EU-Handelsabkommen mit Indien
„Das EU-Indien-Handelsabkommen bietet für die Wirtschaft in unserer Region große Chancen. Angesichts zahlreicher geopolitischer Herausforderungen und einer schwächelnden Konjunktur in Nordostniedersachsen ist das ein Lichtblick“, sagt Andreas Kirschenmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) angesichts der heute getroffenen Vereinbarungen zwischen der EU und Indien in Neu-Delhi.
Er sieht insbesondere Chancen für Unternehmen, die im Maschinen- und Fahrzeugbau tätig sind. Schon jetzt haben über 90 Unternehmen aus Nordostniedersachsen Handelspartner in Indien. Das zeigt auch der Blick auf die Warenströme: Niedersachsen exportierte 2023 Waren im Wert von 671 Millionen Euro nach Indien, das entsprach 0,7 Prozent der Gesamtausfuhr und bedeutete ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2022. Umgekehrt importierte Niedersachsen 2023 Waren aus Indien im Wert von 1,55 Milliarden Euro, das waren 1,2 Prozent der Gesamteinfuhr – ein Minus von 13 Prozent gegenüber 2022.
Indien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, wächst seit Jahren mit 6 bis 7 Prozent und zählt mehr als 1,4 Milliarden Einwohner. Für deutsche Unternehmen ist Indien damit mehr als ein Absatzmarkt: Rund 2.000 deutsche Unternehmen sind dort aktiv und nutzen das Land als Produktions- und Innovationspartner. Umgekehrt sind in Deutschland mehr als 200 indische Firmen aktiv und haben nach Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer über 6,5 Milliarden Euro vor allem in den Branchen IT, Automobil, Pharma und Biotechnologie investiert. Deutschland gilt als wichtigster Handelspartner Indiens in Europa.
Das Abkommen soll helfen, die zum Teil noch beachtlichen Zollsätze und Handelshürden abzubauen, die beim Eintritt in den indischen Markt für deutsche Unternehmen zu beachten sind. Die EU erwartet, dass das Abkommen bis 2032 zu einer Verdoppelung der EU-Exporte nach Indien führt, indem Zölle auf 96,6 Prozent des Wertes der EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt würden. So werden beispielsweise die Zölle auf Autos schrittweise von 110 Prozent auf bis zu 10 Prozent gesenkt und für Autoteile nach fünf bis zehn Jahren vollständig abgeschafft. Auch Zölle auf Maschinen, Chemikalien und Arzneimittel werden größtenteils abgeschafft. Sensible Agrarsektoren werden geschützt.
Nach einer Umfrage der deutsch-indischen Auslandshandelskammer belasten Zollhürden aktuell 52 Prozent der Unternehmen, während 43 Prozent von nicht-tarifären Handelshemmnissen berichten – also Hindernissen, die nicht auf Zöllen, sondern etwa auf Vorschriften beruhen. Für 64 Prozent der Betriebe stellt Bürokratie eine zentrale Belastung dar, 39 Prozent nennen Korruption.
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Lüneburg, 27. Januar 2026
