Nachhaltige Belebung der Lüneburger Innenstadt gefordert

Der DEHOGA-Bezirksverband Lüneburg, der Handelsverband Harz-Heide e.V., die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), der Lüneburger Citymanagement e.V. (LCM) und der Verein der Lüneburger Gastronomen e.V. fordern gemeinsam eine spürbare Attraktivitätssteigerung und nachhaltige Belebung der Lüneburger Innenstadt.
Neben neuen Veranstaltungsformaten, Familienfreundlichkeit und einem attraktiven Branchenmix ist eine gute Erreichbarkeit für alle Kunden ein zentraler Baustein. Aus diesem Grund stellt sich die Lüneburger Innenstadtwirtschaft geeint gegen die derzeitigen Pläne der Verwaltung, die vor allem eine Reduzierung innenstadtnaher Parkmöglichkeiten in den Fokus nimmt. Es brauche stattdessen ein umfassenderes Konzept, das auch und gerade die Kunden aus der Region berücksichtigt und diesen auch in Zukunft eine gute Innenstadterreichbarkeit ermöglicht.
Anlass hierfür ist die Sitzung des Verwaltungsausschusses des Lüneburger Rates am 5. Mai 2022. In dieser wird über die Vorlage der Verwaltung „Reduzierung von Stellplätzen zu Gunsten von Rad- und Fußverkehr“ abgestimmt. Diese sieht einen Grundsatzbeschluss für die Abschaffung weiterer rund 150 innenstadtnaher Parkplätze vor, ohne dabei Alternativen für die Besucher der Innenstadt aufzuzeigen.
Eine in der letzten Woche von allen beteiligten Wirtschaftsvereinigungen gemeinsam durchgeführte Umfrage unter der Lüneburger Innenstadtwirtschaft hat noch einmal deutlich aufgezeigt: Für 94 Prozent der Betriebe ist die Erreichbarkeit des Standortes wichtig bis sehr wichtig für den Geschäftserfolg, 73 Prozent der Innenstadtkunden kommen mit dem Auto. Das Auto ist damit mit großem Abstand das wichtigste Verkehrsmittel. 74 Prozent des Umsatzes der Lüneburger Innenstadt sind auf Kunden aus dem Umland oder auf Touristen zurückzuführen. Unter dem Strich erwarten 80 Prozent der befragten Betriebe negative Auswirkungen durch die spürbare Reduzierung von innenstadtnahen Parkplätzen und lehnen die Pläne der Lüneburger Verwaltung deshalb ab.
Heiko Meyer, 1. Vorsitzender des „Lüneburger Citymanagement e.V.“ (LCM), sagt dazu: „Lüneburg ist Oberzentrum für vier Landkreise in der Region. Unsere Innenstadt lebt vor allem vom Umland und von den Touristen. Wenn wir diesen Kunden den Weg in die Innenstadt erschweren, wandern diese in den Online-Handel ab. Allein von den Lüneburgern kann unsere Innenstadt niemals leben. Deswegen müssen wir die Kunden von außerhalb und deren Mobilitätsverhalten mitdenken. Außerhalb der Stadt gibt es quasi keine Alternative zum Auto. Unsere Mobilitätspolitik darf deshalb nicht an der Stadtgrenze enden.“
Die Innenstadtwirtschaft kritisiert vor allem, dass die Stadt einen Grundsatzbeschluss zuungunsten des Autoverkehrs herbeiführen will, ohne die Ergebnisse der eigenen Planungen und Konzepte abzuwarten. So wird das derzeit in der Erarbeitung befindliche Parkraumbewirtschaftungskonzept erst für den Sommer 2022 erwartet. Die Aufstellung des „Nachhaltigen Urbanen Mobilitätsplanes“ (NUMP) wird als Grundlage für neue Verkehrsplanungen frühestens Mitte des Jahres beginnen.
„Die Verwaltung geht den zweiten Schritt vor dem ersten. Bevor der eigene Mobilitätsplan Zahlen und Daten als Grundlage liefern kann, sollen bereits Fakten geschaffen werden. Das ist planlos, schadet der Innenstadt und ist daher nicht nachhaltig“, so Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW). „Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit stehen in einem Spannungsfeld, das behutsam ausgeglichen und gegeneinander abgewogen werden muss. Wir alle wollen eine Aufwertung der Innenstadt und mehr Aufenthaltsqualität. Allerdings muss dabei auch die Erreichbarkeit gewährleistet bleiben. Denn ohne Erreichbarkeit hilft auch die beste Aufenthaltsqualität nichts.“
Der Innenstadtwirtschaft geht es dabei ganz bewusst nicht um ein „Auto first“ oder ein „Auto only“, sondern um die Orientierung an Zahlen und Fakten. Legt man die Bedeutung des Autos zugrunde, benötigt die Stadt einen vernünftig ausbalancierten verkehrsträgerübergreifenden Ansatz, der die verschiedenen Interessen aller Innenstadtkunden berücksichtigt.
