Krise über den Klimawandel bis hin zum demografischen Wandel. Die Branchen, die am stärksten Fachleute suchten, seien zum Beispiel Industrieunternehmen wie der Maschinenbau, die Informationstechnologie oder die Gastwirtschaft und das Handwerk. Für Schulabgänger lohne es sich, genau hinzuschauen, wo die eigenen Interessen auf größtmögliche Chancen treffen. Die anschießende Weiterbildung werde vom Staat mit bis zu 15.000 Euro über das Aufstiegsbafög gefördert – und das unabhängig vom eigenen Einkommen und vom Einkommen der Eltern.
Die Firma GKN Driveline Deutschland GmbH in Kiel hat in den vergangenen Jahren in 13 Ausbildungsberufen sowohl im kaufmännischen als auch im gewerblich-technischen Bereich ausgebildet. Zwar konnten 2022 alle Ausbildungsplätze besetzt werden, doch sei die Bewerberlage schwierig und kurzfristige Absagen an der Tagesordnung. „In den letzten zwei Jahren hatten wir weniger Bewerbungen, da die Kontaktwege sich stark verändert haben“, sagt Ausbildungsleiter Stephan Burmester. Inzwischen sei das Empfehlungsmarketing einer der wichtigsten Wege, um mit potenziellen Auszubildenden ins Gespräch zu kommen. Personalreferentin Mandy Klose ergänzt: „Wir bewerben uns als Betrieb gleichermaßen bei zukünftigen Azubis und stellen daher unsere Stärken als attraktiver Ausbildungsbetrieb in den Fokus.“ Aufgrund der Vielfalt in den Berufen sei es auch bereits vorgekommen, dass im Bewerbungsgespräch festgestellt wurde, dass ein anderes Berufsbild besser zur Person passen würde. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres August/September 2022 sind 14 Auszubildende bei GKN an Bord.
Die Lage für Bewerbende bleibt auch kurzfristig gut: Betriebe vieler Branchen suchen weiterhin Auszubildende. Laut Agentur für Arbeit waren Ende Juli in Schleswig-Holstein mehr als 8.000 Azubi-Stellen verfügbar. Besonders in den Bereichen Verkauf, Handel, Gastronomie und in den Lager-Logistikberufen ist eine große Zahl an Lehrstellen frei. Dies gilt auch für Kaufleute für Büromanagement und in den Versicherungs- und Finanzdienstleistungsberufen. Auf www.ihk-lehrstellenbörse.de finden Interessierte Informationen und Angebote aus der Region. Auch ein Ausbildungsbeginn zum 1. September 2022 oder später ist möglich und kann individuell vereinbart werden.
Um die Schülerinnen und Schüler über die Perspektiven einer Ausbildung zu informieren, müsse die Berufsorientierung an den Schulen, bei der Agentur für Arbeit und in den Jugendberufsagenturen gestärkt werden, so Goldbeck. Ein anschließendes Praktikum biete die Chance, sich die Unternehmen und die Ausbildungsgänge direkt anzusehen. Noch bis zum Ende der Sommerferien sind viele Tagespraktika im Rahmen der Praktikumswoche möglich. Derzeit werden 32.730 Praktikumstage als eintägige Schnupperpraktika von 585 Unternehmen auf www.praktikumswoche.sh angeboten.
Veröffentlicht am 1. August 2022