Aus Sicht der Wirtschaftsvereinigungen könnten Parkplatzsuchverkehre durch deutlich mehr intelligente und digitalisierte Verkehrsinformations- und -lenkungssysteme reduziert werden. Dies befürworten rund 43 Prozent der Befragten. Insbesondere die von außen nach Lüneburg kommenden Besucher könnten auf direktem Weg zu freien Parkmöglichkeiten geführt werden. Hierbei kann eine Konzentration auf die zentralen Parkhäuser und -flächen sinnvoll sein, insofern diese ausreichend Kapazitäten bieten. Einer Reduzierung von Parkplätzen im Innenstadtkern muss jedoch zwingend eine bedarfsgerechte Aufstockung anderer bereits als Parkmöglichkeit genutzter Flächen folgen. Beispiele für eine Aufstockung wären der Parkplatz am Behördenzentrum, die Sülzwiesen oder die bestehenden Parkhäuser. Mehr als 73 Prozent der Unternehmen sprechen sich für eine Aufstockung bestehender innenstadtnaher Parkflächen aus.
Die Wirtschaftsvereinigungen weisen zudem daraufhin, dass das Auto durch die Umstellung auf die Elektromobilität oder strombasierte Kraftstoffe bereits heute einen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs beisteuert. Die Kommunen können dies z. B. durch weiteren den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur unterstützen.
Neben der Frage der Erreichbarkeit geht es der Innenstadtwirtschaft jedoch vor allem um belebende Elemente für das Stadtzentrum. „Wir brauchen mehr neue Ideen, wie wir die Innenstadt nachhaltig beleben. Daran wollen wir als Innenstadtwirtschaft mitarbeiten und mitgestalten. Diese Ideen müssen aber auch in die Umsetzung gebracht werden. Der ,Innenstadt-Beirat´ hat bislang kaum zählbare Ergebnisse hervorgebracht“, fasst Jörg Laser, Vorsitzender des Vereins der Lüneburger Gastronomen e.V., zusammen.
Laser fragt: „Warum bringen wir in Lüneburg keine kleinen elektrischen Shuttles auf die Straße, die die Kunden in kurzen Abständen von den Parkflächen in die Innenstadt bringen oder auf einer Ringbuslinie durch die Innenstadt fahren? Und warum probieren wir solche Ansätze nicht einfach einmal aus, bevor finale Entscheidungen getroffen werden. Ein idealer Zeitraum dafür wäre die hochfrequentierte Weihnachtszeit. Innovative Mobilitätsunternehmen und Autohersteller stünden sicherlich für solche Modellprojekte bereit.“
Neben neuen Ideen für Veranstaltungen und einem Mehr an Handwerk und Kultur in der Innenstadt geht es gemäß DEHOGA-Bezirksverband Lüneburg und Handelsverband Harz-Heide e.V. vor allem darum, weitere Einschränkungen für Gastronomie, Hotellerie und Handel zu vermeiden.
Als Geschäftsführer beider Branchenverbände äußert sich Heinz-Georg Frieling: „Zwei Jahre Corona-Pandemie haben der Innenstadt spürbar zugesetzt. Einzelhandel und Gastronomie leiden bis heute unter Einschränkungen. Kaum aus der Corona-Pandemie raus, setzt uns nun der Ukraine-Krieg zu. Die Umsatzzahlen im Handel sind derzeit reichlich schlecht. Die Kunden haben Angst vor ihrer nächsten Heiz- und Stromrechnung und halten sich deshalb mit Einkäufen zurück. Für uns bedeutet das geringere Umsätze und fehlende Planungssicherheit. Weitere Einschränkungen kann die Innenstadt derzeit nun wirklich nicht gebrauchen. Gemeinsam müssen wir nun versuchen, unsere Einkaufsstadt Lüneburg wieder zu beleben und attraktiver zu gestalten.
LCM-Vorstandsmitglied Cornelius Schnabel ergänzt: „Wir brauchen innenstadtnahe Parkplätze und gerade für ältere oder eingeschränkte Personen auch in Zukunft Parkmöglichkeiten im Innenstadtkern. Das betrifft neben klassischen Innenstadtbranchen auch Ärzte, Notare und Anwaltskanzleien. Das Kurzzeitparken bleibt wichtig, auch in der unmittelbaren Innenstadt. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Ladezonen für den Handel, Hotellerie und Gastronomie.“
„Einschränkungen und Verbote sehen wir kritisch, denn sie nehmen die Menschen selten mit und lassen notwendige Kundenverkehre zu oft außen vor. Wer also Parkplätze an zentraler Stelle reduziert, muss anderswo innenstadtnah neue Parkmöglichkeiten schaffen“, so alle Wirtschaftsvereinigungen abschließend gemeinsam.
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Lüneburg, 3. Mai 2022